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Verstoß gegen Corona-Schutzverordnung: Schwimmbad der Bodelschwinghschule ist wegen mangelhafter Lüftung geschlossen

Verstoß gegen Corona-Schutzverordnung : Schwimmbad der Bodelschwinghschule ist wegen mangelhafter Lüftung geschlossen

Das Lehrschwimmbecken der Bodelschwinghschule ist vorerst geschlossen. Der Grund: Die Durchlüftung ist schlechter als sie gemäß der Corona-Schutzverordnung sein müsste. Auch andere Bäder sind von dieser Regelung betroffen.

Hallenbäder, die den Schwimmern in den kalten Monaten zur Verfügung stehen, sucht man in Bad Godesberg derzeit vergebens. Das Kurfürstenbad wurde vor geraumer Zeit (endgültig) dicht gemacht, das Schwimmbad des Konrad-Adenauer-Gymnasiums ereilte im Frühjahr 2018 dasselbe Schicksal. Immerhin wird dieses voraussichtlich im Winter 2020/2021 nach umfangreicher Sanierung wieder eröffnet. Nun aber hat es ein drittes Schwimmbad im Stadtbezirk getroffen: das der Bodelschwinghschule.

Dort musste das Lehrschwimmbecken bis auf Weiteres gesperrt werden, teilt Andrea Schulte vom städtischen Presseamt auf GA-Anfrage mit. Der Grund: Die Leistung der Lüftungsanlage ist nicht ausreichend, „um die Durchlüftung, wie sie gemäß Coronaschutzverordnung gefordert ist, zu gewährleisten“, so Schulte. Derzeit werde die Anlage überprüft, im Anschluss ergreife man „die notwendigen Maßnahmen zur Wiederherstellung einer ausreichenden Lüftung der Schwimmhalle“. Das gilt übrigens nicht nur für das Godesberger Bad. Wie die Stadt auf GA-Anfrage mitteilte, sind alle Bonner Schulschwimmbäder – also auch in der Ludwig-Richter- und der Rheinschule – betroffen. Die Hallen im KAG und der Derletalschule werden laut Schulte ohnehin gerade saniert. Sprich: Kein Schulschwimmbad kann geöffnet werden.

Fünf Vereine sind von der Schließung betroffen

Die Schließung des Bades in Friesdorf trifft fünf Vereine: den Verein für Behindertensport, den Godesberger Turnverein (GTV), den Familiensportbund Bonn, die SG Wago und die Freibad Freunde Friesdorf (FFF), die auf insgesamt 34 Wochenstunden verzichten müssen. Auch auf den Schwimmunterricht wirkt es sich aus. Für die Schüler entfallen insgesamt 21 Wochenstunden. Alternativ könnten die Schulen, falls gewünscht, in die Freibäder ausweichen, so Schulte. Ob das tatsächlich gelingt und ob für die Vereine Ausweichtermine möglich sind, wird derzeit geprüft. Doch, so schränkt Schulte ein: „Die Wasserzeiten in Bad Godesberg sind allerdings sehr begrenzt, da ab Ende September nur die Traglufthalle in Friesdorf für den Bonner Süden zur Verfügung steht.“

Und wie bewerten die Vereine die Situation? Besonders hart ist der Verein für Behindertensport (VfB) betroffen, der normalerweise 15 Kurse in der Bodelschwinghschule anbietet. 36 Kinder können keine Schwimmkurse besuchen, 150 Erwachsene ihrem Rehasport nicht nachgehen, sagt Martina Weiß-Bischof vom VfB. Eigentlich wollte man am 17. August wieder loslegen, nun sitze man im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Trockenen. Und: „Eine Alternative ist nicht in Sicht.“ Doch nicht nur, dass die meisten Reha-Sportler auf das Wasser angewiesen seien und man ihnen nichts bieten könne, sei „katastrophal“. Auch finanziell mache sich die Schließung bemerkbar. Keine Kurse – kein Geld von den Krankenkassen, lautet das ernüchternde Fazit.

Alternativen für die betroffenen Vereine sind Mangelware

Ärgerlich ist die Situation auch für die FFF, sagt Vizevorsitzender Rafael Röger. Der Wassergymnastikkurs, den man im Bad der Bodelschwinghschule anbiete, sei sehr gefragt, sogar überbucht. „Wir haben bei der Stadt zusätzliche Zeiten im Friesi angefragt“, so Röger. Allerdings habe man diese nicht bekommen. „Es ist eben schwierig wegen der Schulen und der anderen Vereine.“ Auch eine andere Alternative sei nicht in Sicht. Die FFF stünden in Kontakt mit der Stadt, unter anderem wegen der Planung für die Hallenbadzeiten. „Wir haben aber nicht wirklich Hoffnung, dass wir den Ausfall kompensieren können“, so Röger (siehe Artikel „Belegungszeiten der Hallenbäder“)

Wenig erfreut ist man auch beim Familiensportbund Bonn, der im Bad der Bodelschwinghschule unter anderem Schwimmausbildung für Kinder und Wassergymnastik für alle Altersgruppen anbietet. Man hoffe, „dass wir bei den Ausweichterminen Berücksichtigung finden“, sagt Vorsitzender Friedhelm Trinkel. Denn: „Wir wünschen uns, dass wir das ohnehin eingeschränkte Sportangebot wieder intensivieren können.“

Das möchte auch der GTV. Dort setzt man alle Hoffnungen auf das Schwimmbad im KAG. Die Stadt habe gesagt, dass der Bodelschwingh-Belegungsplan eins zu eins auf diese Halle übertragen werde, so eine Vertreterin des GTV. „Ich schätze, dass wir das Bad im Januar nutzen können.“ Dann finden dort Wassergymnastik, Aqua Jogging und Aqua Fitness, Wassergymnastik, Kinderschwimmkurse und freies Schwimmen statt.

Lüftung war auch in Vor-Corona-Zeiten in der Kritik

Die Belüftung der Bodelschwingh-Schwimmhalle sei schon in Vor-Corona-Zeiten schwierig gewesen. „Es gibt in der Schule lediglich einen Heizkreislauf für Turnhalle und Schwimmbad“, beschreibt die GTV-Vertreterin. In letzterem herrschten ungefähr 30 Grad. Die es damit auch im Geräteraum der Turnhalle gebe. Würde dieser geöffnet, ströme die heiße Luft in die Halle. „Das ist ein desolater Zustand.“ Schwierigkeiten aber habe man durch die Schließung nicht. „Es hat ohnehin noch kein Kurs angefangen, wir waren darauf vorbereitet.“

Entspannt ist man auch bei der SG Wago. Dass der in der Bodelschwinghschule stattfindende Grundlagenkurs nun nicht wie geplant starten kann, sei nicht das Problem, so Vorsitzender Peter Kruse. Schwieriger sei, dass die Freibäder länger aufbleiben. Und damit die Hallenbäder später öffnen, so Kruse. Denn solange diese zu sind, „können wir nicht trainieren“.