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Restauriertes Wegekreuz: Steinerner Zeuge Wachtberger Geschichte

Restauriertes Wegekreuz : Steinerner Zeuge Wachtberger Geschichte

Die Familie Perkams hat die Restaurierung des rund 300 alten Wegekreuzes zwischen der L123 und Klein Villip initiiert. Ursprünglich war es mal ein Grabstein.

Aus Aachener Blaustein hatten Steinmetze des frühen 18. Jahrhunderts einen Grabstein gefertigt. Ursprünglich in Memoriam Verstorbener auf dem Adendorfer Kirchenfriedhof genutzt, dient er seit vielen Jahren als Wegekreuz unter der großen Trauerweide zwischen der Landstraße L 123 und Klein Villip. Der Zahn der Zeit hatte am kalkhaltigen Naturstein genagt, nach Kollisionen waren Teile abgebrochen, bis das Kreuz wiederhergestellt werden musste. Am Freitag segnete Pfarrer Michael Maxeiner das von Roland Gassert restaurierte Kreuz an seinem Standort unter dem Baum neu ein.

„Die Restaurierung konnten wir nur dank privater Spenden und einer sehr großzügigen Kostenrechnung des Klein Villiper Restaurators bewerkstelligen“, sagte die Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft für den Schutz der Landschaft in Adendorf und Umgebung, Ursula Perkams. Theoretisch wäre das Kreuz nämlich Nutznießer der Erlöse des im September 2020 geplanten Heimatfestes auf Burg Adendorf gewesen. Weil das aber pandemiebedingt ausgefallen war, hatte Perkams privat um Unterstützung für das alte Kreuz geworben. Ihre Familie, die Familien von Loë und Schütz aus Adendorf sowie Helga Adolf aus Arzdorf hatten sich an den dank des persönlichen Einsatzes des Restaurators erheblich geringeren als marktüblichen Kosten beteiligt.

Rund zehn Wochen bearbeitete Gassert das von Rissen, Brüchen und Fahrzeugkollisionen gezeichnete Wegekreuz in verschiedenen Arbeitsschritten. „Steinrestaurierung ist ein ganz eigenes Arbeitsfeld“, erklärte Gassert. Für viele Steinarten gibt es besondere, auf die speziellen Eigenschaften des Grundstoffs zugeschnittene Materialien. So können Restauratoren den Stein fachgerecht ergänzen, Farbe erneuern und eine Schutzschicht aufbringen. Das allerdings braucht Zeit, denn nach vielen Arbeitsschritten muss das Material zum Durchtrocknen und Abbinden ruhen.

An diesem Wegekreuz hatte der Restaurator nach der Bearbeitung der Schäden und der Ergänzung des fehlenden Stücks mehrere Schutzschichten aufgetragen. „Dann kann nicht mehr so viel Wasser in den Stein eindringen und Schäden verursachen“, so Gassert. Denn nicht nur der sprichwörtliche stete Tropfen höhlt den Stein. Bei Frost können eingedrungene Wasserreste auch Steinbestandteile absprengen.

Für Gassert selbst und viele Klein Villiper gehört der steinerne Zeitzeuge zu ihrem Ort. „Seit ich hier lebe, steht dieses Kreuz hier“, sagte Gassert. Zudem kennzeichnet das Kreuz unter der großen Trauerweide einen Ort der Ruhe und inneren Einkehr.  „Ich freue mich, dieses Wegekreuz neu einsegnen zu können“, sagte Pfarrer Michael Maxeiner. Das Kreuz sei Symbol für den Tod, das Leben und die Hoffnung zugleich.