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Bürgerverein gibt Führer „Buntes Pennenfeld“ heraus : Spaziergang durch Pennenfeld

Bürgerverein gibt Führer „Buntes Pennenfeld“ heraus : Spaziergang durch Pennenfeld

Der Bürgerverein Pennenfeld hat einen Führer unter dem Titel „Buntes Pennenfeld“ herausgegeben. GA-Reporter Dennis Scherer ist den Hinweisen gefolgt.

Jetzt also Pennenfeld! Der Bonn-Reporter macht Urlaubsvertretung in Bad Godesberg, den erwähnten Stadtteil hat er noch nie betreten. Die noch in der Redaktion verbliebene Kollegin hat sich eine Geschichte überlegt: „Dennis Scherer erkundet als Ortsunkundiger Pennenfeld mit einem vom Bürgerverein neu herausgegebenen Führer“, steht in der Mail. Kaum in der Redaktion angekommen, überreicht sie ihm einen Ausdruck des liebevoll gestalteten Heftchens.

Damit geht’s los. Was hat dieser Stadtteil wohl zu bieten? Der Bürgerverein „Buntes Pennenfeld“ gibt den Führer zum Spaziergang im A5-Format heraus. Er liegt in Apotheken, Bäckereien und Kneipen aus. Wer etwas spendet, darf ihn mitnehmen. Eine Übersichtskarte verrät, dass der Weg an der Rigal’schen Wiese vorbeiführt. Die ist näher an der Redaktion als der eigentliche Start. Also beginnt der Spaziergang dort. Der angrenzende Spielplatz ist auch vermerkt. An diesem Vormittag ist wenig los. Mit dem Klettergerüst, das aussieht wie ein Flugzeug, ist gerade die kleine Matilda „abgehoben“. Wohin geht es? „Zu den Großeltern“, sagt die Mutter. Da sei im Garten auch genug Platz zu landen.

Weiter geht es rechts in die Zanderstraße. Nach ein paar Hundert Metern ist schon ein besonderer Punkt der Tour erreicht: der einzige Kreisverkehr Pennenfelds. Paris hat den Eiffelturm, Köln hat den Dom, Pennenfeld hat den „Minikreisel“, wie ihn die Autoren nennen.

Durch den Teil der Hicog-Siedlung in Pennenfeld führt der Weg in die Zeppelinstraße. Hier ist es auffallend ruhig. Niemand ist auf der Straße, niemand in den Gärten, auf einer Wäscheleine flattern lediglich ein paar Handtücher im Wind. Dann kommt Heidi Zeugler die Straße herunter, an der Leine ihren Hund. Ist es hier immer so ruhig? Schon, sagt sie. Sie ist in Bad Godesberg geboren. Der Stadtbezirk habe sich verändert, sagt die 41-Jährige. Im vergangenen Jahr ist ihr Sohn überfallen worden, die beiden Täter raubten ihm an einer Bushaltestelle in der Albertus-Magnus-Straße Geld. „Er hat das recht gut verarbeitet, aber ich gehe abends nicht mehr so gerne auf die Straße“, sagt sie.

Ein anderes Bild von Pennenfeld zeichnet ein Anwohner der Galileistraße. Er wohnt dort seit 25 Jahren. Dass es im Viertel häufig Probleme gebe, hält er für übertrieben. „Es ist eine lebenswerte Ecke“, sagt er. In den Gärten auf der anderen Straßenseite wehen die Deutschland-Flaggen. „Es wird hier auch viel für die Gemeinschaft getan: Treffpunkte, Beratungsangebote.“ Außerdem gebe es ja noch das tolle Stadion, wo ständig Kinder spielten.

Auch das liegt auf dem Weg. Dort kicken aber gerade keine Kinder. Ein Schild weist darauf hin, dass es 50 Meter entfernt eine Eisdiele gibt. Ein guter Ort für einen kleinen Zwischenstopp. Inhaber Nico Sarabi reicht hier seit 2004 Hörnchen mit Schoko- oder Erdbeereis über die Theke. Er kommt aus Köln, ist für seine Frau nach Bonn gezogen. „Aber dann wieder zurück, weil ich es in Köln schöner fand“, sagt er. Die Gegend hier sei nicht mehr so schlimm wie früher. Anfangs sei mehrmals bei ihm eingebrochen worden.

Die Schulen und die Unternehmen in der Nachbarschaft sorgen dafür, dass der Laden läuft, sagt er. Wie steht er eigentlich zu der Gewalt, die die Deutschen der italienischen Küche mit dem Spaghetti-Eis und der Pizza Hawaii angetan haben? „Das Spaghetti-Eis ist okay“, sagt er schmunzelnd. Und der ist schließlich auch der beliebteste Eisbecher bei ihm. „Aber wie kann man Ananas auf die Pizza machen?“, sagt er kopfschüttelnd.

An der Max-Planck-Straße haben Pennenfelder Bürger und der Wissenschaftsladen Bonn einen kleinen Park angelegt. Das Konzept ist kürzlich mit dem Nachhaltigkeitspreis „Zeitzeichen 2020“ ausgezeichnet worden. So wie hier soll es bald auch an anderer Stelle aussehen. „Noch ist mein Lieblingsplatz unser Balkon“, sagt Christoph Sondermann, Vorsitzender des Bürgervereins Buntes Pennenfeld. Das könne sich aber in Zukunft ändern. „Wir wollen auch bunte Stadtteilmöbel aufstellen und einen zentralen Platz für die Pennenfelder schaffen.“ Reichlich Grün für dieses Vorhaben, das ist nach dem Spaziergang klar, gibt es auf jeden Fall. Und auf die Möbel ließe man sich jetzt eigentlich schon gerne fallen.