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Aiman Mazyek in Godesberg: Vorsitzender des Zentralrats der Muslime sprach bei Tagung im Heiderhof

Aiman Mazyek in Godesberg : Vorsitzender des Zentralrats der Muslime sprach bei Tagung im Heiderhof

Als die Tagung "Herausforderung Salafismus - Extremistischer Islamismus in Deutschland" geplant wurde, ahnten die Organisatoren der Evangelischen Akademie im Rheinland noch nicht, wie akut das Thema während der Veranstaltung sein würde. 70 Teilnehmer folgten am Wochenende den Vorträgen auf dem Heiderhof; draußen im Lande dominierte derweil die Diskussion um Meinungsfreiheit und Islam die Nachrichten.

Auch die polizeiliche Erkenntnis, in Bonn eine "Hochburg der Salafisten" in Deutschland vorzufinden, blieb bei den Teilnehmern nicht ohne Eindruck. So waren ebenfalls die Krawalle gewalttätiger Salafisten am 5. Mai in Lannesdorf ein ausführliches Thema des von Jürgen Klußmann geleiteten Seminars.

Elmar Theveßen, stellvertretender ZDF-Chefredakteur, und Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) waren die wohl bekanntesten der insgesamt neun Referenten. Mazyek nannte die aktuellen Ereignisse in der muslimischen Welt ein "Profilierungsmittel für Extremisten hüben wie drüben". Er appellierte an die Zuhörer, zwischen extremistischen Splittergruppen und friedlichen Mehrheiten zu differenzieren und nutzte die Gelegenheit zur klaren Abgrenzung zu Salafisten, die er als selbst ernannte "Religionspolizei" bezeichnete, welche sich ein Urteil über Mitmenschen anmaßten. Wegen des Anspruchs auf Rechtgläubigkeit drohe sich diese Strömung jedoch auszubreiten "wie ein Virus".

Der Zentralrat, so versicherte Mazyek, habe die Gefahr und die Herausforderungen erkannt, welche von "groben Vereinfachern" und ihren "pseudo-religiösen Schriften" ausgehe. Mit Blick auf die aktuelle Debatte um den amerikanischen Anti-Islam-Film blieb Mazyek auf dem Heiderhof unscharf: Die Meinungs- und Pressefreiheit müsse "natürlich verteidigt werden". Ebenso gelte es aber, menschliche Würde und religiöse Gefühle zu verteidigen - und zwar aus muslimischer ebenso wie aus christlicher Sicht, sagte er. Andernorts hatte er in der vergangenen Woche geäußert, die Aufführung des Films werde in Deutschland Straßenschlachten auslösen, und damit die Forderung nach einem Verbot begründet.

Aladdin Sarhan, Lehrbeauftragter an der Universität Witten/Herdecke, präsentierte zahlreiche Fakten zu salafistischen Aktivitäten und Aktionen. Deren Charakter sei durchweg geprägt von Indoktrinierung und Alleinvertretungsanspruch. Dennoch seien die Salafisten "Scheinriesen", deren massive und großspurige Präsenz im Internet im Missverhältnis zu ihrer tatsächlichen, nämlich überschaubaren Gefolgschaft stehe. Zugleich seien nicht alle Salafisten auch Kriminelle oder gar Terroristen.

Damit kennzeichnete Sarhan eine Grenzlinie, die in mehreren Referaten zum Tragen kam: Jene zwischen konservativen Muslimen und straffälligen Islamisten. Sofern es aber keine Anhaltspunkte für Straftaten gebe, habe auch die Polizei keinen Handlungsbedarf. Umgekehrt gelte jedoch, dass sämtliche aktuell bekannten Dchihadisten mit einem Bezug zu Deutschland salafistisch geprägt seien. In den angeregten Pausengesprächen unter den Teilnehmern war die Sorge um das künftige religiöse Miteinander herauszuhören - und angesichts zunehmender Bedrohungsszenarien die Sorge um den inneren Frieden in Deutschland.