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Stadtweite Initiative „StadtGrün erhalten“ in Bonn gegründet

Initiative „StadtGrün erhalten“ gegründet : Kritik an Baumfällungen der Stadt Bonn

Je mehr, desto lauter: In Godesberg trafen sich Menschen aus ganz Bonn, die sich für den Pflanzenschutz in der Bundesstadt einsetzen, um die gemeinsame Initiative „StadtGrün erhalten“ zu gründen.

Als Baumwächter möchte Andreas Theves ja auf die Bäume in der Stadt aufpassen, aber nicht immer gelingt ihm das. „Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine kleine Katastrophenmeldung hereinkommt“, sagt er. Jüngstes Beispiel ist eine ihm zufolge mehr als hundert Jahre alte Blutbuche im Park der ehemaligen Apostolischen Nuntiatur, bekannt als Park am Turmhof, die gefällt wurde. Ob die Fällung gerechtfertigt war, weiß Theves nicht. Er bezweifelt aber, dass die Stadt eine Ersatzpflanzung empfehlen wird. „Wir freuen uns auf das Ende der Fällsaison“, sagt er.

Es sind solche aus seiner Sicht ärgerlichen Ereignisse, die ihn und andere am Samstagnachmittag zum Trinkpavillon hinter der Godesberger Stadthalle geführt hatten, die der Verein „Bürger Bad Godesberg“ zur Verfügung stellte. Sie alle verbindet, dass sie sich um den Grünbewuchs in Bonn sorgen. 14 Personen waren zum ersten Kennenlern-Treffen erschienen, und dazu gehört, dass sich jeder mal vorstellt. Theves begann mit seiner Motivation. „Es gibt inzwischen so viele Kleininitiativen, dass man überlegen sollte, sich zusammenzuschließen.“

Baumwächter gießen Bäume

Er tritt in Bonn als Baumwächter auf, seit er im Hitzesommer 2020 eine großangelegte Gießaktion im Park Carstanjen für eine sehr alte Blutbuche organisiert hatte, an der sich viele mit einer Eimerkette vom Rheinufer zum Baum beteiligten. Inzwischen setzt er sich mit einem Dutzend Mitstreiter für den Erhalt der Park- und Stadtbäume in Bonn ein. Denn: „Bäume sind keine Gegenstände, sie sind Lebewesen.“ Die Baumwächter-Idee wolle er auch Regional verankern.

Seine Hauptkritik: „Es wird nicht im ausreichenden Maß nachgepflanzt.“ Die Klimakrise erfordere, dass für einen großen Baum, der heute gefällt werde, vier oder fünf kleine in den Boden kommen. Theves erinnerte daran, dass Bonn den Klimanotstand ausgerufen hatte. Der sei aber anscheinend kein Thema mehr, nur weil es 2021 viel geregnet habe. Er wolle darüber hinaus bald der Stadt eine überarbeitete Fassung der Bonner Baumsatzung präsentieren, an der er mit einem Landschaftsarchitekten arbeite.

Kleine Initiativen vereinen

Für all das, und um den Stadtbäumen mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, wolle er die kleinen Bonner Initiativen unter einen Hut bringen. Den Abend moderierte Gisela von Mutius, die unter anderem dem Verein Mehr Demokratie angehört. Ihr Hauptanliegen: die Bevölkerung aufrütteln und mehr beteiligen. „Wir kriegen den Kampf gegen die Klimakrise nur mit den Bürgern hin.“ Ein initiatorisches Bürgerbegehren wünschte sich Computerlinguistin Martina Meister vor allem für das Thema, das sie umtreibt: Sie kämpft gegen die Bauvorhaben der Bundesanstalt für Imobilienaufgaben an der Deichmanns Aue in Rüngsdorf.

Andere Teilnehmer äußerten Kritik an der Verwaltung in Sachen Baumfällung: Gutachten würden immer pro Fällung und nie pro Erhalt ausfallen. Dahinter wurden ökonomische Interessen vermutet. „Ich denke, wir sind in Bonn eine grüne Stadt“, sagte Ulrike Preissler von der Interessengruppe Flussviertel. Das mache auch den Charme der Bundesstadt aus, aber dieser Charme leide, wenn Bäume zugunsten von Wohnbauprojekten gefällt würden. Das soll in der Plittersdorfer Mitte geschehen: Insgesamt 300 Bäume wolle man dort für Wohnungen entfernen. Bereitschaft zum Naturschutz konnte sie bei der Stadtverwaltung nicht sehen. „Baurecht bricht Baumrecht“, kritisierte sie.

Das Engagement geht in viele Richtungen: Einer setzt sich für den Erhalt der Bäume in den Rheinauen an beiden Ufern ein, eine andere war von der Fällung eines Mammutbaumes in der Weststadt so empört, dass sie sich engagieren will, und einige boten schlicht ihre Expertise in unterschiedlichen Bereichen an, als Wissenschaftlerin, Baumschutzaktivist oder Pflanzenkennerin.

Auch die A565 ist Thema

Raimund Gerber und seine Frau Irmgard Henseler waren für ihre Bürgerinitiative Moratorium A 565 gekommen. Für den achtspurigen Ausbau der Autobahn durch Bonn müsse auch viel Stadtgrün weichen. Sie haben erreicht, dass vor dem Ausbau ein Klimagutachten erstellt werden muss, das zwischen Ostern und Pfingsten öffentlich einsehbar sein wird, und warben mit ihrer Teilnahme für Unterstützung für ihr Unterfangen. Außerdem wollen sie die Obstbäume an der Straße Auf dem Hügel 7 erhalten.