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Lob für die Sanierung des Draitschbrunnens: Vom Schandfleck zum Schmuckstück

Lob für die Sanierung des Draitschbrunnens : Vom Schandfleck zum Schmuckstück

"Ich bin richtig glücklich, so viele Menschen zu sehen. Das zeigt Heimatverbundenheit", bemerkte Pater Innocentus Lymio, Pfarrvikar der katholischen Kirchengemeinde St. Marien und St. Servatius, anlässlich der Feierstunde zur Neuanlage des Draitschbrunnens, zu der der Heimatverein Bad Godesberg Mitglieder und Bürger für Samstag eingeladen hatte.

Nachdem erst am Tag zuvor die offizielle Anerkennung als Heilquelle durch die Bezirksregierung Köln erfolgt war, hatte auch Jan Gruzlak, Pfarrer der evangelischen Johanneskirchengemeinde, zu der auch die nur wenige Meter vom Draitschbrunnen gelegene Marienforster Kirche gehört, eine besondere Nachricht im Gepäck: Seit wenigen Wochen hat das Wasser auch die Anerkennung der Johanneskirchengemeinde als Taufwasser.

Dass dem Godesberger Wasser "nach dem absoluten Niedergang vor 25 Jahren", so Martin Ammermüller, Vorsitzender des Heimatvereins, noch einmal so viel Ehre zuteil werden sollte, war nicht wirklich vorauszusehen. 1990 hatten die Eigentümer von Brau+Brunnen den Betrieb der Brunnenanlage eingestellt. Zwar setzte Brunnenmeister Helmut Fiehl in seinem kleinen Pavillon den Ausschank des Wassers fort, aber der Verfall der einstigen Brunnenanlage ging weiter. Es folgte ein Vierteljahrhundert, in dem sich insbesondere der Heimatverein immer wieder fragte: "Wie gestalten wir das geografische Eingangstor Godesbergs?"

Als die Stadt die Mauern der Brunnenanlage auf ihre Standfestigkeit prüfte, sorgte ein Zufall im vergangenen Jahr dafür, dass die Dinge ins Rollen kamen. Im Oktober stellte der Heimatverein seine Pläne der Politik vor, Mitte Januar war Baubeginn, und vor zwei Wochen wurde die Wiese rund um das Plateau eingesät. "Zur Jahreswende schien eine Fertigstellung bis Pfingsten undenkbar", sagte Ammermüller.

Das aber war das erklärte Ziel des Heimatvereins, um pünktlich zum 225. Jahrestag der Eröffnung des Draitschbrunnens durch den letzten Kurfürsten Max Franz ein sichtbares Zeichen zu setzen. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: "Es sieht wunderbar aus", sagte Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch. Erst während der Bauarbeiten waren die aus Lavabrocken bestehenden Schmuckfelder entdeckt worden, die lange eingemauert waren. Sie wurden freigelegt und die ansteigenden Stufen der Schmuckmauer aus dem Jahre 1873 wiederhergestellt.

Der OB dankte dem Verein für sein Engagement zur Neugestaltung der Brunnenanlage und den Sponsoren, allen voran Frank Asbeck, der 60 000 Euro gespendet hatte, für die finanzielle Unterstützung: "Sie haben dem Draitschbrunnen zu neuem Glanz verholfen. Gleichzeitig wird hierdurch die besondere historische Bedeutung der Draitschquelle für die Geschichte Godesbergs als Bad und Kurort, aber auch spätere Diplomatenstadt wieder optisch hervorgehoben und gewürdigt. Dies ist ein Ereignis von historischer Bedeutung." Als Geburtstagsgeschenk übergab der OB die staatliche Anerkennung der Draitschquelle in Form einer Messingtafel. Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke sprach von "einem glücklichen Tag für Bad Godesberg: Aus einem Schandfleck ist ein Schmuckstück geworden". Und sie mahnte, "dass es unsere Pflicht ist, Redoute, Rathaus und die kurfürstliche Zeile zu erhalten".

Den Danksagungen und Appellen folgten die Geburtstagswünsche, allen voran zum 250. Geburtstag des Godesberger Arztes und Chemikers Ferdinand Wurzer, durch dessen Gutachten das Quellwasser seinen Durchbruch feierte. "Ohne Wurzer kein Bad Godesberg", so Ammermüller. Und ohne Brunnenmeister Helmut Fiehl, der seit fast 40 Jahren für den Ausschank sorgt und am Samstag seinen 76. Geburtstag feierte? - "Wer weiß, was aus dem Wasser geworden wäre." Und zu Landschaftsarchitekt Franz Messinger, der ehrenamtlich den Plan für die Neuanlage entwarf und die Arbeiten leitete, sagte Ammermüller: "Hier ist ein Gesamtkunstwerk entstanden. Damit hast du dir ein Denkmal gesetzt." Den Rahmen bildete der Ludwigschor mit Liedern über "De Draitschquell" und "Leedche von Jebhard von Truchsess". Dass sich die Baukosten von ursprünglich veranschlagten 70 000 Euro auf 140 000 Euro verdoppelten, federten neben Asbeck und dem Heimatverein 120 Spender und Sponsoren ab.