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Verein Makerspace in Bonn kommt gut durch die Pandemie

Verein Makerspace in Bonn : Die kreativen Macher kommen gut durch die Krise

Seit drei Jahren gibt es den Verein Makerspace Bonn an der Kennedyallee. Er ist Anlaufstelle für Tüftler und Bastler. Auch wenn der Clubbetrieb wegen der Corona-Krise ruht, war der Vorstand aktiv und hat neue Geräte für die Werkstätten eingekauft.

Pawel Nestorowicz hat eine Vorliebe für Zimmerpflanzen. Irgendwann war der 31-Jährige jedoch bei 50 Exemplaren an ebenso vielen Standorten angelangt. „Da entstand bei mir die Idee, dass ich gerne alle Pflanzen an einem Ort automatisch gießen lassen würde“, so der Bonner. Mittlerweile steht die Idee in Form eines Turms als Prototyp im Makerspace Bonn. Hinter Letzterem verbirgt sich seit drei Jahren eine Art kreative Werkstatt in Vereinsform.

An der Kennedyallee konnte sich Nestorowicz mit anderen Vordenkern austauschen, erste Formen im 3D-Drucker und technische Abläufe entwickeln und testen. Denn das „Pflanznest“ kommt smart daher, weiß durch Programmierung, ob Kräuter oder Zierblumen mehr Licht oder weniger brauchen und verhindert den Trocken-Tod. Sowohl Helligkeit wie auch Wasserzufuhr steuert es selbst.

Telekom stellt die Räume mietfrei

Vereinsvorsitzender Peter Pröpper blickt zufrieden auf das Start-up-Produkt. Gemeinsam Dinge gestalten, Disziplinen miteinander verschränken, das sind für ihn die Kernanliegen des Vereins. Dessen Geschicke lenkt er gemeinsam mit Salim Deeb. Und das selbst in der Corona-Krise höchst erfolgreich. Anders als die Kollegen des Hennefer Machwerks ist der Ableger in Plittersdorf nicht von der Insolvenz bedroht, sondern hat seine Werkstätten noch ausgebaut.

„Unser großer Vorteil ist, dass die Telekom uns die Räume mietfrei zur Verfügung stellt“, betont Pröpper. Die zunächst improvisierte und später mit Bosch professionalisierte Herstellung von mehr als 10 000 Schutzmasken aus Kunststoff brachte zusätzliches und unerwartetes Geld in die Kasse. Aus eigenen Mitteln konnte der Verein so unter anderem eine Fräse für die Metallwerkstatt kaufen.

„Wir generieren Gelder zudem durch die Mitgliedsbeiträge sowie durch Kurse oder Einsätze unserer Mitglieder als Berater“, sagt der 53-Jährige. Daneben ist Makerspace Bonn in zwei EU-Programmen. „Wir konnten darüber eine Mitarbeiterin einstellen, die uns zum Beispiel in einem Europaprojekt vertritt, das sich um Innovationen für den Mittelstand kümmert.“ Ein weiterer Angestellter fungiert als Werkstattmeister, berät die Tüftler und Bastler und kümmert sich um die Sicherheit vor Ort.

Unterstützung durchs Bonner Spendenparlament

Unterstützung kommt aber auch von anderer Seite. „Dank der 4000 Euro des Bonner Spendenparlaments haben wir in der Holzwerkstatt nun eine professionelle Tischfräse samt Bandsäge“, sagt der Vorsitzende. Jetzt können also potenzielle Möbeldesigner im Kellerraum 0.15 vorbeischauen. Und wer den Stuhl nicht nur bauen, sondern auch beziehen will, kann im ersten Stock an einer der Nähmaschinen Platz nehmen. Die könnte übrigens auch der Vorsitzende selbst bedienen.

Der Clubbetrieb ruht zwar, aber Vorstand und Mitglieder nutzen ihr internes Forum zur Kommunikation, treffen sich zu Teamabenden bei Videokonferenzen. Die Gedanken kreisten teils auch um die Krise und den Willen zu helfen. „Als zwischendurch die Beatmungsgeräte auf den Intensivstationen knapp wurden, haben wir überlegt, ob man die nicht auch selbst bauen kann.“ Viele seien wie er Diplom-Ingenieur. Das Projekt liegt erstmal auf Eis. Ein anderes mögliches Vorhaben: Ein Makermobil zu schaffen und mit jenem Lastenrad Schulen zu besuchen, um ihnen den 3D-Druck vorzustellen.

Immer wieder geht es in den virtuellen Treffen um Pröppers Herzensanliegen „One robot per child“: „Wir möchten gerne, dass jedes Bonner Kind am liebsten kostenfrei einen eigenen Roboter bauen kann.“ Mehrere 100 sind an den 30 3D-Druckern in Workshops schon entstanden. „Unser Ziel ist, die Informatik anfassbar zu machen, zu vermitteln, dass dahinter Design und Programmieren stecken“, umschreibt es Pröpper. Gerade arbeiten die „Macher“ an einem Bausatz, der versendet und per Online-Kurs zusammengebaut werden kann.

30 Prozent der Mitglieder sind Frauen

Auf dem Gebiet der Programmierung sieht er bei den Schulen noch Luft nach oben. Dabei seien die Software-Entwürfe die Basis der viel geliebten Computerspiele. „Man könnte den Schülern noch viel mehr zeigen: ‚Guck mal, Du kannst damit nicht nur zocken, Du kannst auch Geld verdienen“, denkt er in Richtung Unterricht. Was Pröpper weiter bedauert: „Der Bereich IT ist meist eine Männerdomäne.“

Die mal gefühlte, mal reale Festlegung auf bestimmte Neigungen für die unterschiedlichen Geschlechter beobachtet der Erpeler, der in Bonn arbeitet, im eigenen Verein ebenfalls: „Leider sind nur 30 Prozent unserer Mitglieder Frauen.“ Die Zahl der Aktiven liegt bei 30. Der Rest nutzt einfach für zehn Euro monatlich das vielfältige Equipment, das sogar zur Kosmetikherstellung taugt.

Im Gespräch blitzt in nahezu jedem Satz Pröppers Antrieb durch: Wissen zu vermitteln, um die Technik zu demystifizieren. Für die Zukunft wünscht er sich, dass sich der Verein „noch bunter ausrichtet, weniger technisch“. Ein erster Schritt könnten Tanzfläche und Bar sein, die er nach dem Lockdown mit anderen bauen will.