Jubiläum beim Eifelverein Wandern statt feiern zum 100-Jährigen

BAD GODESBERG · Der Eifelverein Godesberg ist 100 Jahre alt. Die Gründerväter wollten damals ein strukturschwaches Gebiet fördern, eben die Eifel.

Das Wandern ist bekanntlich des Müllers Lust. "Nein, nicht nur des Müllers, sondern seit 100 Jahren auch für Menschen aus allen Altersgruppen und unterschiedlichen Berufen in Bad Godesberg", ergänzt Gisela Sauerberg. Sie ist seit 2004 Vorsitzende der Godesberger Ortsgruppe des Eifelvereins. Und der zählt immerhin zu den größten Wandervereinen in deutschen Landen.

"Als 1888 der Eifelverein gegründet wurde, ging es darum, die Eifel in jeder Hinsicht zu fördern", sagt Sauerberg. Und zwar, weil es ein strukturschwaches Gebiet war, weiß auch Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann. Damals war noch von "Preußisch Sibirien" die Rede. Ziel der Gründerväter war es, die Landschaft den Menschen aus den Städten näher zu bringen, um so die arme Landbevölkerung zu unterstützen.

Zunächst gehörten die Godesberger Eifelfreunde der Bonner Ortsgruppe des Eifelvereins an. "Nachdem sich ihre Zahl von 1905 bis 1912 von 14 auf 70 vergrößert hatte, schlossen sie sich am 18. März 1912 zur Ortsgruppe Godesberg zusammen. Die Gründungsversammlung fand im Hotel Stern statt, dessen Platz heute die Volksbank einnimmt", schreibt Walter Voigt, der seit 1965 als Schatzmeister und Geschäftsführer die Godesberger Wanderfreunde begleitet.

In einer Broschüre hat er die 100-jährige Geschichte der Ortsgruppe in Wort und Bild aufbereitet. "Er ist sozusagen unser wandernder Vereinshistoriker", sagt Vorstandsmitglied Adolf Bischoff und schmunzelt. Kein Wunder, gehört Voigt, in Godesberg auch Jahrzehnte als Vorsitzender des Vereins Godema bekannt, schon seit Kindesbeinen den Eifelfreunden an.

Zum 25-jährigen Gründungsfest am 1. Mai 1937 hatte die Ortsgruppe mit mehr als 210 Mitgliedern den Bestand der Vorkriegszeit wieder erreicht. "Steil aufwärts ging es dann ab 1948. In diesem Jahr wurden wieder 23 Wanderungen in die Umgebung von Bad Godesberg durchgeführt, die Mitgliederzahl stieg kräftig an", so Voigt.

Das Wirtschaftswunder sorgte dafür, dass die Ortsgruppe ab Mitte der 60er Jahre neue Regionen erkunden konnte. Der Grund: Man benutzte zur Anfahrt in die Wandergebiete mittlerweile das eigene Auto. Mit dem Motto "Steig aus und wandere" wurden viele neue Wanderfreunde gewonnen. Außerdem wurden Radtouren unter dem Slogan "Steig auf und radle" angeboten.

Noch Mitte der 70er Jahre verfügte die Ortsgruppe über 363 Vollmitglieder. "1977 waren 3980 Teilnehmer an 254 Tagen unterwegs und legten in 1232 Stunden 3962 Kilometer zurück", weiß Voigt zu berichten. Doch die Zeiten änderten sich, die Mitgliederzahlen sanken kontinuierlich, 2011 hatte die Ortsgruppe nur noch 133 Vollmitglieder. "Es gelingt einfach nicht, junge Leute zu motivieren", sagt Schriftführer Bischoff. Zwar kämen heute viele Gäste zu den angebotenen Wanderungen, bei vielen bliebe es allerdings oft nur eine Stippvisite.

Neben den gesellschaftlichen Veränderungen schlägt natürlich auch die Tatsache zu Buche, dass der Eifelverein längst nicht mehr der einzige Verein ist, der Wanderungen anbietet. Voigt: "Immerhin haben wir ein Angebot für Menschen, die nicht oder nicht mehr im Sportverein aktiv sind." Trotz gesunkenen Mitgliederzahlen präsentiert die Godesberger Ortsgruppe auch nach 100 Jahren noch stolze Statistiken.

So wurden im vergangenen Jahr mehr als 100 Wanderungen mit knapp 2000 Teilnehmern registriert. Derzeit verfügt die Ortsgruppe über zwölf Wanderführer, die mit viel Idealismus dabei sind. Sechs von ihnen bieten am kommenden Samstag, 21. April, anlässlich des Bezirkswandertages sechs Touren an (siehe unten).

Dieser Bezirkswandertag ist sozusagen die Jubiläumsveranstaltung der Ortsgruppe. "Eine reine Festveranstaltung anlässlich des 100-jährigen Bestehens wollten wir nicht", so die Vorsitzende Gisela Sauerberg. Denn: "Das Wandern ist bei uns über die 100 Jahre immer der Hauptzweck gewesen."

Der Wandertag

Bezirkswandertag am Samstag, 21. April.

Treffpunkt ab 9 Uhr Stadthalle, Koblenzer Straße 80; 10 Uhr Begrüßung; 10.30 Uhr Aufteilung auf sechs Wandergruppen

Wanderung 1: Naturkundliche Wanderung: Redoutenpark, Heiderhof, Lyngsberg, Tongrubenteiche,Lösshohlweg, über die "Plättchen" nach Muffendorf.

Wanderführer: Wolfgang Kehren

Wanderung 2: Marienforster Promenade, Fuderbachsweg, kleine Runde auf dem Heiderhof, abwärts nach Muffendorf

Wanderführer: Karl und Rosemarie Huth

Wanderung 3: Rheinallee, Übersetzen mit Fähre-Oberdollendorf, Weinwanderweg, Hülle, zurück durch das Mühlental

Wanderführer: Werner Ulrich

Wanderung 4: Burgfriedhof, Pionierweg, Marienforster Tal

Wanderführer: Reiner Schmidt

Wanderung 5: Villenviertel, Rheinufer

Wanderführer: Adolf Bischoff

Wanderung 6: Stadtführung - Auf den Spuren der Kurfürsten: Redoute, Draitschbrunnen, Burgfriedhof und Godesburg

Wanderführer: Walter Voigt

Weitere Informationen gibt es im Internet auf www.eifelverein.de/bad_godesberg

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