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DZNE in Friesdorf: Spitzenforschung gegen Alzheimer & Co.

DZNE in Friesdorf : Spitzenforschung gegen Alzheimer & Co.

Alzheimer, Parkinson und Co. haben sich zu Volkskrankheiten entwickelt. "Die Menschen in Deutschland freuen sich über eine stetig steigende Lebenserwartung.

Die Kehrseite der Medaille ist eine Zunahme von Krankheiten, die normalerweise erst ab einem gewissen Alter auftreten", erklärt Sabine Helling-Moegen. Die frischgebackene administrative Vorstandsfrau des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) stellt ihre neue Wirkungsstätte vor, und man versteht schnell, wie wichtig ihr das Thema auch persönlich ist. Das DZNE ist eines von sechs Zentren für Gesundheitsforschung, die das Bundesforschungsministerium zur Bekämpfung der wichtigsten Volkskrankheiten ins Leben gerufen hat.

Hier arbeiten Spitzenwissenschaftler, die neurodegenerative Krankheiten erforschen. "Vielen dieser Erkrankungen liegen eine Fehlfunktion oder der Verlust von Nervenzellen zugrunde. Deren Ursache aufzuklären, ist eines unserer Hauptziele", so Helling-Moegen. Neben dem Gehirn können auch das Rückenmark oder Sinnesorgane betroffen sein.

Was sind die Hauptaufgaben des DZNE?

Das DZNE hat bundesweit neun Standorte; Bonn ist mit über 400 Mitarbeitern der größte und zugleich der Sitz der Verwaltung. Die Wissenschaftler erforschen und bekämpfen Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder die durch die "Ice Bucket Challenge" bekannt gewordene Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): "Wir untersuchen verschiedene Ansätze", so Helling-Moegen. "Da sind zum einen nicht-medikamentöse Therapien, bei denen körperliche Aktivität und geistiges Training den Krankheitsverlauf verzögern oder aufhalten sollen. Zum anderen wollen wir neue Medikamente entwickeln und die Wirkung bereits vorhandener verbessern."

Damit die wissenschaftlichen Erkenntnisse möglichst rasch in die medizinische Praxis gelangen, arbeiten Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen unter einem Dach zusammen: Das Zentrum deckt die gesamte Bandbreite von der Aufklärung molekularer Prozesse in einfachen Organismen und Hirnzellen bis hin zu klinischen Studien, Populationsstudien und zur Versorgungsforschung ab.

Warum und für wen ist diese Arbeit wichtig?

"Demenzerkrankungen zählen zu den großen Herausforderungen für unsere Gesellschaft", erläutert Helling-Moegen. "Ohne entscheidende Fortschritte bei Vorbeugung und Therapie könnte die Zahl der Menschen mit Demenz hierzulande bis 2050 auf rund drei Millionen anwachsen." Denn das Altern ist ein Hauptrisikofaktor. Mit verschiedenen Diagnose- und Therapiemaßnahmen will man daher die Krankheit aufhalten oder ihren Ausbruch verzögern: "Wir wünschen uns, dass die Betroffenen die gewonnenen Jahre länger gesund und geistig fit verbringen können", so Helling-Moegen.

Doch das DZNE fährt mehrgleisig und sucht zugleich neue Wege im Bereich der Prävention, Versorgung und Pflege. "Demenzerkrankungen sind nicht nur sehr belastend für Patienten, sondern auch für pflegende Angehörige und Betreuer." Versorgungsforscher am DZNE suchen daher Wege, um die Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe der Erkrankten zu stärken, Angehörige zu entlasten und die Pflege zu verbessern. "Zudem wollen wir verstehen, wie wir diesen Krankheiten vorbeugen können", so Helling-Moegen. "Wir wissen bereits, dass gesunde Ernährung sowie körperliche und geistige Fitness präventiv wirken."

Wo liegt der Schwerpunkt der Arbeit im Moment?

"Unser Hauptziel ist es, wirksame Therapien für neurodegenerative Erkrankungen zu entwickeln", so Helling-Moegen. Dazu arbeite man im Bereich der Grundlagen-, klinischen und Populationsforschung. Ein Schwerpunkt der klinischen Forschung liegt im Bereich der Früherkennung: "Das ist eine wichtige Voraussetzung, damit wir neue Therapien entwickeln können", erläutert der Direktor für Klinische Forschung, Professor Thomas Klockgether. In Bonn und sieben weiteren Standorten führt man dazu in Kooperation mit den örtlichen Einrichtungen Studien durch.

"Die präsymptomatische Phase - also jene Zeitspanne, in der der Patient noch keinerlei Beschwerden hat - kann Jahrzehnte andauern", erklärt der Wissenschaftler. "Viele innovative Therapien könnten daran gescheitert sein, dass die Behandlung einfach zu spät begonnen hat." Ein in Bonn für Ende des Jahres anstehendes Projekt aus dem Bereich Populationsforschung ist die sogenannte Rheinland-Studie, eine auf Jahrzehnte angelegte Gesundheitsstudie mit dem Ziel, ein besseres Verständnis von Gesundheit und Krankheit im Laufe des menschlichen Lebens zu erlangen. Bis zu 30 000 Menschen ab einem Alter von 30 Jahren werden dabei über mehrere Jahrzehnte hinweg begleitet: Die beiden ersten Untersuchungszentren befinden sich in Beuel und Duisdorf.

Wer finanziert die Arbeit?

Das DZNE ist eine Einrichtung der Helmholtz-Gemeinschaft und verfügt über einen Basis-Etat von aktuell rund 47 Millionen Euro jährlich. Das Gesamtbudget von circa 80 Millionen stammt zu zehn Prozent aus Landesmitteln und zu 90 Prozent aus dem Bundeshaushalt.

Warum ist das DZNE in Bonn?

"Die Vielzahl wissenschaftlicher Organisationen in der Region war sehr attraktiv", so Helling-Moegen. Um den Zuschlag hatten sich bundesweit mehrere Standorte beworben, und Bonn bot die besten Bedingungen. "Hinzu kam die Zusage der Landesregierung, einen Neubau zu unterstützen", freut sich die Verwaltungschefin. Der entsteht derzeit auf dem Bonner Venusberg neben der Klinik für Neurologie.

Wer macht was beim DZNE?

Steckbrief

Sitz der Verwaltung: Holbeinstraße 13-15, 53175 Bonn

Seit wann in Bonn: 3. April 2009

Mitarbeiter: In Bonn mehr als 400, bundesweit knapp 900

Leitung: Vorstandsvorsitzender und Wissenschaftlicher Vorstand Professor Pierluigi Nicotera. Administrativer Vorstand Sabine Helling-Moegen

Berufsgruppen: Mediziner, insbesondere Neurologen, Biologen, Chemiker sowie vereinzelt Physiker, Mathematiker oder Psychologen, am Standort Bonn auch IT-Fachleute

Jahresbudget: Das Jahresbudget beträgt ungefähr 80 Millionen Euro

Finanziert durch: Bund (90 Prozent und Landesmittel (zehn Prozent)

Kontakt: Es gibt Info-Telefone für Ärzte (0 18 03/77 99 00), Patienten und Angehörige (08 00/77 99 0 01). Weitere Infos im Netz findet man unter www.dzne.de.