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Godesberger Karneval: Streit um Grab von Paul Wingarz

Godesberger Karneval : Streit um Grab von Paul Wingarz

Peter Scheben pflegt die Ruhestätte des Ehrenpräsidenten der Godesberger Burggrafen, Paul Wiegand. Als einziger seiner ehemaligen Karnevals-Gefährten.

Am Aschermittwoch des Jahres 1956 kamen einige Godesberger Karnevalisten noch einmal in der Gaststätte „En de Ühl“ bei Paul Wingarz zusammen und blickten auf eine bemerkenswerte Session zurück. Das Besondere war vor allem der damals 21 Jahre alte Peter Scheben, der bis heute der jüngste Godesberger Karnevalsprinz aller Zeiten ist.

Seinem einstigen Mentor Paul Wingarz ist Scheben bis heute verbunden – über den Tod hinaus. Seit gut drei Jahren lässt er das Grab des ersten Godesberger Festausschusspräsidenten pflegen, der vor 106 Jahren geboren wurde und in Godesberger Karnevalskreisen bis heute als echtes „Unikum“ gilt. 1937 gründete Wingarz die KG „Fidele Burggrafen“. „Paul Wingarz hat mich damals gut beraten“, erinnert sich Scheben. Und: „Ich finde es nicht gut, dass die Burggrafen sich nicht um das Grab von Wingarz kümmern. Die denken nicht an ihren Ehrenpräsidenten“, grollt Scheben, der sich in dieser Angelegenheit nach eigenen Worten bereits mehrfach an die Burggrafen gewandt hat.

„Das wäre Sachbeschädigung"

Er selbst beauftragt nun etwa einmal im Jahr eine Firma, die das Grab in der Nähe des Haupteingangs pflegt, dabei zum Beispiel das Efeu stutzt – zuletzt vor ein paar Wochen. In Blumen investiert er nicht, da er sie dann zu oft austauschen müsste. Scheben macht immer einen Abstecher dorthin, da das Grab seiner Eltern nicht weit entfernt ist. Genau wie das von Wilhelm Werth, der lange Jahre Präsident der Godesberger Stadtsoldaten war. Scheben selbst ist heute nicht mehr aktiver Karnevalist, hat aber immer noch „großes Interesse“ am närrischen Brauchtum, wie er sagt.

Volker Michels, Vorsitzender der Burggrafen, sind die Situation und der Sachverhalt um Wingarz' Ruhestätte wohlbekannt. „Natürlich bedauern wir, dass das so ist. Das Problem ist, dass es im Fall von Paul Wingarz noch Angehörige gibt“, so Michels. „Das wäre Sachbeschädigung, wenn wir da was machen würden.“ Deshalb lässt Michels auch den Hinweis von Scheben nicht gelten, dass beispielsweise die Stadtsoldaten das Grab ihres Gründers Hein Ludewig in Ehren hielten, nicht gelten: „Da gibt es eben keine Angehörigen mehr“, so Michels.

Wie populär Wingarz einst in Bad Godesberg gewesen ist, davon zeugten beispielsweise Postkarten, die ihn in seiner Gaststätte erreichten: Auf ihnen waren lediglich eine aufgemalte Eule und der Zusatz „Bad Godesberg“ zu lesen – dennoch fanden sie immer den Weg zu dem Gastwirt, dessen Lokal sich in der Oststraße 1 befand. Apropos Weg: Den Weg zum Burgfriedhof wird Peter Scheben wohl auch künftig regelmäßig nehmen. „Wenn die Burggrafen nichts machen, werde ich das eben weiter übernehmen“, so der 83-jährige.