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Bad Godesberger Elterninitiative feiert runden Geburtstag: Seit 40 Jahren lernen Kinder von Kindern in der Moltkestraße

Bad Godesberger Elterninitiative feiert runden Geburtstag : Seit 40 Jahren lernen Kinder von Kindern in der Moltkestraße

Die Kindertagesstätte der Elterninitiative an der Moltkestraße ist die zweitälteste in Bad Godesberg. Einst von studentischen Eltern gegründet, hat sich die Einrichtung mit einem altersübergreifenden Betreuungsangebot längst etabliert. Am 3. Juli wird im ehemaligen Mädchenpensionat gefeiert.

Uschi Könkes ist gekommen, um zu bleiben. Seit 34 Jahren ist sie bei der Elterninitiative Kinderhaus an der Moltkestraße beschäftigt. Damit geht sie definitiv als aktive Zeitzeugin der meisten der mittlerweile 40 Jahre des Bestehens der privaten Kindertagesstätte durch, die 1982 von Studierenden gegründet wurde, denen das bestehende Betreuungsangebot keine passende Möglichkeit für ihre Kinder offerieren konnte. Am Samstag, 3. Juli, wird dieses Jubiläum mit einem Fest gefeiert.

In diesen Tagen ist ein wenig ruhiger als sonst im weitläufigen Außenbereich, der mit seinen zahlreichen Büschen und Bäumen dem Prädikat naturnah durchaus entspricht. „Das ist nicht selbstverständlich für eine Kita mitten in der Stadt“, ist Könkes überzeugt. Ruhiger deshalb, weil jetzt zu Beginn der Schulferienzeit gerade einmal acht der ansonsten 16 Kinder in der Einrichtung sind.

Schon als sie seinerzeit zum ersten Mal das von der Moltkestraße kaum sichtbare Haus betrat, sei sie von der Besonderheit des Ortes überzeugt gewesen, sagt Könkes: „Hier wurde ein Betreuungsansatz verfolgt, der natürlich am Bedarf junger Eltern im Studium orientiert war – der aber vor allem auch eine gewisse Freiheit mit sich brachte und bis heute bringt.“

Das ehemalige Ulmenhaus – Anfang des 20. Jahrhunderts als Lehranstalt für Mädchen aus gehobenen Verhältnissen erbaut – bietet damals wie heute den historisch-architektonischen Rahmen für Godesbergs zweitälteste Elterninitiative, in der Kinder abseits von Einrichtungen in kirchlicher oder öffentlicher Trägerschaft und von Elternbeiträgen und externer Unterstützung finanziert betreut werden. „Damals lag noch ein gewisser Hauch von Improvisation in der Luft“, sagt sie im Rückblick mit einem Lächeln. „Ein Sofa stammte aus einem Elternhaus, so wie manches Möbelstück.“

Davon ist heute ganz offensichtlich längst nichts mehr übrig. Beim Gang durch die Kita, die das gesamte Erdgeschoß einnimmt, offenbart sich moderner Standard, „den wir natürlich auch immer wieder nachhalten müssen“, sagt Könkes mit Blick auf notwendige Renovierungen. Zum Glück, sagt die Leiterin, seien die Eltern immer wieder über die Maße bereit, sich einzubringen – sowohl mit Spenden als auch mit Einsatzfreude. „Das setzt sich über Generationen sofort“. Die Kinder werden altersgemischt betreut, von einem bis sechs Jahren“, erklärt Erzieherin Stephanie Walsdorf.

Sie ist überzeugt: „Wer sich für dieses Konzept für sein Kind entscheidet, der weiß, dass wir hier eine familiäre Atmosphäre pflegen. Die Kleinen lernen von den Älteren, so wie es zum Beispiel auch auf einem Spielplatz im Park oder eben vor allem in Familien stattfindet.“

Sie selbst ist seit 29 Jahren an der Moltkestraße dabei. „Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl, als ich das Haus betreten habe. Schwer zu erklären, aber es fühlte sich gut und richtig an“, sagt Walsdorf. Überhaupt, das Gebäude. „Es macht einen gewaltigen Teil der besonderen Atmosphäre aus, die hier immer geherrscht hat“, sagt Leiterin Könkes, die diese Position seit 1992 bekleidet.

Kein steriler Zweckbau, sondern ein historisches Gebäude mit Altbau-Charakter, der etwa im Mosaik-Fußboden im Eingangsbereich gut sichtbar erhalten ist. „Den Boden liebe ich, eine Konstante neben all den notwendigen Modernisierungen, die wir natürlich vornehmen mussten.“ Nach den „wilden Jahren“ und manchem Provisorium in Ausstattung und Infrastruktur ist man beim heutigen Stand angekommen: „Wir haben in den vergangenen Jahren einiges machen müssen, was zuvor nicht zu stemmen war.“

Einiges in Bewegung geraten

Seit den 2010er-Jahren ist einiges in Bewegung geraten, nicht nur, was Renovierungen wie die der Betreuungsräume oder der Toiletten angeht. Ein Jahr vor dem 30. Geburtstag hatte der letzte Zivildienstleistende seine Arbeit geleistet. „Bis dahin immer eine wichtige Hilfe“, sagt Könkes. Seit Januar 2019 wird das Mittagessen nicht mehr selbst im Haus zubereitet, sondern von einem Catering-Anbieter geliefert.

Kurz nachdem im August 2019 mit der Neugestaltung der Gruppenräume und des Flurs ein weiterer Schritt der Modernisierung getan war, sorgte die Corona-Pandemie für vorübergehenden Stillstand. „Von März bis Ende Mai 2020 war zu, das war eine seltsame Zeit“, sagt die Leiterin. Sie und ihr Team machten im Verbund mit den Eltern, die den Verein maßgeblich tragen, das Beste daraus – und trieben weitere Neuerungen voran.

„Am kommenden Samstag ist auch endlich wieder die Zeit, um die Gemeinschaft zu erleben, die diesen Ort ausmacht“, sagt Walsdorf. Die bestehe eben auch aus den Eltern, die Idee und Konzept – nicht zuletzt – finanziell mittragen. „Wir freuen uns darauf, dass so viele Leute zusammenbekommen, denen das Kinderhaus am Herzen liegt“, ergänzt Debora Gomes Boto. Sie ist seit rund zwei Jahren im Team.

Ihre aktuelle Chefin wird bald Abschied nehmen: „Ich gehe mit einem guten Gefühl nach diesen 34 Jahren. Ich denke, wir haben alle zusammen vieles richtig gemacht, wenn man vier Jahrzehnte eine Idee im Sinne der guten Entwicklung von Kindern verfolgt und damit noch immer präsent ist.“