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Sperrmüll in Bonn-Bad Godesberg: Angebot auf Abruf ruft Kritik hervor

Bonnorange testet Angebot auf dem Heiderhof : Sperrmüll auf Abruf ruft in Bad Godesberg Kritik hervor

Bonnorange testet zurzeit das Angebot Sperrmüll auf Abruf auf dem Heiderhof. Einige GA-Leser sind mit der Regelung unzufrieden und finden die alte Ordnung mit festen Abfuhrterminen besser. Oder schlagen einen Kompromiss vor: das Beste aus beiden Regelungen.

Klaus Gils ist sauer. „Seitdem Bonnorange die Sperrmüllsammlung auf Abruf umgestellt hat, haben meine Mieter und ich Ärgernisse ohne Ende“, sagt der Vermieter von Mehrfamilienhäusern auf dem Heiderhof und führt in einen Gemeinschaftskeller. Der frühere Geschäftsführer der Wohnbau GmbH zeigt auf ausrangierte Möbel und Hausrat. „Die heutige Lösung funktioniert nicht“, klagt er.

Das System der Ansammlung von Sperrmüll sei nur bei besonderen Anlässen wie einer Haushaltsauflösung sinnvoll. „Ansonsten laufen die Gemeinschaftskeller über von herrenlosem Sperrmüll.“ Das habe es früher nicht gegeben, entrüstet sich Gils. Da hätten die Heiderhofer ihren Abfall regelmäßig herausgestellt. „Für ein Stück, das auf dem Balkon, im Treppenhaus oder im Keller im Weg steht, ruft doch keiner an und vereinbart einen Termin.“

Bonnorange erprobt seit 2018 in 20 Prozent der Bonner Haushalte das „Rücknahme per Abruf“-System, bei dem die Bürger ihren sperrigen Abfälle nicht bei vier fixen Terminen im Jahr, sondern individuell nach Online-, Brief- oder Telefonbestellung abholen lassen können. Der Heiderhof ist eines der Viertel, in dem der kommunale Dienstleister die Verschmutzung durch Sperrmüllfledderei und das Herausstellen „falschen Mülls“ verhindern sowie Kosten reduzieren will. Aktuell läuft eine Fragebogenaktion, mit der Bonnorange für den Stadtrat die Bürgermeinung ermittelt.

Man biete Vermietern Sperrmülltermine für ihre Liegenschaften an, antwortet Jérôme Lefèvre für Bonnorange auf die Kritik des GA-Lesers. „Dann vereinbart die Hausverwaltung eine Abholung für die Mieter.“ Ohnehin hole man auch Einzelteile ab, wenn es sich um „echten Sperrmüll“ handele, so Lefèvre. Entscheidend sei die gezielte Beratung, um Abfälle richtig zu entsorgen.

Hauseigentümerin Judith Volmer hat das neue Abholsystem schon mehrfach genutzt. Den betriebenen Aufwand einzeln vereinbarter Termine, der Listung und Kontrolle von Gegenständen nebst Beratung hält sie für sehr aufwendig und damit personal- und kostenintensiv. Wenn dann wie bei ihr der Müll erst nach sechs Wochen abgeholt werde, hätten sich in der Zwischenzeit weitere Teile angesammelt, bei denen man das Risiko eingehe, dass Bonnorange sie stehenlasse. Was auch mit Sperrmüll passiere, den andere Anwohner einfach hinzustellten. „Dieser wurde nicht mitgenommen, so stand teilweise wochenlang Müll an der Straße“, klagt Volmer. Oder er lande in der Restmülltonne, ergänzt Nachbarin Andrea Kaleck. Beim öffentlichen Gespräch mit Bonnorange im Februar in der Stadthalle habe dessen Vertreterin dazu gesagt, man nehme das eben in Kauf.

Das lässt Lefèvre für Bonnorange so nicht stehen. Bürger könnten jederzeit weitere Gegenstände nachmelden. Und sollte die Menge bei der Abholung höher sein als angemeldet, gingen die Mitarbeiter damit kulant um. Es ginge in der Sache um eine Schätzung des Volumens, um die Touren effizient zu planen. Gegenstände, die nicht Sperrmüll seien, erhielten Aufkleber, „damit die Eigentümer diese wieder zu sich holen und der korrekten Entsorgung zuführen.“ Ansonsten würden sie nach einer Wartezeit als wilder Müll eingesammelt – auf Kosten aller Gebührenzahler.

Barbara Hopmann vom Bürgervereins Heiderhof erklärt, dass es im Ortsteil sowohl Befürworter der neuen Regelung als auch Gegner gebe – „und jeder mit guten Argumenten“. Kritisch werde gesehen, dass es die Belästigung durch „Sperrmüll-Sprinter“ und zurückgebliebenen Müll zwar weniger intensiv, jedoch weiterhin gebe. „Aber jetzt nicht nur an vier Terminen im Jahr, sondern bis zu 23 Mal.“ Interessant wäre sicher auch ein Gesamtkostenvergleich zwischen der alten und neuen Regelung und was davon beim Gebührenzahler hängenbleibe. Möglicherweise liege eine alle Seiten zufriedenstellende Lösung, die die Vorteile beider Alternativen verknüpfe und Anregungen von Anwohnern aufgreife, ja „dazwischen“, meint Hopmann.

Auch Vermieter Klaus Gils kann sich durchaus einen Kompromiss vorstellen: individuelle sowie zweimal im Jahr gemeinsame Abholtermine. Das wiederum stößt bei Bonnorange auf Ablehnung. „Der Aufbau doppelter Strukturen wäre mit deutlichen Mehrkosten verbunden“, sagt Jérôme Lefèvre. Zudem würde die Lenkungswirkung von Sperrmüll auf Abruf unterlaufen, da die gezielte Beratung nicht ihre Wirkung entfalten könnte.

Lefèvre spricht von einem Einsparpotenzial des neuen Systems. Sperrmüll auf Abruf im gesamten Stadtgebiet könne zu einer Reduktion der Kosten bei Fahrzeugen und Personal zur Sperrmüllsammlung von 350.000 Euro führen, weil eine effizientere Tourenplanung möglich sei. Zudem könne die Stadtreinigung ihren Aufwand um 30.000 Euro senken, die bei der alten Regelung aufgrund der Nachreinigung anfielen.