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Zum 100. Geburtstag: Spurensuche nach Godesberger Maler Arno Reins

Zum 100. Geburtstag : Spurensuche nach Godesberger Maler Arno Reins

Am 18. Januar wäre der Godesberger Maler Arno Reins 100 Jahre alt geworden. Sein Motto: „Man kann groß sein auch im Postkartenformat." Der GA hat sich auf Spurensuche zu dem Mann begeben, der seinem Leben selbst ein Ende setzte.

„Ja, eine Würdigung, die hat Arno Reins verdient“, sagt der Maler und Grafik-Designer Werner Götzinger. Der GA hat bei ihm anfragt, ob er zum 100. Geburtstag des am 18. Januar 1921 in Godesberg geborenen Reins seine Erinnerungen an den Kollegen teilen wolle. Denn wer sich auf die Spur des 1985 verstorbenen Malers, Grafikers und Kunstpädagogen Reins begibt, der fragt auch in Zeiten des Internets am besten bei Zeitgenossen nach.

Mag das Lebenswerk Reins auch unter anderem aus Italien-Erinnerungsbildern mit feinnervigen Architekturdetails auf verschwimmendem Grund bestehen. Mögen seine Provence-Bilder auf streng strukturierter Leinwand die Farben Südfrankreichs geatmet und die späteren Griechenland-Reflexionen mit dickem Strich antiken Schätzen nachgespürt haben: Das Netz bietet von Reins fast nur noch Linolschnitte und Poster sowie illustrierte Literaturbücher, und die zum Verkauf.

2012 gab es die letzte Ausstellung

Götzinger hatte 2012 mit der Künstlerwitwe Rosemarie Reins im Haus an der Redoute die letzte Gedächtnisausstellung für seinen Kollegen veranstaltet. Fesselnd war die Werkauswahl gewesen: Sie zelebrierte das kompakte Miniaturformat, das Reins bevorzugte. „Man kann groß sein auch im Postkartenformat“, war sein Credo.

Öl- und Acrylgemälde, Aquarelle, Pastelle und Gouachen von Landstrichen, Ortschaften, Architektur und Stillleben konnten also fast 30 Jahre nach Reins Tod wiederentdeckt werden. Sie seien „Zeugnisse einer meisterlich prägnant pointierten und balanciert konzentrierten Kompositionsmanier“, die sich an Antonio Pisanello, Henri Matisse, Paul Klee und Georges Braque orientierte, lobte das GA-Feuilleton.

„Arno Reins gehörte ab den 1950er Jahren zur Führungsclique der Künstlergruppe Bonn“, meint Götzinger heute. Der zwölf Jahre ältere Reins sei ein feingliedriger und sensibler Mann gewesen, äußerst belesen und musisch veranlagt. Aber er habe für seine Ansichten auch heftig streiten können, sagt Götzinger lächelnd. „In der Künstlergruppe waren damals zwar alle befreundet. Aber sie haben sich auch viel gezankt.“ Reins habe übrigens auch ihn persönlich überzeugt, zur Kunst zu kommen, erläutert der heute 87-jährige Götzinger, der von 1996 bis 2008 selbst Vorsitzender der Künstlergruppe Bonn werden sollte.

In der Kriegsgefangenschaft entdeckte er seine Leidenschaft für Lithografie

Reins sei in Godesberg zur Schule gegangen und dann als 19-Jähriger in den Zweiten Weltkrieg geschickt worden, erinnert sich Götzinger an Gespräche mit dem Kollegen. „Der Krieg hat ihn böse gezeichnet.“ Profitiert habe Reins jedoch ab 1945 von der Kriegsgefangenschaft in England, wo er seine Leidenschaft für Lithographie, der Verbindung von Schrift und Kunst, habe entdecken können, die ja sein künstlerisches Schaffen mit bestimmen sollte.

