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Bad Godesberg : Verein um Axel Bergfeld will das Kurfürstenbad mieten

Bad Godesberg : Verein um Axel Bergfeld will das Kurfürstenbad mieten

Axel Bergfeld und seine Mitstreiter vom Verein Bürgerbad streben eine kulturelle Zwischennutzung des Kurfürstenbades an und wollen es mieten. Die Stadt findet die Idee grundsätzlich gut, muss das Ganze aber noch prüfen.

Viele Auseinandersetzungen hat es zwischen dem Godesberger Aktivisten Axel Bergfeld und der Stadtverwaltung in den zurückliegenden Jahren gegeben. Egal ob bei der Zukunft des Kurfürstenbads oder dem Bonner Viktoriaviertel – stets lagen die Vorstellungen weit auseinander. Bei einem neuen Projekt soll das anders werden. Der Verein Bürgerbad Kurfürstenbad möchte nämlich das Objekt an der Kurfürstenallee von der Stadt mieten. Vereinssprecher Bergfeld betont im GA-Gespräch: „Die Zeiten ändern sich, wir sind ganz auf Kooperation eingestellt mit der Stadt.“

Am Montag hat der aus der Bürgerinitiative „Kurfürstenbad bleibt!“ hervorgegangene Förderverein beim Amt für Wirtschaftsförderung einen Antrag auf Zwischennutzung gestellt. „Und zwar für kulturelle, soziale und beteiligungspolitische Zwecke“, wie Bergfeld sagt. Vier Jahre Leerstand seien genug, meint Vorsitzende Lilli Schliebitz. Aus mindestens zwei Gründen. „Zum einen gibt es seit 2019 einen Ratsbeschluss, der die Stadt verpflichtet, ihre leerstehenden Gebäude für Zwischennutzungen für soziale und kulturelle Zwecke zur Verfügung zu stellen“, so Bergfeld. Zudem, so Schliebitz, sehe der städtische Rahmenplan Badabriss- und Neubauarbeiten frühestens für Sommer 2022 vor. Die verbleibende Zeit will der Verein nutzen. Konkret schwebt ihm vor, eine Bühne samt Zuschauertribüne im Becken zu installieren. „Allerdings improvisiert, nicht für viel Geld“, sagt Bergfeld.

Für den kulturellen Bereich plant man eine Kooperation mit dem Verein Kunstkitsch, dem auch die Godesberger Liedermacherin Cynthia Nickschas und ihr Partner Malte Stabenau angehören. „Wir wollen vor allem der Freien Kulturszene und jüngeren Künstlern einen Auftrittsort bieten“, erklärt Bergfeld. Beide Gruppen litten besonders unter der Corona-Krise.

„Das Kurfürstenbad ist ein genialer Ort“

Nachdem die wegen Einsturzgefahr geschlossene Stadthalle als Ort für die Bürgerbeteiligung beim Badneubau ausfalle, möchte Bergfeld dafür das Kurfürstenbad nutzen. „Es ist ein genialer Ort. Wenn man im alten Bad ein neues Konzept entwickelt, werden Leute kommen, die sich sonst nicht an politischen Entscheidungen beteiligen“, glaubt Bergfeld.

Als Vorbild führen die Godesberger das „Neubad“ in Luzern ins Feld. Seit 2012 kümmert sich ein Verein um die laut Homepage „kultur- und kreativwirtschaftliche Zwischennutzung“ des einstigen Hallenbades. Es dient als Kunst- und Kulturzentrum. Wie aber stellt sich der hiesige Verein die Ausgestaltung des Mietvertrags vor? „Wir können natürlich keine hohe Miete zahlen, sondern würden die Nebenkosten tragen“, so Bergfeld. Bliebe noch die Frage, ob der Zustand eine Nutzung überhaupt zulässt. Bergfeld gibt sich verhalten optimistisch: „Laut unserem TÜV-Gutachten ist das Dach intakt.“ Das Gutachten vom April hat er am Dienstag Wirtschaftsförderin Victoria Appelbe geschickt. Trotzdem sagt Schliebitz: „Wenn wir in diesem Jahr noch aktiv werden wollen, brauchen wir eine städtische Prüfung des Kurfürstenbades bis zum Ende der Sommerferien 2020.“

Haustechnische Anlage muss erneuert werden

Das kann die Stadt nach eigenen Angaben zwar nicht leisten. Aber, wie Presseamtsmitarbeiterin Isabel Klotz sagte: „Eine kulturelle Nutzung in einem leer stehenden Schwimmbad ist grundsätzlich eine gute Idee.“ Ob es kurzfristig dafür nutzbar sei, müsse geprüft werden. Das letzte städtische Gutachten stamme von 2017. „Bisher wurde aber immer der Badbetrieb geprüft, nicht eine alternative Nutzung, die weniger Technik benötigt“, betonte Klotz.

Der Bericht hatte unter anderem festgehalten, dass die gesamte haustechnische Anlage erneuert werden müsse; darunter die komplette Lüftungsanlage, die Heizzentrale, die kompletten sanitären sowie die elektrotechnischen Anlagen. Zu einer möglichen Miete wollte die Stadt nichts sagen. Allerdings, so ist auf der Homepage zu lesen, erhalten Vereine Sonderkonditionen. Betriebs- und Instandhaltungskosten trage der Mieter.