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Streit um schmale Gasse: Warum sich manche in Villiprott an einem Törchen stören

Streit um schmale Gasse : Warum sich manche in Villiprott an einem Törchen stören

Bei einer Versammlung auf dem Dorfplatz in Villiprott sind die Fronten verhärtet. Grund ist ein umstrittenes Pendeltors, was aufgestellt wurde.

Schon in der Ortsvertretung im November 2019 hatten Teilnehmern zufolge rund 30 Bürger reges Interesse an den Geschehnissen im Dorf gezeigt. Wegen der Forderung aus der Bürgerschaft nach der Verkehrssicherung an der Mündung des Gässchens zum Dorfplatz hin, sprachen die Ortsvertreter 2019 eine Empfehlung an die Verwaltung aus. Diese möge wegen der dortigen unübersichtlichen Ausfahrten die Gefahrensituation entschärfen. Mit dem Ergebnis, dem kürzlich montierten Pendeltor im Gässchen, wollen sich jedoch viele Villiprotter nicht abfinden.

In einer Versammlung auf dem Dorfplatz diskutierten rund 20 Teilnehmer die Nachteile des Tors und suchten nach Schuldigen für die ihrer Meinung nach unhaltbare Situation. Das gleiche Bild fand sich auch in den sozialen Medien. Ein Diskussionsteilnehmer monierte, dass der Ortsvertreter Ulf Hausmanns nicht an der aktuellen Versammlung teilnahm. Gleichzeitig bestätigte einer der Initiatoren der Versammlung, ebenso wie der Ortsvertreter selbst, dass man Hausmanns gar nicht eingeladen hatte. Lediglich ein Teil der Bürger Villiprotts war informiert worden.

Vor Ort erklärte Hans-Werner Kühlwetter, die Darstellung einer Gefahrenstelle an der Mündung des Gässchens und das Tor selbst könne man so nicht stehenlassen. Seit Jahrhunderten würde das Gässchen unfallfrei genutzt. Sogar von kleineren Fuhrwerken sei dieser Bypass zur abschnittweise gehweglosen Burgstraße befahren worden, so Kühlwetter. Das Gässchen gehöre zur „kulturellen Identität des Dorfs“. Schon zu der Zeit, als sich auf dem heutigen Dorfplatz noch ein Spielplatz befunden hatte, habe man den kleinen Weg mit der Deklaration als Fußweg und der Montage eines Pollers in seiner Funktion unnötig beschränkt, fand Kühlwetter und meinte: „Der Poller war genauso unsinnig wie das Törchen.“ Der Poller sei auch nicht lange dagewesen.

Ein Unfall habe sich entgegen der Darstellung Kühlwetters laut der direkt betroffenen Anwohnerfamilie vor Jahren bereits ereignet. Sie sorgt sich deshalb um die Kinder, die bis zum Alter von zehn Jahren den Fußweg mit dem Fahrrad befahren dürfen und so an der Ausfahrt vor das Auto der Familie geraten könnten. Das zwangsläufig die Geschwindigkeit der jungen Radler reduzierende Pendeltor ist ihnen deshalb willkommen.

Ein weiterer Streitpunkt der vorabendlichen Diskussion waren die von Befürwortern des Törchens angeführten, „mit einem Affenzahn durch das Gässchen“ fahrradfahrenden Erwachsenen. „Die gibt es hier nicht“, meldete sich Alfred Rau zu Wort. Barbara Hemkis führten kontra Törchen an, es sei nicht barrierefrei, weil es sich nicht auf Knopfdruck öffne.  Für Kinderwagen schiebende Mütter sei der schmale Weg deshalb jetzt genauso wenig nutzbar wir für Senioren mit Rollator, fanden mehrere Bürger.

Die ebenfalls gerügten Kosten für die Steuerzahler – es wurden Beträge zwischen 1800 und 3000 Euro genannt – bestätigte die Gemeinde nicht. Rund 1000 Euro haben Tor und Montage laut Margrit Märtens, Sprecherin der Gemeinde, gekostet. Dass, wie ebenfalls auf dem Dorfplatz kritisiert, die Entscheidung „am Bürger vorbei“ gefallen sei, konnte die Sprecherin ebenfalls nicht bestätigen. Nicht nur in der Ortsvertretung habe man das Thema diskutiert. Auch vor Ort habe mindestens ein Termin stattgefunden, an dem unter anderem Kühlwetter teilgenommen habe. Praktikable Vorschläge, wie man die Situation entschärfen könne, lägen der Gemeinde weder aus Bürgerbeiträgen noch aus dem Ortstermin vor, so Märtens.