Unterstützung von Geflüchteten in Bonn Verein „Ausbildung statt Abschiebung“ sucht weitere Paten

Bad Godesberg · Der Verein Ausbildung statt Abschiebung (AsA) sucht weitere Paten, die Flüchtlinge ehrenamtlich begleiten. So wie Otmar Schneider Adoulaye Mandy zur Seite steht.

 Drei zufriedene Gesichter: Der Auszubildende Abdoulaye Mandy (Mitte) zwischen seinem Paten Otmar Schneider (rechts) und seinem Chef Dirk Claus.

Drei zufriedene Gesichter: Der Auszubildende Abdoulaye Mandy (Mitte) zwischen seinem Paten Otmar Schneider (rechts) und seinem Chef Dirk Claus.

Foto: Axel Vogel

Eigentlich könnte Otmar Schneider in seinem Ruhestand tagaus tagein Kaffee trinken gehen oder Tennis spielen. „Aber ich habe mich entschieden, auch ehrenamtlich etwas zu tun“, sagt der 68-jährige ehemalige Lehrer. Schneider ist seit einem Jahr Ausbildungspate beim Verein Ausbildung statt Abschiebung (AsA). Er begleitet also einen jungen Flüchtling während dessen Lehre und ist für ihn als Vertrauensperson immer ansprechbar. „Ich habe an der Schule gesehen, welche Bereicherung Schüler mit Migrationshintergrund für die Gesellschaft darstellen, wenn sie integriert sind“, sagt Schneider.

Das sei sein Antrieb: genau dabei mitzuhelfen. Außerdem sei er die Jahre über viel auch in sogenannte Entwicklungsländer gereist und habe dort eine erstaunliche Gastfreundschaft erfahren. „Davon will ich mit meinem Ehrenamt etwas zurückgeben“, betont der Pate.

Adoulaye Mandy konnte sein erstes eigenes Zimmerchen beziehen

Sein „Patensohn“ Adoulaye Mandy hört aufmerksam zu. Der heute 20-Jährige aus dem afrikanischen Guinea flüchtete über Libyen nach Europa. „Er hat eine Odyssee hinter sich“, sagt Schneider, der die Patenschaft 2021 begann. Da hatte sich Mandy über AsA schon einen Ausbildungsplatz als Straßenbauer in Beuel gesichert. Und damit auch das Bleiberecht in Deutschland.

Schneider packte mit an: Er ging bei Ämterterminen mit, half beim Ausfüllen der Formulare und dabei, dass sein Schützling von einer Flüchtlingsunterkunft im durch Nahverkehr schlecht zu erreichenden Euskirchen zumindest in eine Wohngemeinschaft in Siegburg ziehen konnte. Wie groß sei die Freude des 20-Jährigen gewesen, dort erstmals ein Zimmerchen für sich zu haben, erinnert sich der Pate. „Herr Schneider macht so viel für mich. Das schaffe ich noch nicht alleine“, sagt Mandy dankbar. „Er ist wie ein Vater. Er ist ein Freund“, kommt hinterher.

Er leiste Hilfe zur Selbsthilfe, verdeutlicht der Ältere. Er müsse flexibel reagieren, etwa damit der Schützling einen Drucker für die Berufsschul-Aufgabenblätter findet. Oder auch mal „Knall auf Fall“ da sein, um dem Jüngeren zu helfen, innerhalb weniger Stunden mit allen Habseligkeiten die „Zuweisung“ von Euskirchen nach Siegburg zu erfüllen. Die beiden lächeln.

Mandy weiß, dass er es weit gebracht hat. Sein Ausbilder in Beuel hält große Stücke auf ihn. Adoulaye Mandy sei „ein großartiger Junge“, sagt Dirk Claus, Geschäftsführer der GfN-Gesellschaft für Netzbau. Er zeichne sich besonders durch Disziplin, starken Willen und Zuverlässigkeit aus. Um anfangs von Euskirchen aus frühmorgens in Beuel antreten zu können, habe der 20-Jährige um vier Uhr aufstehen müssen. „Und er kam im ganzen Jahr nicht einen Tag zu spät“, berichtet Claus.

