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Interreligiöser Dialogkreis: Warten auf ein freundliches "Hallo"

Interreligiöser Dialogkreis : Warten auf ein freundliches "Hallo"

"Religion, Kultur oder Nation sollten kein Hindernis für Dialogbereitschaft darstellen", sagte Mustafa Cadi, muslimischer Sprecher des interreligiösen Dialogkreises Bad Godesberg, gleich zu Beginn der Veranstaltung in der Aula der Domhofschule, zu der der Kreis unter dem Titel "Gespräch unter Nachbarn - wer wir sind und wie wir einander respektieren können" Bürger und Vertreter zahlreicher Institutionen eingeladen hatte.

Ziel des Abends: Bürger sowie Vertreter sozialer und religiöser Einrichtungen miteinander ins Gespräch zu bringen.

"Nachbarschaft braucht manchmal Zeit, bis sie Gestalt annimmt", sagte beispielsweise Mohammed Hadduti vom Marokkanischen Moscheeverein. Ein freundliches Wort wie "Hallo" könne da bisweilen "Wunder bewirken", meinte er. Auf dieses Wunder seitens seiner deutschen Nachbarn wartet ein muslimischer Bürger allerdings bis heute. Er berichtete von langjährigen Nachbarn, "Typ Bogida-Nachbarn", die ihn ängstigten. "Ich fürchte mich vor Bogida", stellte er fest, aber: "Wenn diese Nachbarn mich nur einmal grüßen würden, würden sie mir die Angst nehmen."

Über "angstbesetzte Perspektiven mancher Mitbürger in Bad Godesberg" berichtete auch Thomas Beste, Bezirksdienstleiter der Bonner Polizei. Wo zu Diplomatenzeiten "eine bunte Vielfalt durch Diplomaten aus allen Ländern herrschte", gebe es heute eine zum Teil "angstbesetzte Perspektive vor den unbekannten muslimischen Mitbürgern beziehungsweise Medizintouristen".

Dass Kopftuch und Burka in den vier Arbeitsgruppen mit etwa jeweils zehn Teilnehmern deshalb auch eine Rolle spielten, war da nur konsequent. "Über die Frauen funktioniert der Dialog am besten", berichtete Regina Uhrig, Leiterin des Hauses der Familie, über ihre Erfahrungen mit dem christlich-muslimischen Frauentag, den ihre Einrichtung regelmäßig durchführt.

"Insgesamt wurden durchaus kritische Diskussionen geführt, aber in einem sehr harmonischen Rahmen", stellte Cadi zufrieden fest. Um Nachbarschaftsstreitigkeiten - und das nicht nur zwischen Christen und Muslimen - zu lösen, müssten manchmal Kompromisse eingegangen werden. Eine wichtige Botschaft des Abends, so Cadi, laute: "Niemanden ausgrenzen." Der Dialogkreis will die Ergebnisse des Abends auswerten und bis Ende des Jahres einen "interreligiösen Leitfaden erarbeiten".