Schulmediatorinnen in Plittersdorf „Bei uns gilt absolute Vertraulichkeit“

Plittersdorf · Irmgard Hesse und Margret Paulus helfen als Schulmediatorinnen Kindern dabei, Konflikte zu lösen. Mit Hilfe von Willi Wutz und Sarah Sauber schaffen sie es oft, Vertrauen auch bei stillen Kindern aufzubauen.

 Irmgard Hesse (l.) und und Margret Paulus gemeinsam mit Willi Wutz und Sarah Sauber.

Irmgard Hesse (l.) und und Margret Paulus gemeinsam mit Willi Wutz und Sarah Sauber.

Foto: Axel Vogel

Willi Wutz ist ein gemütlicher Kerl, den offenbar so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann. Im Gegensatz zu Sarah Sauber. „Die Giraffe kann schon mal zickig sein“, sind sich Irmgard Hesse (63) und Margret Paulus (68) einig. Egal. Die Kinder der Plittersdorfer Donatusschule haben die beiden knuffigen Plüschtiere längst in ihre Herzen geschlossen. Willi und Sarah sind jedoch nicht zum Kuscheln da, sondern sie sind vielmehr ein Sprachrohr für sensible Kinderseelen. Denn Schwein und Giraffe helfen ihnen, über Probleme und Konflikte zu sprechen.

„Willi und Sarah sind unsere wichtigsten Kollegen“, schmunzeln die beiden ehrenamtlichen Mediatorinnen des Vereins „Seniorpartner in School“ (SiS) Paulus und Hesse. Seit gut einem Jahr kommen beide regelmäßig in die Godesberger Grundschule und bieten den sechs- bis elfjährigen Schülerinnen und Schüler ihre Hilfe an. Meist geht es um Streitereien, manchmal suchen die Kinder jedoch auch jemanden, der ihnen bei Konflikten und größeren Auseinandersetzungen zur Seite steht. Probleme mit sozialen Medien, Einsamkeit zu Hause oder ein viel zu prall gefüllter Freizeitkalender machen manchen Kindern das Leben schwer.

Schüler sollen lernen, Konflikte zu lösen

„Für Kinder sind die Freundschaften und Gemeinschaften, die sie in ihrer Schulzeit pflegen, ein wichtiger Teil ihrer Entwicklung. Dazu gehört auch die Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen. Der Schulalltag bietet bisweilen wenig Raum, um für Streitereien und Konflikte, Probleme und Nöte faire und ausgewogene Lösungen zu finden“, erklärt Sieglinde Osang, SiS-Regionalleiterin. Durch das Mediationsangebot würden die Kinder wichtige Konfliktlösungskompetenzen lernen und gleichzeitig Selbstwirksamkeit und Anerkennung erfahren.

Dafür nehmen sich erfahrene SiS-Teams die Zeit, die im Schulalltag oft fehlt. So lernen Schülerinnen und Schüler ihre Stärken kennen und entwickeln Verständnis für die Bedürfnisse der Klassenkameraden. Und sie würden lernen, wie sie empathisch und wertschätzend miteinander umgehen können, Konflikte konstruktiv bewältigen und teamfähig werden. „Gleichzeitig übernehmen sie altersgerecht Verantwortung“, so die beiden ehrenamtlichen Mediatorinnen aus Plittersdorf.

„Bei uns gilt absolute Vertraulichkeit“, betont Margret Paulus, die keine konkreten Beispiele aus ihrer Sprechstunde nennen möchte. „Die Kinder wissen, dass nichts aus diesem Raum dringt.“ Dennoch verraten die beiden Mediatorinnen, weshalb die meisten Schüler Hilfe suchen. „In der Regel geht es um alltägliche Streitereien“, sind sich die beiden Frauen einig. Mal kommen sie allein, manchmal bringen sie einen oder mehrere Konfliktpartner mit. „Aber alle kommen freiwillig zu uns“, betont Paulus.

Es sei schön zu erleben, wie sich dabei selbst die Kinder öffneten, von denen zuvor noch gesagt wurde, dass sie eher gar nicht sprechen würden. „Sie wissen, dass wir weder mit den Eltern noch den Lehrern über das sprechen, was sie uns anvertrauen.“ Nur bei tiefgreifenden Konflikten würde man sozialpädagogischen Rat hinzuziehen.

Durch die Gespräche lernen die Kinder schließlich ihrer Konflikte zu benennen, die eigene Sicht darzustellen sowie ihre Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken. Gleichzeitig betrachten sie ihr Gegenüber: Wie geht der andere mit dem Problem um? Wie fühlt er sich in der Situation? „So haben beide die Möglichkeit, gemeinsam eine Lösung zu entwickeln“, so Hesse. Denn vorgefertigte Lösungen bekommen die Kinder von den Mediatorinnen nicht.

Man wolle ihnen vielmehr Hilfen anbieten, um das Problem allein zu lösen. Und dafür sei Kommunikation alles – ob mit Willi Wutz, Sarah Sauber oder den Klassenkameraden. Natürlich gibt es ein paar Regeln, die alle einhalten müssen: Nur derjenige darf sprechen, der den goldenen Stein in den Händen hält. Alle andere müssen warten. „Es ist wichtig, dass die Kinder lernen, anständig miteinander umzugehen. Hier darf jeder ausreden und es wird nicht gebrüllt“, betont Irmgard Hesse. Man wolle den Schülern zeigen, wie man Streitereien mit Anstand und Respekt aus der Welt schaffen kann.

Die Sorgen sind von unterschiedlicher Natur

So unterschiedlich die Kinder und ihre Sorgen sind, so verschieden ist auch das Hilfsangebot. „Manche kommen nur einmal, andere besuchen mehrmals unsere Sprechstunde“, sagt Margret Paulus. Natürlich traut sich nicht jeder. „Daher gehen wir in den Pausen auf den Schulhof. Manchmal sprechen wir Kinder an, aber meistens kommen sie zu uns“, so Hesse.

Lösungen „von der Stange“ können die beiden Mediatorinnen sowieso nicht anbieten. „Wir können nur einen Weg aufzeigen. Ob die Kinder ihn gehen, überlassen wir ihnen“, sagt Margret Paulus. „Aber sie gehen anders aus der Sprechstunde heraus, als sie hineingekommen sind“, ergänzt Irmgard Hesse.

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