1. Bonn
  2. Bad Godesberg

Vor 100 Jahren erhielt das jesuitische Aloisiuskolleg seinen Namen

Ostern 1921 meldeten die Jesuiten Vollzug : Vor 100 Jahren erhielt das Aloisiuskolleg seinen Namen

Ostern 1921 meldete das gerade nach Bad Godesberg gewechselte jesuitische Kolleg seinen Namen an. Die Villa und das heutige Grundstück kaufte man 1927 der Fabrikantenfamilie von der Heydt ab.

Es war sicher ein Ausdruck neuen Selbstvertrauens, dass der Jesuitenpater Arnold Rump im Frühjahr 1921 der damaligen preußischen Regierung „ergebenst“ mitteilte, „dass das Collegium Hubertinum mit Ostern 1921 seinen Namen in Aloisiuskolleg geändert hat.“ Pater Rump war Rektor eines Gymnasiums, das wegen des jahrzehntelangen Verbots jesuitischer Bildungseinrichtungen in Preußen erst im Jahr zuvor aus dem niederländischen Sittard nach Godesberg wechseln durfte. Benannt nach dem Jesuiten Aloisius von Gonzaga (1568-1591), einem Schutzheiligen für Studenten, hatte der Orden das Jungenkolleg seit 1900 in Sittard mit allein 150 Internatsschülern aufgebaut.

Mit der Aufhebung der Jesuitengesetze waren die Patres 1920 mit einem Teil ihrer Schüler nach Deutschland zurückgekehrt, um ihr Kolleg in den Räumen und mit Schülern der zuvor ebenfalls katholischen Godesberger Knabenschule Hubertinum weiterzuführen. 1921 durften Rektor Rump seine Schule also auch offiziell wieder Aloisiuskolleg (Ako) nennen. Es sollte der Start in eine erfolgreiche Schulentwicklung werden – bis die Nazis nach der Machtergreifung das Ako als christliches Gymnasium bald verboten. Nach 1921 sollte es in den Räumlichkeiten des ehemaligen Hubertinums an der Augustastraße, wo heute die Friedrich-List-Berufsschule steht, alsbald für immer mehr Klassen zu eng werden, wie es der ehemalige Ako-Schüler Jürgen Küpper 2001 in den Godesberger Heimatblättern schrieb.

Internatsschüler und Patres wohnten anfangs in Häusern im Villenviertel

Schon am 6. Dezember 1921 hatte Rektor Pater Rump die behördliche Genehmigung erkämpft, die Einrichtung mit Klassen bis zum Abitur auszubauen. 1923 wurden schon 141 Internats- und 270 externe Schüler gezählt, so Küpper. Und die Internen und Patres mussten ja auch Wohnraum haben. Den fand man anfangs in sogenannten Außenstationen, also Häusern im Villenviertel. Eine nahe Volksschule konnte ein Klassenzimmer abgeben. Die Jesuitenprovinz war bereit, die Kosten für einen Neubau zu tragen. Dazu war beim Godesberger Gemeinderat schon ein Antrag auf ein Darlehen eingereicht worden. Was fehlte, war ein Baugrundstück für eine Schule, die 1925 den ersten Abiturjahrgang verabschieden konnte und kurz darauf auch die staatliche Anerkennung erhielt.

In besagtem Jahr hofften die Jesuiten erst einmal, an der heutigen Konstantinstraße bauen zu können, was jedoch am Widerstand des Gemeinderats scheiterte. Dann aber entwickelten sich die Verhandlungen mit der Fabrikantenfamilie von der Heydt vielversprechend, die auf der Wacholderhöhe an der oberen Elisabethstraße ein großes Grundstück nebst eindrucksvoller Villa verkaufen wollte. Im März 1927 wurde man sich einig. Am 1. Mai 1927 konnten die ersten Internatsschüler sowie zwei Sextaklassen in das von den Jesuiten nun Stella Rheni, Stern am Rhein, benannte Schloss ziehen. Das Aloisiuskolleg aus dem niederländischen Sittard war genau sechs Jahre nach seiner „Wiedergeburt“ in Godesberg auf dem im Volksmund nachmalig so benannten Heiligen Berg angekommen. 1928 konnten die Schulneubauten an der Elisabethstraße beginnen. Vom aktuellen Ako-Rektor war zum Thema leider keine Stellungnahme zu erhalten.