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Faszinierend für Naturforscher: Treffen des Naturhistorischen Vereins der Rheinlande und Westfalens

Faszinierend für Naturforscher : Treffen des Naturhistorischen Vereins der Rheinlande und Westfalens

Die Landschaft zwischen Siebengebirge und Rodderberg, Rheinufer und Vulkanen hat Wissenschaftler sei jeher fasziniert. Heute sieht man dem dicht bebauten Bad Godesberg nicht mehr an, dass Naturforscher hier wegweisende Erkenntnisse über Flora und Fauna gewinnen konnten.

Der Naturhistorische Verein der Rheinlande und Westfalens (NHV) blickt zum 175-jährigen Bestehen auf die heimische Forschung zurück. Es war zum Beispiel Johann Carl Fuhlrott, Gründungsmitglied des NHV, der aus einem Knochenfund von 1856 auf eine urtümliche Form des Menschen schloss und so den Neandertaler entdeckte.

Solch einen spektakulären Fund gab es in Bad Godesberg nicht. Lehrer Peter Zepp beschrieb 1916 in seiner „Geologischen Heimatkunde“ die Landschaft so: „Hier schiebt sich in unser Gesichtsfeld wie eine breite Mauer der bekannte Lavakrater des Rodderberges. (...) Welch ein Schrecken würde uns in die Glieder fahren, wenn plötzlich ein feuriger Schlund Tod und Verderben speien würde, und fürchterlich muss es unseren Vorfahren gewesen sein, die jenen Ausbruch erlebten.“ Poetisch geht es weiter: „Es war hoffentlich ein letztes Aufbrausen der verborgenen irdischen Mächte. Wenn unser Blick dann den Drachenfels zur Linken, den Godesberg zur Rechten trifft, die wie zwei starke, große Torpfeiler den Eintritt des Rheines in Bonner Gebiet bewachen, so schwinden jene fürchterlichen Träume von unruhigen, erdzerstörenden Zeiten.“

Jene zerstörenden Zeiten der Vulkanausbrüche lockten den Universalgelehrten Alexander von Humboldt nach Bad Godesberg. 1789 war er Gast im heutigen „Schaumburger Hof“ in Plittersdorf. Von hier aus startete er seine Forschungen am Unkelstein, einem Basaltvorkommen zwischen Oberwinter und Remagen. Er sei „für den Mineralogen, eine der größten Seltenheiten des westlichen Deutschlandes“, notiert Humboldt.

Zeitgenosse Johann Jakob Noeggerath (1788–1877) hatte familiäre Beziehungen nach Godesberg, wo er mit seinem Vater, dem Mineralienhändler Carl Noeggerath, eine Alaunhütte betrieb. Nach Gründung der Universität Bonn las er als Professor der Fächer Mineralogie und Bergbauwissenschaft.

Experte für heimische Käfer

Wie sich ein Amateur zum hochgradigen Spezialisten entwickelt hat, zeigt das Beispiel von Klaus Koch (1925-1995), der sich mit dem Rodderberg befasst hat und zudem Experte für heimische Käfer war. „Nach Mittlerer Reife, Berufspraktikum und Militärdienst konnte er erst nach dem Krieg seiner von Kind an ausgeprägten Tierliebe nachgeben“, erinnert Hermann Josef Roth vom NHV an den Forscher.

Ein Frau, die jeden Zentimeter des Mehlemer Rheinufers kannte, ist Käthe Kümmel. „Sie hat die Vegetationszonen gezeichnet und damit Unschätzbares geleistet“, sagt Roth. Grundlegende Erkenntnisse über die Flora der Rheinauen und des Rodderbergs seien ihr zu verdanken.

Käthe Kümmel (1905-1994) studierte zunächst Geografie und Botanik an der Universität Bonn. In Heidelberg belegte sie zusätzlich Mineralogie. Nach ihrer Doktorarbeit und Stationen in Montpellier und Wageningen kehrte sie in ihre Heimatstadt Düsseldorf zurück und war zunächst arbeitslos. Sie forschte ehrenamtlich in ihrem Fachgebiet weiter.

Forschung zur rheinischen Vegetation

1937 begann Kümmel, für den Naturhistorischen Verein in Bonn zu arbeiten. Ihre Forschung zur rheinischen Vegetation wurde in Fachzeitschriften veröffentlicht. Am Ende des Zweiten Weltkriegs schaffte sie ihre Habilitation, eine Professur bekam sie trotz ihres großen Talents nicht. „Sie hatte als Frau kaum Aussicht auf eine akademische Laufbahn als Naturwissenschaftlerin“, berichtet Roth, der den heimischen Naturforschern bereits einen Beitrag in den „Godesberger Heimatblättern“ gewidmet hat.

Verdienste hat sich Käthe Kümmel auch bei der sicheren Unterbringung der wissenschaftlichen Sammlungen des Naturhistorischen Vereins während des Zweiten Weltkriegs erworben. 1943 packte sie selbst mit an, als 435 Kisten nach Ehrenbreitstein und Treis an der Mosel transportiert wurden. Zum Glück: Das vereinseigene Gebäude an der Maarflach 4 wurde völlig zerstört.

„Der Fleiß dieser Frau hat uns klar gemacht, wie die Pflanzenwelt in der räumlichen Enge zwischen Siebengebirge, Rodderberg und Kottenforst ständig an Verbreitungsgrenzen stößt“, sagt Hermann Josef Roth. Besonders gründlich hat Käthe Kümmel die Uferpartien bei Mehlem untersucht und in ihren Skizze anschaulich alles festgehalten, was dort wuchs.

Zu den Schätzen des Naturhistorischen Vereins gehört das rheinische Herbarium, das Lehrer Philipp Wirtgen im 19. Jahrhundert angelegt hat. Es ist laut Roth das „Urmaß“ der heimischen Pflanzenwelt und wird in der Geschäftsstelle an der Nussallee auch heute noch für wissenschaftliche Arbeit herangezogen.