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Walter Bawell liest in Bonn: Von Spionage und Atomraketen

Walter Bawell liest in Bonn : Von Spionage und Atomraketen

Hörigkeit, Hochverrat und diplomatische Verstrickungen: Von Stasi, KGB und dem Weltfrieden am seidenen Faden schreibt Walter Bawell in seinem neuen Buch. Das stellte er jetzt vor.

„Über alle Maßen schön“ fand Walter Bawell die Stadt Bonn. So berichtete der heute 80-Jährige seinerzeit seiner Frau telefonisch vom ersten Eindruck aus Plittersdorf. Neben schön wurde es in den kommenden Jahren spannend. In einer Lesung aus seinem neuen Buch „Spionage und Atomraketen“ anlässlich der Mitgliederversammlung des Vereins Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf berichtete Bawell, wie Spionage Europa an den Rand eines Atomkriegs brachte.

„Das ist ein Stück deutsche und amerikanische Geschichte“, habe ihm ein Freund gesagt und dem ehemaligen stellvertretenden Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa geraten, ein Buch zu verfassen. Vor knapp 50 Zuhörern las Bawell nun in der Stimson Memorial Chapel. Innerhalb der ersten Sätze fesselte die Zuhörer die wahre Geschichte des Zeitzeugen rund um Hörigkeit, Hochverrat und diplomatische Verstrickungen. Zwischendurch „hing der Weltfrieden und der Bewohnbarkeit des Kontinents Europa am seidenen Faden“, befand Bawell.

 Walter Bawell liest in der Stimson Memorial Chapel aus seinem Buch "Spionage und Atomraketen".
Walter Bawell liest in der Stimson Memorial Chapel aus seinem Buch "Spionage und Atomraketen". Foto: Petra Reuter

Über Jahre hinweg hatte eine Sekretärin mehr als 1500 geheime Dokumente an ihren – vermeintlich bei einer Friedensorganisation arbeitenden – Lebensgefährten weitergegeben. Zwar habe man schon bei Bawells Amtsantritt 1983 von einem Informationsleck gewusst. Dass man auch in vertraulichen Gesprächen quasi direkt mit der Stasi und dem KGB verhandelte, ahnte man jedoch nicht.

Verhaftet wurde die Schlüsselfigur der Spionage am 13. März 1991. Sie selbst ahnte seinerzeit nichts von ihrer Rolle als produktivste Spionin, die in Zeiten heißer politischer Verhandlungen beinahe einen Atomkrieg ausgelöst hätte. „Der dicht gewebte Teppich Spionage erweist sich im umgekehrten Sinne Goethes als ‚die Kraft, die Gutes will und Böses schafft‘“, zitierte Bawell aus einem Buch.

Lesungsgast und Vereinsmitglied Matthias Wegener kennt die Siedlung seit 1995 und lebt seit 2014 selbst in der grünen Oase Plittersdorfs. „Mich interessiert die Geschichte und wer hier gelebt hat, als die Weichen gestellt wurden für die Bundesrepublik, in der wir heute alle leben“, berichtete er von seiner Intention, sich im Verein zu engagieren und zur Lesung zu kommen. Mit großer Verwunderung habe er in der Siedlung wahrgenommen, wie unter Denkmalschutz stehende Gebäude dort abgerissen wurden, während andernorts Eigentümer auf Geheiß der Denkmalbehörden horrende Summen für die denkmalgerechte Wiederherstellung ihrer Gebäude aufwenden müssen, so Wegener. Erfreut war er hingegen, dass sich für den ehemaligen Amerikanischen Club auf dem Gelände der heutigen Bonn International School eine Lösung abzeichnete. Wie berichtet, soll dort eine sogenannte Botschaft für Demokratie entstehen, ein Begegnungszentrum mit dem Schwerpunkt Kunst. Dafür wollen die Montag-Stiftungen bis zu zehn Millionen Euro ausgeben.

Bei den anschließenden Vorstandswahlen schieden Rolf Fischer und Udo Schmitz aus Altersgründen und wegen beruflicher Belastung aus ihren Ämtern aus. In den neuen Vorstand wählten die Mitglieder Jörg Schecker zum Vorsitzenden, Stefan Wolter zum stellvertretenden Vorsitzenden. Schriftführerin blieb Dominique Dornberger, Renate Fischer wurde als Kassiererin im Amt bestätigt. Der ehemalige Vorsitzende Fischer bleibt dem Vorstand neben Lars Vonderschmitt als Beisitzer erhalten.