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Zoohandlung Hergarten: Spezialfutter für Tiere wird aus Bad Godesberg europaweit verschickt

Zoohandlung Hergarten : Spezialfutter für Tiere wird aus Bad Godesberg europaweit verschickt

Die Zoohandlung Hergarten in der Bad Godesberger Schultheißgasse setzt auf individuelle Beratung und ungewöhnlichen Service. So mischen die Mitarbeiter auch Spezialfutter für Tiere, die bestimmte Zutaten nicht mehr vertragen, und verschicken diese Tüten europaweit.

Das Persönliche, die Erfahrung und der Service machten den Unterschied zum großen Sortimenter, findet Käthi Hergarten. In ihrer Zoohandlung gibt es neben allem rund ums Tier, Kaninchen, Vögeln und Schildkröten das Bewusstsein, dass auch bei den Tieren nicht immer alles nach Lehrbuch läuft. „Jedes Tier ist anderes, jeder Mensch auch“, sagt Hergarten. Deshalb setzen sie und ihre Mitarbeiter Mona Pörschke und Jürgen Jäger in dem über 90 Jahre alten Traditionsgeschäft auf individuelle Lösungen, auch für ungewöhnliche Anliegen und Probleme.

„Vor Weihnachten oder Ostern verkaufe ich nicht gerne Tiere, wenn ich weiß, dass sie ein Geschenk sein sollen“, sagte die erfahrene Fachhändlerin. Ihr ist es lieber, wenn die Familien vielleicht einen selbstgemachten Gutschein schenken und nach den Feiertagen mit dem beschenkten Kind zu ihr kommen. „Dann nehme ich das Kind und die Eltern mit nach hinten zu den Tieren. Da kann es sich dann alle ganz genau angucken und mal in die Hand nehmen“, beschreibt Hergarten. Auch wenn der Nachwuchs sich vielleicht ursprünglich ein Meerschwein gewünscht hat, stellt sich vielleicht heraus, dass das gar nicht so gut passt. „Hier kann das Kind erst mal sehen, was ihm am ehesten liegt und womit es gut zurechtkommt.“ So führe manchmal anstatt des Meerschweinchens ein tagaktiver Zwerghamster oder ein Wellensittichpärchen mit dem Kind nach Hause.

Einen besonderen Service bietet Hergarten für Menschen, deren Tiere besondere Eigenschaften haben. „Es kommt schon mal vor, dass ein Tier plötzlich einen Teil aus den Futtermischungen nicht mehr verträgt oder krank wird und nur noch ganz bestimmtes Futter essen kann“, berichtet Tierexpertin Hergarten. Dann füllen sie oder ihre Mitarbeiter die Spezialmischungen für die Kundschaft ab. „Das verschicken wir manchmal durch ganz Europa“, sagt sie. Neben speziellen Futtermischungen gibt sie ihre reichhaltige Erfahrung auch bei den Behausungen und anderem Zubehör weiter.

Ara gehört seit 17 Jahren zum Geschäft dazu

All diesem Geschehen schaut der Ara Nessie täglich von seinem Ausguck im Schaufenster zu. Wenn dem gut 80 Zentmeter großen sprachbegabten Papagei der Trubel an der Straße zu viel wird, klettert er von seinem Ausguck, stolziert würdevoll von vorn durch den ganzen Laden nach hinten zu seinem Käfig und klettert dort auf die Stange, um seine Ruhe zu haben. Kann er aber im Mittelpunkt des Geschehens stehen, genießt er das, führt kleine Kunststückchen vor oder gibt einiges aus seinem Sprachrepertoire zum Besten. „Aber immer nur dann, wenn er Lust dazu hat“, schränkt Hergarten lachend ein. Verkaufen würde sie den Ara nicht. „Der gehört hierhin. Der ist schon seit 17 Jahren jeden Tag mit im Laden und am Wochenende kommt er mit mir nach Hause.“

Ihre Liebe zu den Tieren und die über 50 Jahre gesammelten Erfahrungen sind für die alteingesessene Händlerin ein untrennbarer Teil ihres Lebens. „Ich führe den Laden jetzt in dritter Generation“, sagte sie. Der Wunsch, dem Weg ihrer Eltern zu folgen, sei früh in ihr gewachsen. Von klein an sei sie mit im Laden gewesen und habe den Eltern geholfen. „Mit elf oder zwölf wusste ich: Das will ich machen“, erinnert sich die 64-Jährige, deren beide Geschwister in die Medizin und in die Verwaltung gingen. Auch wenn sie um die Zukunft ihres Ladens dank ihrer Mitarbeiter keine allzu große Sorge hat, sieht sie die Entwicklungen in der Gesellschaft für Läden dieser Art kritisch.

„Schon vor Jahren gab es in den Berufsschulen immer weniger Nachwuchs, oft nur drei bis fünf Auszubildende“, sagt sie. Sicher achte man auch in größeren Läden auf das Wohl der Tiere. Einen solchen Erfahrungsfundus wie in einem traditionsreichen Fachgeschäft finde man dort aber eher nicht so häufig, vermutet sie.