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"Wissenskulturen": Verein will Hindenburg Ehrenbürgerschaft aberkennen

"Wissenskulturen" : Verein will Hindenburg Ehrenbürgerschaft aberkennen

Der Verein "Wissenskulturen" macht ernst: In einem Brief an Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD) stellen die Mitglieder den Antrag, dem früheren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg die Ehrenbürgerwürde abzuerkennen. Außerdem fordern sie, dass der Hindenburgplatz in Dottendorf und die Hindenburgallee in Plittersdorf umbenannt werden.

Die Stadt bestätigt, dass der Brief im Bürgerbüro eingegangen ist. Demach steht der Antrag erstmals am 5. Juli im Rat auf der Tagesordnung. In Bonn gibt es verschiedene Initiativen, die sich für die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Hindenburgs sowie die Umbenennung von Straßen und Plätzen, die nach dem Reichspräsidenten benannt sind, einsetzen. Nach Ansicht der Kritiker hat Hindenburg demnach Adolf Hitler ohne Not zum Reichskanzler gemacht. Michael Paetau, Vorsitzender des Vereins "Wissenskulturen", hatte sich zunächst zurückhaltend geäußert, die Mitglieder des Vereins würden die Rolle Hindenburgs noch recherchieren, so Paetau auf Anfrage des GA.

Nunmehr steht das Urteil über die Rolle des früheren Reichspräsidenten offensichtlich fest. "Der frühere Reichspräsident Hindenburg muss aufgrund der gegenwärtigen wissenschaftlichen Erkenntnisse als verhängnisvolle Unheilsgestalt der deutschen Geschichte erachtet werden", heißt es einführend in der Begründung.

Weiter führen die Mitglieder des Vereins aus, dass Hindenburg als Chef der Obersten Heeresleitung im Ersten Weltkrieg verantwortlich sei für den Tod von Millionen von Soldaten sowie die "systematische Ausweitung des Krieges auf alle gesellschaftlichen Bereiche". Die Vereinsmitglieder charakterisieren Hindenburg als einen "zum Blutbad bereiten unerbittlichen Gegner jeglichen Friedenskompromisses".

Der Verein zitiert darüber hinaus Äußerungen Hindenburgs über Hitler. "Mein Kanzler Adolf Hitler und seine Bewegung haben zu dem großen Ziele, das deutsche Volk über alle Standes- und Klassenunterschiede zu innerer Einheit zusammenzuführen, einen entscheidenden Schritt von historischer Tragweite getan".

Abschließend heißt es in dem Schreiben: "Mit diesem Antrag möchten wir den guten Namen der ehemaligen Bundeshauptstadt und jetzigen Bundesstadt Bonn als einer weltoffenen und toleranten UN-City, die Menschen aus allen Ländern und Kulturen willkommen heißt, schützen und verteidigen."

Unterstützt wird der Vorschlag unter anderem von Nimptsch. "Allein die antidemokratische Haltung Hindenburgs und die Ausnutzung seiner Befugnisse als Reichspräsident, die Formung eines autoritären Staates zu befördern, machen ihn als Ehrenbürger fragwürdig", so Nimptsch.

Den vollständigen Antrag gibt es unter www2.bonn.de/bo_ris/daten/o/htm/12/1211513.htm