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Besonderes Angebot inmitten der Corona-Pandemie: Seelsorge-Spaziergänge mit dem Pfarrhund

Besonderes Angebot inmitten der Corona-Pandemie : Seelsorge-Spaziergänge mit dem Pfarrhund

Der evangelische Pfarrer Oliver Ploch hat sich während der Corona-Pandemie ein besonderes Format einfallen lassen: Bei seinen seelsorgerlichen Gesprächen mit Bad Godesbergern wird er von seinem Hund Musti begleitet.

Zuerst war da eine schwungvoll formulierte Einladung im evangelischen Gemeindebrief Bad Godesbergs. Pfarrer Oliver Ploch, tätig in der Thomas-Kirchengemeinde im Bezirk der Plittersdorfer Christuskirche, entwickelte seine Idee von „Seelsorgespaziergängen“.

Spaziergänge sollen Alternative zu den förmlichen Gesprächen mit Maske sein

Die sollten eine Alternative zu den eher förmlichen Gesprächen im Pfarrbüro mit Maske sein. Bei vereinbarten Terminen sollte auch Pfarrhund Musti mitlaufen. „Wir reden auf Abstand, und Sie bestimmen das Thema“, so der Plan. Termine könnten in der Pandemie gerne „gebucht“ werden. „Und Musti ist wie auch sein Herrchen zu absoluter Verschwiegenheit verpflichtet und freut sich, dabei zu sein“, kam noch zum Schluss.

Schnell hatten sich zehn Interessenten bei Ploch gemeldet

Reaktionen blieben nicht aus. Im Nu hatte Ploch zehn Spaziergangstermine mit Menschen aus dem Umfeld ausgemacht. Und seine Mitarbeiter hätten plötzlich geflachst, vorher sei er als Pfarrer geachtet worden, ab jetzt werde er geliebt. Ploch lacht herzlich. Wie beim Offene-Kirche-Angebot in der Christuskirche, das seine ehrenamtliche Mitarbeiterin Regina Uhrig schon im Winter auf die Beine stellte (der GA berichtete), sei das Geheimnis auch der Seelsorgespaziergänge die Niederschwelligkeit, vermutet der Pfarrer. Und die schaffe hier besonders sein freundlicher, anhänglicher Hund Musti.

Bei den Gesprächen werden verschiedene Themen angesprochen

Er sei also mit Leuten spazieren gegangen, die selbst gerade einen Hund verloren hatten und so mit ihm ins Gespräch über Gott und die Welt gekommen seien, blickt Ploch auf die ersten Termine zurück. Andere hatten schwerwiegende Probleme, die sie endlich einmal mit jemandem besprechen wollten. Wieder andere hätten in der letzten Zeit Angehörige verloren und wollten mit ihrer Trauer und der Einsamkeit zurechtkommen, berichtet der Pfarrer. „All das erzählt sich natürlich leichter, wenn man unterwegs ist und der Hund auch einen tröstenden Einfluss hat.“

Pfarrer Oliver Ploch hat sich mit Musti einen Traum erfüllt

Überhaupt schwört Ploch auf den positiven Einfluss von Haustieren auf das Gemüt gerade in so anstrengenden Zeiten wie der Pandemie. „Ich denke, unbewusst sehnen wir uns nach einer Erneuerung des Paradieses“, meint der Pfarrer und führt eine Reihe von Beispielen aus der Bibel an. Vor der Vertreibung seien die Menschen friedlich mit den Tieren im Paradies umgegangen. Tiere hätten anfangs angstfrei mit Adam und Eva leben können.

Pfarrer Ploch hofft auf weitere Gespräche

„Daran versuchen wir vielleicht heute mit Haustieren anzuknüpfen.“ Ploch lächelt. Als Junge habe er sich immer einen Hund gewünscht, was aber in einer Mietwohnung schlecht gegangen sei. Jetzt habe er sich mit Musti seinen Traum erfüllt. Sein Hund, der einst selbst nicht gut behandelt wurde, sei inzwischen zu einem Teil seiner Familie geworden und habe eben auch jeden Spaziergangstermin bereichert. Aktuell in Corona-Zeiten sei die Verbindung Spaziergang und seelsorgerisches Gespräch sicher besonders attraktiv, meint der Pfarrer weiter und erinnert sich an Gespräche auch mit jüngeren Spaziergängern. „Nicht nur ältere Menschen leben heute isoliert“, sagt Ploch. 

Nun ist der Pfarrer gespannt, ob es weiterhin zu seinen Seelsorge-Spaziergängen kommt - Interessenten können sich jedenfalls melden.

 Kontakt zum Pfarrbüro: 
☎ 0228 / 37 43 39