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Ein normaler Alltag im Altenheim ist nicht in Sicht: Schwester Lancy besucht die Hilfsbedürftigen

Ein normaler Alltag im Altenheim ist nicht in Sicht : Schwester Lancy besucht die Hilfsbedürftigen

In Zeiten von Corona sind Besuche bei Verwandten im Altenheim schwierig. Umso mehr sind die Mitarbeiter gefragt.

Ein Besuch bei Omi im Seniorenheim ist in Zeiten von Corona keine einfache Sache, kann doch das neuartige Virus unbewusst in die Einrichtung eingeschleppt und im schlimmsten Fall sich unter den Bewohnern ausbreiten.

Strenge Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht und Abstandsregeln sollen das verhindern. Damit den Senioren nicht die soziale Isolation bleibt, sind die Mitarbeiter besonders gefragt. Eine von ihnen ist Hospizschwester George Lancy. Sie arbeitet in der Wohnanlage Emmaus im Palliativbereich. Hier betreut die Schwester hilfsbedürftige und sterbende Menschen. Dass Lancy die Senioren begleiten darf, sei ihr zu Corona-Zeiten besonders wichtig, sagt sie. „Wegen der Schutzmaßnahmen sind Besuche von Angehörigen nicht einfach“, schildert Lancy. „Manche sind selbst Teil der Risikogruppe und können die Bewohner nicht besuchen.“ Die Hospizschwester stehe daher Tag und Nacht bei den Senioren am Bett und leiste Beistand. Das Lancy so für die Menschen da sein kann, ist auch ein Verdienst der Bürgerstiftung Rheinviertel, die ihre Stelle zu zwei Dritteln finanziert. „Über drei Monate hatten wir jetzt eine Situation, dass die Senioren nicht von den Angehörigen besucht werden konnten, daher war es ein Segen für die Menschen, dass Schwester Lancy weiterhin Betreuungsarbeit leisten konnte“, sagt Vorstandsmitglied Hanns-Christoph Eiden.

Das Angebot sei nur mit Hilfe von Spenden möglich, betont er. „Wir sind dankbar. Gerade in Corona-Zeiten merkt man, wie wichtig unsere Stiftung ist“, so Eiden. Mit Dhanya Tees habe die Stiftung noch eine weitere Hospizschwester im St. Vinzenzhaus untergebracht.

Damit die Schwestern, Pflegekräfte und Therapeuten weiterhin für die Senioren da sein können, bedarf es vieler Schutzmaßnahmen, wie Susanne Littfinski, Leiterin vom Wohnhaus Emmhaus, mitteilt. „Um einen möglichen Ausbruch des Virus zu verhindern, haben wir früh die Mitarbeiter und Bewohner in drei Wohngruppen eingeteilt.“

In der jeweiligen Gruppe konnten die Senioren ihre Mahlzeiten weiterhin gemeinsam einnehmen. „Über Monate durften die Bewohner keinen Besuch empfangen“, schildert Littfinski. Mit mehr Einzelbetreuung habe man versucht die Senioren aufzufangen, ein wirklicher Familienersatz sei das aber nicht gewesen, so die Leiterin.

Zumindest per Videotelefonie sei ein fortlaufender Kontakt zu Angehörigen ermöglicht worden und auch über die Balkone hinweg konnten sich die Bewohner unterhalten. Ein wichtiger Schritt seien aber die Lockerungen zum 1. Juli gewesen, sagt Littfinski. „Mit den Lockerungen sind wieder Zimmerbesuche möglich und wir haben auch Parkflächen, wo die Abstände eingehalten werden können.“

Ein normaler Alltag sei für Bewohner und Mitarbeiter dennoch nicht in Sicht, wie Littfinski betont. „Wir leben in der Hoffnung auf den Impfstoff, weil so wie wir momentan arbeiten, ist das mit sehr vielen Einschränkungen verbunden“, sagt sie.

Die Vorsichtsmaßnahmen seien angebracht, denn andere Bespiele hätten gezeigt, wie schnell das Virus in Altenheimen ausbrechen kann. Daher werde jeden Tag bei den Mitarbeitern und Bewohnern Fieber gemessen und das Tragen von Masken sei ohnehin Pflicht.

Ein Umstand, den Auszubildende Caroline Loher traurig stimmt. „Ich hoffe, dass es bald einen Impfstoff gibt, damit wir wieder die Maske abnehmen und die Bewohner unser Lächeln sehen können“, sagt sie.

Vor dem Haus stehen drei Besucherzelte. Ein durchsichtiger Spuckschutz trennt die Sitzecken in zwei Hälften. „Die Zelte wurden eingerichtet, damit die Bewohner im Mai wieder Besucher empfangen konnten“, erzählt Littfinski. Dass Besucher und Angehörige auf das Grundstück dürfen, sei aber mit viel Aufwand verbunden.

„Ohne ehrenamtliche Hilfe könnten wir nicht an sieben Tagen die Woche Besuch zulassen.“ Gerade Ehrenamtliche würden bei den Kontrollen eine wichtige Rolle einnehmen. „Sie weisen die Besucher ein, nehmen die Kontaktdaten auf und desinfizieren die Sitzbereiche.“ Auch Therapeuten dürfen Hausbesuche machen: „In Schutzkleidung und mit medizinischer Anordnung des Arztes.“