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Gesprächsreihe „Heimat und Aufbruch“ in Bad Godesberg: Was Heimat heute bedeutet

Gesprächsreihe „Heimat und Aufbruch“ in Bad Godesberg : Was Heimat heute bedeutet

Auf Spurensuche haben sich die Podiumsgäste der „Godesberger Gespräche“ gemacht. Es ging um Heimat allgemein und um die Rolle des Stadtbezirks.

Was ist Heimat, und wie können wir unsere Heimat aktiv mitgestalten? Wie hat sich der Zusammenhalt der Bad Godesberger in den letzten Jahren verändert? Diesen Fragen stellte sich die Auftaktveranstaltung der „Godesberger Gespräche“ und damit die Einlader Gianluca Carlin, leitender Pfarrer des katholischen Seelsorgebereichs Bad Godesberg, und Jens Groß, Schauspieldirektor im Theater Bonn. Durch den Abend im Schauspielhaus führte Journalistin Ebba Hagenberg-Miliu.

Erster Gast der Reihe „Heimat und Aufbruch“ war Frank Vogelsang, Direktor der Evangelischen Akademie im Rheinland, die bis 2016 auf dem Godesberger Heiderhof ansässig war. Für ihn ist Heimat nichts Statisches: Eine Heimat ohne Konflikte werde schnell zu Kitsch, „wie in einem Heimatfilm“.

Was alle Gesprächspartner vereinte: Jeder von ihnen hat seinen Heimatort bereits einige Male gewechselt. Das Verständnis von Heimat ist dennoch nicht dasselbe. In seinem Impulsvortrag betonte Vogelsang die gegenseitige Abhängigkeit von Heimat und Aufbruch. Menschen seien individuelle Wesen, die mit anderen Menschen, der Umwelt und der Vergangenheit verbunden seien. Diese Verbindungen ließen sich aber wieder lösen. „Wir finden Weisen der Verbundenheit vor, und doch können wir sie auch erneuern, Heimat und Aufbruch ergänzen einander“, erklärte der Theologe und Ingenieur. Dies gelinge nicht ohne Konflikte: „Unsere Heimat müssen wir immer wieder von Neuem erringen“, so Vogelsang.

Bonner zeigen Offenheit

Für Schauspieldirektor Groß bedeutet Heimat die Suche nach einem Raum der Auseinandersetzung. „Es gibt Städte und Mentalitäten, die einem offener begegnen als andere“, erklärte der gebürtige Bayer. Gerade der Bonner Raum sei von großer Neugierde und Offenheit geprägt. Dabei spiele die Verantwortung des eigenen, aktiven Handelns eine große Rolle.

Carlin, der in Triest geboren ist, findet Heimat in zwischenmenschlichen Verbindungen und erinnerte an kindliche Grundbedürfnisse: „Wir müssen das Kindsein immer wieder gewinnen bei der Suche nach Wahrheit, Sicherheit und Gerechtigkeit“, sagte Carlin.

Mit Blick auf Bad Godesberg stellte Hagenberg-Miliu die Frage nach dem Zusammenhalt der Bürger im ehemaligen Diplomatenviertel. In den vergangenen 30 Jahren habe sich die Bevölkerung verändert – UN-Beschäftigte, Gruppen mit ausländischen Wurzeln und derzeit Geflüchtete aus der Ukraine haben den Weg nach Bad Godesberg gefunden. „Wir müssen aufhören, Unterschiede zu benennen,“ entgegnete Groß dem. Vielmehr müsse man immer wieder Regeln für das Zusammenleben demokratisch aufstellen und sich aktiver austauschen.

Begegnung unter Menschen

Carlin nehme Bad Godesberg als einen Stadtteil mit einer „heterogenen Gesellschaft mit vielen Identitäten“ wahr, dem man sich schnell zugehörig fühle. Er betonte die Bereitschaft der Bad Godesberger, anderen Menschen zu begegnen – aktuell vor allem in Bezug auf ukrainische Geflüchtete. Die Kirchengemeinde sei häufig die erste Anlaufstelle, um Orientierung in der neuen Umgebung zu finden.

Das Publikum lobte das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept als Möglichkeit, Heimat aktiv mitzugestalten, sowie den Runden Tisch für Flüchtlingshilfe in Bad Godesberg. Eine Teilnehmerin merkte an, dass Gastarbeiter und Migranten bei Veranstaltungen selten vertreten seien und zu wenig angesprochen würden. Laut Groß gelinge es zu selten, die Gesellschaft komplett abzubilden – deswegen versuche das Theater, über sein Programm möglichst viele Menschen zu erreichen.

Die Organisatorinnen der „Godesberger Gespräche“ sind Astrid Weber für den Seelsorgebereich und Nina Dahl für das Theater Bonn. Die nächsten Veranstaltungen finden am 17. Mai im Pastoralen Zentrum St. Marien und am 7. Juni im Foyer des Schauspielhauses statt.