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Ortsmitte in Niederbachem soll umgestaltet werden: Unterschriftenliste gegen den Platzumbau

Ortsmitte in Niederbachem soll umgestaltet werden : Unterschriftenliste gegen den Platzumbau

Henseler Hof: Geschäftsfrau sieht Umgestaltung kritisch. Ausschussmehrheit für Antrag auf Fördermittel.

Gegen die Umgestaltung des Vorplatzes in der Niederbachemer Ortsmitte an der ehemaligen Gaststätte Henseler Hof regt sich Widerstand: Esther Kloesel, die in unmittelbarer Nachbarschaft an der Konrad-Adenauer-Straße ein Lotto- und Zeitungsgeschäft betreibt, wehrt sich gegen die Umgestaltung, weil sie sagt: "Wir brauchen keine Verbesserung der Aufenthaltsqualität in diesem Bereich, weil sich hier niemand aufhält."

Stattdessen solle die Gemeinde lieber ihre Anstrengungen darauf konzentrieren, einen neuen Wirt für den Henseler Hof zu finden. Das würde sich viel nachhaltiger auf eine Belebung der Ortsmitte auswirken. Dazu gehört aus ihrer Sicht auch die Schaffung zusätzlicher Parkplätze, "da die hier Mangelware sind". Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, liegt in Kloesels Geschäft eine Unterschriftenliste aus, auf der bislang mehr als hundert Personen unterzeichnet haben.

Bei der Gemeinde Wachtberg ist man ganz anderer Meinung. Die Umgestaltung des Vorplatzes am "Henseler Hof" ist ein Thema, das die Niederbachemer bereits seit geraumer Zeit beschäftigt. Schließlich hatte die Gemeinde zur Umgestaltung einzelner Flächen in der Ortsmitte bereits einen freiraumplanerischen Wettbewerb durchgeführt. Die Siegerentwürfe wie auch die anderen Arbeiten wurden Anfang März der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Siegerentwurf stammt vom Büro Lohrer und Hochrein aus München.

Der zuständige Fachausschuss für Gemeindeentwicklung und Planung habe sich damit zuletzt am Montag in einer zweistündigen Sondersitzung auseinandergesetzt, erklärt dazu Beigeordneter Jörg Ostermann. Dabei sei der Ausschuss "positiv angetan" gewesen von der Umsetzung des Wettbewerbsbeitrags in der vorgelegten Vorentwurfsplanung. "Es wurde mit großer Mehrheit beschlossen, auf Basis dieser Planung einen Antrag auf Städtebaufördermittel bei der Bezirksregierung einzureichen", erklärte der Beigeordnete weiter.

Den Planungen kann Esther Kloesel nichts abgewinnen: "Wir brauchen keine gepflasterte Straße und keinen Springbrunnen, den ohnehin keiner sauber hält." Es gebe auch keine Fußgänger, die es auf den Dorfplatz ziehe, "da man noch nicht mal eine Tasse Kaffee trinken kann". Daher ist es aus ihrer Sicht wichtig, dass der Henseler Hof wiederbelebt wird: "Dann brauchen wir keinen neuen Vorplatz, der Henseler Hof hat einen wunderschönen Biergarten." Außerdem befürchtet sie, dass bei einer Neugestaltung "riesige Kosten" auf die Anlieger zukommen: "Auf mehrfache Anfrage bei den öffentlichen Sitzungen wurden keine konkreten Zahlen genannt."

Dazu sagt Beigeordneter Ostermann: "Nicht die gesamten Kosten 'landen' bei den Anliegern, sondern nur entsprechend des noch zu ermittelnden Beitragssatzes." Überhaupt kann er Kloesels Kritik nicht nachvollziehen: "Basis der Planung war eine umfangreiche Bürgerbeteiligung in mehreren Veranstaltungen." Anregungen aus der Bürgerschaft seien auch "weitestgehend berücksichtigt worden". Auch die von Kloesel kritisierte Parkplatzsituation werde sich nach Einschätzung der Planer und der Politik verbessern, so Ostermann: "Und zwar weil die Parkplatzsituation geordneter sein wird."

Zum Situation der leerstehenden Gaststätte sagt er: "Die Verpachtung des Henseler Hofes für eine Gastronomie ist weiterhin erklärtes Ziel der Gemeinde." Durch einen attraktiven Vorplatz könne eine Außengastronomie betrieben werden, die die wirtschaftliche Grundlage für einen gastronomischen Betrieb deutlich verbessere.