Später habe Reins an den Kölner Werkschulen und der Staatlichen Akademie für Bildende Künste in Stuttgart studiert. Und sich schließlich im elterlichen Haus in der Nachtigallenstraße 3 im Dachgeschoss ein Atelier eingerichtet. 2012 hat es Götzinger noch so vorgefunden, wie Reins es 1985 verließ. „Da lagen sogar noch seine gespitzten Bleistifte bereit.“

Beim Rheinischen Archiv für Künstlernachlässe in Mehlem wird man auf der Suche nach Arno Reins ebenfalls fündig: Es beherbergt dessen dokumentarischen Nachlass. „Es gibt ja nur wenige gute Bonner Maler. Arno Reins war einer davon“, sagt Archivleiter Daniel Schütz als Grund und zeigt ein 1968 von Reins gemaltes Godesburg-Pastell. „Interessant an dem Bild ist, dass es den Zustand nach dem Umbau durch Gottfried Böhm zeigt und Reins hier die alte Burg mit dem von den Godesbergern damals als Betonkrägelchen bespöttelten Anbau verbindet und als Einheit darstellt.“ Außerdem holt Schütz das Foto einer Ausstellung aus den Archivkartons, die Reins 1958 im kurfürstlichen Gärtnerhäuschen mit Manfred Weil präsentierte. Die beiden hocken leger auf Stühlen. Ihre Grafiken und Bilder sind noch nicht fertig gehängt.

Die ersten Ausstellungen gab es im Kaufhof

Bis die Stadt dem Künstlerbund das Häuschen zur Verfügung stellte, seien dessen Ausstellungen weniger komfortabel vonstattengegangen, erinnert sich Götzinger. „Zuerst durfte auch Arno Reins nur im dritten Stock des Bonner Kaufhof ausstellen, danach in der Münsterschule.“ Neben seiner geliebten Malerei musste Reins natürlich auch für den Lebensunterhalt sorgen. Seit den 1950ern gab er in der Volkshochschule Mal- und Grafikkurse. Neben Götzinger berufen sich heute zahlreiche Künstler auf Reins` Förderung. Sabine Prechtel etwa lernte in den 1960ern die Landschaftsmalerei beim Maestro, den sie als „spröde kantig“, aber guten Lehrer empfand.

In den 1970er Jahren saß Kris Heide zuerst Porträt im Kurs und wurde „freundlich und warmherzig begrüßt“. Als 16-Jährige begann sie dann, ebenfalls zu lernen. „Erste Übung: Striche zeichnen – wie viele Graustufen stecken in einem Bleistift?“, habe es geheißen. „Zweite Übung: Zeichne ein Kästchen-Bild in verschiedenen Graustufen und erarbeite eine Komposition mit Höhepunkt.“ Als Kritik sei bald gekommen: „Nicht so stark drücken. Es reicht, wenn wir die Zeichnung von vorne sehen.“ Dann kam die Farbe dazu. „Und langsam lernte ich, aus einer Zeichnung ein Bild zu entwickeln, in Aquarell und später in Öl“, sagt Heide. Unvergesslich sei das Semester abends im Museum Koenig zwischen ausgestopften Tieren gewesen. Man habe nur das Kratzen der Bleistifte gehört.

Das Schulemblem des Adenauer-Gymnasiums stammt von Reins

Ebenfalls schöne Erinnerungen schildert ein ehemaliger Schüler des Konrad-Adenauer-Gymnasiums (KAG). Auch hier verdiente sich Reins in den 1960er Jahren Geld hinzu. „Er war als Lehrer herzensgut, nicht autoritär und sehr schülerzugewandt. Bei ihm haben wir mit Wasserfarben und Jaxonkreide gemalt.“ Dem KAG entwarf Reins das Schulemblem wie übrigens auch dem Heimat- und Geschichtsverein, für dessen Heimatblätter Reins anfangs die Gestaltung übernahm. Und in den 1970er Jahren habe er als Gebrauchsgrafiker beim Landschaftsverband Rheinland in Brauweiler gearbeitet, erinnert sich Werner Götzinger.

„Das Angestelltensein hat ihm aber nicht geschmeckt. Er wollte als Maler doch immer noch mal groß herauskommen.“ Anfang der 1980er Jahre habe Reins jedoch immer schlechter gesehen. „Er hatte große Angst, ganz blind zu werden.“ Deshalb sei er dann 1985 aus dem Leben geschieden. Am Grab trauerte auch eine große Schülerschar.