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Vorschläge zur Verkehrspolitik: Wachtberger Ausschuss befürwortet neue Route für Buslinie 856

Vorschläge zur Verkehrspolitik : Wachtberger Ausschuss befürwortet neue Route für Buslinie 856

Da der Berkumer Weg zur Radstraße mit Tempo 30 werden soll, würden die Fahrten für den ÖPNV dann zu lange dauern. Die neue Route von Berkum nach Gimmersdorf soll über die L123 verlaufen.

Nach der unfreiwilligen Corona-Pause zeigten sich die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses am Dienstagabend in Debattierlaune. In der Aula des Schulzentrums ging es etwa gut eine Stunde um die geplante Sperrung des Berkumer Wegs für Autos. Wie  berichtet, ist das der große Wunsch der Gimmersdorfer, nachdem die Ortsumgehung fertiggestellt ist.

Zudem hatte die Gemeinde, seit Januar „Besitzerin“ der früheren Kreisstraße, vorgeschlagen, das Stück zwischen Gimmersdorf und Berkum als doppelspurige Fahrradstraße anzulegen. „Das wiederum bedingt Tempo 30, was bedeuten würde, dass die Linienbusse nicht rechtzeitig am Mehlemer Bahnhof ankommen“, beschrieb Beigeordneter Swen Christian das Problem am Mittwoch. Eine Verlegung der Linie 856, in der 2019 der Schülerspezialverkehr aufgegangen ist, stand folglich im Raum. „Wir haben in den vergangenen Monaten ein Dutzend Varianten durchgespielt“, so der Beigeordnete.

Schließlich präsentierte die Verwaltung den Politikern den Vorschlag, die Linie künftig aus den engen Straßen Berkumer Weg, Stumpebergweg und Oberdorfstraße herauszuhalten und sie stattdessen über Kommunalweg, Ortsumgehung, L 123 und Rathausstraße nach Berkum zu führen. Maike Scholz (CDU) würdigte das „recht komplexe“ Konzept, meldete aber Bedenken an, die Grundschüler künftig am Seniorenpark oder der Rathausstraße statt vor der Grundschule aussteigen zu lassen. Unterstützung erhielt sie von Ulrich Feyerabend (Unser Wachtberg): „Gerade wenn die Kinder von außerhalb kommen, also eher ortsunkundig sind, sehe ich die weiter entfernten Haltestellen kritisch.“ Zumal man für die Umstellung des Schülerspezialverkehrs einiges gestemmt habe, „und die Sicherheit im Vordergrund stand“. Woraufhin Christian erwiderte, die Verwaltung habe schon jetzt Schulen und Elternpflegschaft eingebunden, die Schulwegsicherheit habe weiter  „oberste Priorität“.

Die Stopps der Extrafahrten von 881 und 857 am Schulzentrum interessierten Angelika Schmidt (UWG). „Ich fänd’s schwierig, wenn die Grundschüler nicht mehr aussteigen dürfen, die der weiterführenden Schule aber schon“, sagte dazu der Beigeordnete. Zudem wurmte Schmidt, dass künftig Aula und Schwimmbad dann nicht mehr direkt angefahren werden könnten. Das missfiel auch Oliver Henkel (Grüne): „Eine der größten Begegnungsstätten in Wachtberg wird dann komplett vom ÖPNV gekappt.“ Die Radstraße sei grundsätzlich eine gute Idee, er wollte jedoch prüfen lassen, wie es mit dem Zeitverlust aussehe, wenn es keinen Begegnungsverkehr der Busse auf der Oberdorfstraße gebe – unter Beibehaltung der sonstigen Linienführung. Der Vorschlag stieß bei Christian nicht auf Gegenliebe, da es gerade für Ortsunkundige ungut sei, wenn ein Bus einen Rundkurs fahre.

ADFC sieht sich bestätigt

Roswitha Schönwitz (SPD) bewertete die vorgestellte Idee positiv. „Was wir dagegen nicht für sinnvoll hielten, wäre, die erst verkehrsberuhigte Oberdorfstraße nun für einen Begegnungsverkehr auszubauen“, so Schönwitz. Christoph Fiévet (CDU), auch Vorsitzender der Gimmersdorfer Ortsvertretung, zeigte sich „hocherfreut“ über die Pläne der Verwaltung. Er verstehe aber auch die Sorge der Eltern und empfahl, diese eng einzubinden.

Ulf Hausmanns (Unser Wachtberg) gab zu bedenken, dass die breiten Haltestellen, die bald auf der Rathausstraße entstünden zu Stau in der Rushhour führten. „Genau das wollen wir, den Straßenverkehr eingrenzen, gerade wenn die Kinder am Bus rumturnen“, so der Beigeordnete Christian. Am Ende befürworteten alle Politiker bis auf Schmidt den Vorschlag, der nun an den Bauausschuss geht. Kurz vor der Umsetzung sieht damit die ADFC-Ortsgruppe eine „langjährige Forderung“ aus ihrem Rad-Aktionsplan für Wachtberg. „Der Berkumer Weg als Radstraße wäre die erste und längste Strecke ihrer Art außerhalb von Ortschaften im Rhein-Sieg-Kreis“, teilte der verkehrspolitische Sprecher Jörg Landmann mit.