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Waldbrandgefahr: Sind private Feuerwerke bei Trockenheit erlaubt?

Waldbrandgefahr : Sind private Feuerwerke bei Trockenheit erlaubt?

Mehrfach knallte es am Samstagabend in Bad Godesberg, der Nachthimmel wurde durch ein privates Feuerwerk kurz erhellt. Ist Feuerwerk bei der trockenen Vegetation erlaubt?

Funken am Godesberger Nachthimmel: Am vergangenen Samstag knallte es gleich mehrfach. „Wir haben eine stehende Hitzelage, anderenorts gibt es Waldbrände, und ausgerechnet jetzt wird ein Feuerwerk inszeniert“, wundert sich ein GA-Leser auf Muffendorf. Er fragt: „Wer hat das genehmigt? Oder wurde das Feuerwerk gar ohne Genehmigung gezündet?“ In beiden Fällen ging es völlig mit rechten Dingen zu. Das Presseamt der Stadt Bonn antwortet auf die GA-Anfrage: „Für Samstag, 4. August, waren in Bad Godesberg zwei Feuerwerke genehmigt. In beiden Fällen handelte es sich um private Feuerwerke im Rahmen von Hochzeitsfeiern, die von Fachfirmen durchgeführt wurden.“ Entscheidend war am Samstag, dass trotz wochenlanger Dürre in Bonn die Waldbrandstufe 5 nicht erreicht wurde.

Wer eine zündende Idee für sein nächstes Fest hat, muss zunächst einige grundsätzliche Regeln beachten. Feuerwerke der Klasse I, das sind zum Beispiel Tischfeuerwerke, dürfen laut Auskunft des Presseamts ohne Genehmigung abgebrannt werden. Für Feuerwerkskörper der Klasse II gilt, dass sie nur von Personen ab 18 Jahren und – außer an Silvester und Neujahr – nur zu besonderen Anlässen mit einer Genehmigung der Bürgerdienste der Stadt Bonn gezündet werden dürfen.

Anträge überprüft die Ordnungsbehörde

Wer ein Großfeuerwerk der Klassen III und IV plant, muss einen anerkannten Feuerwerker mit entsprechender Genehmigung beauftragen. Solche Feuerwerke sind den Bürgerdiensten mindestens zwei Wochen vorher schriftlich anzuzeigen.

„Alle Anträge auf Abbrennen eines Feuerwerks werden von der Ordnungsbehörde überprüft“, so das Presseamt. Sie werden mit einer Auflage versehen: In den Sommermonaten muss der Inhaber der Genehmigung selbstständig auf der Internetseite des Deutschen Wetterdienstes prüfen, welche Waldbrandgefährdungsstufe für den beantragten Ort vorliegt. „Sollte die Waldbrandstufe 4 vorliegen, ist vor dem Abbrennen des Feuerwerks die Feuerwehr oder die zuständige Brandschutzdienststelle zu kontaktieren“, so die Stadt. Erst bei Waldbrandstufe 5 sind Feuerwerke grundsätzlich untersagt, die Genehmigung erlischt damit automatisch.

Trotz anhaltender Trockenheit herrschte für das Bonner Stadtgebiet lediglich die Gefahrenstufe 3. Erst am Dienstag wurde die Gefahrenstufe für Waldbrand auf 4 erhöht. Für Mittwoch sei wieder Stufe 3 vorhergesagt, für Donnerstag wegen der zu erwartenden Niederschläge die Stufe 1.

Kombination aus Funken und Wind

Hansi Zinn, Inhaber der Firma Bonn-Feuerwerk, schaut zurzeit ständig auf die Wetterkarte. „Normalerweise hat ein Feuerwerker nur Angst vor Wind, denn dann haben wir starke Einschränkungen“, berichtet er. Wenn allerdings eine so dauerhafte Trockenheit herrsche wie zurzeit, bettelten auch die Profis um jeden Niederschlag. Bei Waldbrandgefahrenstufe 4 sei Feuerwerk nur noch eingeschränkt möglich.

Was die Kombination aus Funken und Wind bewirken kann, verdeutlicht Zinn anhand der Waldbrände, die es jeden Sommer an der Côte d'Azur gebe. Wenn Glasscherben weggeworfener Flaschen wie ein Brennglas wirkten und dann Winde hinzukämen, verbreite sich das Feuer in rasender Geschwindigkeit.

Die Raketen, die Profis wie Hansi Zinn in den Himmel schießen, sind deutlich berechenbarer. „Wenn Sie zugelassene Produkte verwenden, dann endet der Abbrand etwa zehn bis 20 Meter über dem Boden“, erklärt Zinn. Die Funken seien so fast ungefährlich – es sei denn, sie treffen auf hohe, trockene Bäume oder Büsche. „Dann ist die Gefahr groß. Wir Feuerwerker sind immer ängstlich.“

Zinn würde auf Feuerwerk verzichten

Zinn würde an Hitzetagen wie in dieser Woche ganz darauf verzichten, Feuerwerkskörper hoch hinauf zu schießen. Bei Trockenheit setzt er sogenannte Vulkane und Fontänen ein, die auf eine große Platte gestellt werden. Feuerlöscher hätten die Profis ohnehin das ganze Jahr dabei, „auch wenn die Bedingungen völlig normal erscheinen“.

Er selbst hat die Deckungssumme seiner Versicherung zwar erhöht, seit er das Bühnenfeuerwerk für die „Lachende Kölnarena“ verantwortet hat und auch bei vielen Bonner Karnevalssitzungen für den Knaller zum Abschluss sorgt. Trotzdem schaut er sich jeden Abbrennplatz genau an, denn die Sicherheit geht vor. Auch werden Polizei und Feuerwehr immer informiert, wenn Zinn seine Lichtshow zündet.

Es sind oft prominente Orte wie das Bonner Rheinufer, der Clostermannshof in Niederkassel oder die Burg Heimerzheim, wo Brautpaare sich ein Feuerwerk wünschen. Letztlich entscheidet weder die Hochzeitsplanerin noch das subjektive Gefühl der Anwohner, ob ein Feuerwerk stattfinden darf, sondern der Deutsche Wetterdienst.

Auskunft zur Waldbrandgefahr gibt es im Internet auf www.dwd.de unter Wetter und Warnungen, Agrarwetter, Waldbrandgefahrenindex/Graslandfeuerindex