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Konrad-Adenauer-Gymnasium: Schüler liefern sich bei EU-Planspiel heiße Diskussionen

Konrad-Adenauer-Gymnasium : Schüler liefern sich bei EU-Planspiel heiße Diskussionen

Wie kann man zugleich Verbraucher vor Betrug und Musik- oder Videoanbieter vor Missbrauch bewahren? Datenschutz kontra Urheberrecht: Dieses Thema diskutierten Zehntklässler am Montag am Konrad-Adenauer-Gymnasium - in den Rollen von EU-Parlamentariern, Mitgliedern des Europarates, Kommissaren oder Lobbyisten.

Welchen Sinn hat die Vorratsdatenspeicherung, ACTA ja oder nein, Verbraucherschützer gegen Vertreter der Musikindustrie: Bei diesem EU-Planspiel der regionalen Vertretung der Europäischen Kommission in Bonn ging es heiß her.

Die Schüler besuchen zwei Sozialwissenschafts-Vorbereitungskurse und hatten sich im Vorfeld schlau gemacht. Die Rollen wurden nach dem Zufallsprinzip verteilt, danach erhielten die Mitglieder der Parlamentsparteien, des Rates und der EU-Kommission Rollen- und Profilkarten, die den Schülern bei der Umsetzung helfen sollten.

Minister aus EU-Ländern diskutierten im Rat, Parteivertreter im Parlament. Die Sozialdemokraten waren durch Laura, Minub (beide 16) und Leonard (15) vertreten. "Das Recht jedes Einzelnen muss gewahrt werden", sagte Leonard. "Man darf nicht alles verallgemeinern, nur weil einzelne Menschen Straftaten begehen." Sie waren deshalb gegen eine dauerhafte Vorratsdatenspeicherung. "Vor allem sollen die Daten sicher gelagert werden", sagte Leonard.

Bei ihnen mussten Max (17) und Dennis (15) nicht mehr viel Überzeugungsarbeit leisten: Als Lobbyisten der Verbraucherschützer setzten sie sich für Datenschutz ein. "Die Verbraucher dürfen nicht ausspioniert werden", sagte Max. Die beiden gingen zu Beginn davon aus, dass sie vor allem die Christdemokratischen Parteien beeinflussen mussten.

Die Lobbyisten von Verbraucherschutz, Netzgemeinde, Musikindustrie und sozialen Netzwerken waren vom Losverfahren ausgenommen: Dafür konnten sich Teilnehmer freiwillig melden, die sich zutrauten, geschickt auf die Parlamentarier einzuwirken. Verhandlungen unter vier Augen zwischen Partei- und Interessensvertretern, angeregte Debatten im Plenum, strikt begrenzte Redezeit: Das Planspiel simulierte den Alltag im Europaparlament ganz gut. Das Konzept kam bei den meisten Schülern gut an. "Es hilft zum Beispiel zu verstehen, wie ein Gesetz entsteht", sagte Munib. "Und man kann gut sehen, was die Parteien eigentlich vertreten", so Laura. Deshalb war auch weniger das Ergebnis als das Erlebnis Ziel der ganztägigen Veranstaltung.

Das Planspiel im Konrad-Adenauer-Gymnasium wurde vom CDU-Europaparlamentsabgeordneten Axel Voss eröffnet, an den die Schüler viele Fragen stellten: Wie sein Arbeitstag aussehe, was ihm Spaß oder keinen Spaß mache, wie man sich politisch engagieren könne und mehr. Er stellte am Ende fest: "Die Jugendlichen sind froh, dass man ein Europa hat, in dem sie frei reisen und studieren können."

Das EU-Planspiel

Durchgeführt wird die Planspiel-Reihe von der regionalen Vertretung der Europäischen Kommission in Bonn, die für NRW, Rheinland-Pfalz, Hessen und das Saarland zuständig ist. In diesem Jahr hat die EU-Kommission insgesamt 40 solcher Planspiele finanziert. 153 Schulen hatten sich beworben, bei der Auswahl wurden alle Schulformen berücksichtigt. Ziel ist es, den Jugendlichen den Alltag im Europaparlament praktisch nahe zu bringen.

Infos auf www.eu-bonn.de.