 Bei der Spendenübergabe: Martin Ließem (Stiftungsvorstand, l.), Stiftungsratsvorsitzende Monique Rüdell (r.) und AsA-Geschäftsführerin Johanna Strohmeier (M.) mit Vereinsmitgliedern im Hintergrund.

Bei der Spendenübergabe: Martin Ließem (Stiftungsvorstand, l.), Stiftungsratsvorsitzende Monique Rüdell (r.) und AsA-Geschäftsführerin Johanna Strohmeier (M.) mit Vereinsmitgliedern im Hintergrund.

Foto: Stiftung der VR-Bank

Sein Arbeitgeber hält große Stücke auf ihn

Der Geschäftsführer hat sich verpflichtet, jeweils zwei von AsA betreute jugendliche Flüchtlinge auszubilden. „Und das habe ich nie bereut“, betont er. „Ich wünschte, wir hätten im Handwerk mehr Leute von Adoulaye Mandys Sorte.“ Claus ist überzeugt, dass gerade AsA-Ausbildungspaten wie Otmar Schneider ihren Schützlingen entscheidend dabei helfen, sich zu bewähren.

Dafür sucht AsA nun wieder Nachwuchs an Ehrenamtlichen. „Wir brauchen für weitere Auszubildende zehn neue Ausbildungspaten“, erklärt Moritz Beitzen. Wer zum Team hinzukommen möchte, der könne aktuell online an Informationstreffen teilnehmen und anschließend bei Interesse auch persönliche Einzelgespräche führen. „Nach zwei Trainings für die neuen Ehrenamtlichen Anfang und Mitte März werden wir die neuen Teams dann zusammenbringen, um gemeinsam Ausbildungsplätze für diesen Herbst zu finden.“

Der Verein habe derzeit 180 Mitglieder und betreue mit seinen elf Hauptamtlichen, einem Helfer im Freiwilligen Sozialen Jahr und vier Honorarkräften gut 200 Jugendliche, rechnet Beitzen vor. Gut 100 ehrenamtliche Paten seien dafür mit im Einsatz. „Im letzten Jahr sind 16 Ausbildungspatenschaften gestartet. Davon treffen sich zehn Teams regelmäßig.“ Und das Ergebnis kann sich trotz Pandemie sehen lassen: Acht gut betreute Jugendliche haben 2021 ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.

Für junge Geflüchtete in Bonn und Umgebung sei der Verein bereits seit 20 Jahren eine zuverlässige Anlaufstelle, ergänzt AsA-Geschäftsführerin Johanna Strohmeier. „Jugendliche im Alter von 14 bis 27 Jahren nehmen die Angebote regelmäßig in Anspruch.“ Selbst in der Pandemie sei die Arbeit unvermindert weitergegangen. Zumal die Zahl der zu betreuenden Jugendlichen angestiegen sei, so Strohmeier. Und zwar wegen der Krisensituation in den jeweiligen Herkunftsländern und an den EU-Außengrenzen. Die Erfahrungen zeigten, wie sehr gerade in der Pandemie insbesondere junge Geflüchtete benachteiligt und abgehängt seien. So sei der ohnehin schon hohe Bedarf an Beratung, Berufsorientierung, Deutschkursen und Nachhilfe noch deutlich gestiegen. „AsA ist deshalb nach wie vor auf auch auf finanzielle und ideelle Förderung durch Spenden angewiesen“, sagt Strohmeier.

Der Bonner Sozialausschuss hat am Donnerstag beschlossen, den Verein für das Jahr 2021 mit einer Betriebskostenförderung in Höhe von bis zu 33.663,13 Euro zu unterstützen. Für 2022 wird ein Zuschuss von bis zu 33.799,76 Euro gewährt.