Putschversuch in der Türkei Welle von Verhaftungen in Yalova

Bad Godesberg · Die Bad Godesberger Bezirksverordneten Monika Heinzel und Jürgen Bruder besuchten die türkische Partnerstadt. Bei der Übergabe von Gastgeschenken an Bezirksbürgermeisterin erzählten sie von ihrem Besuch am Marmara-Meer.

 Monika Heinzel, Jürgen Bruder und Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke haben soeben ein Geschenk aus der türkischen Partnerstadt Yalowa ausgepackt.

Monika Heinzel, Jürgen Bruder und Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke haben soeben ein Geschenk aus der türkischen Partnerstadt Yalowa ausgepackt.

Foto: Andreas Dyck

Auch die Godesberger Partnerstadt Yalova ist von der Säuberungswelle der türkischen Regierung in Militär, Justiz und Verwaltung nach dem Putschversuch nicht verschont geblieben Nach der landesweiten Aktion gegen angeblich verdächtige Putschisten beschloss die türkische Regierung auch im Bildungssektor radikale Säuberungen durchzuführen: Betroffen war laut "Hürriyet Daily News" auch der Rektor der Yalova Üniversitesi, Professor Niyazi Eruslu, der in Gewahrsam genommen wurde.

Gegen ihn wird ermittelt wegen der Mitgliedschaft in der Fethullahçı Terör Örgütü, zu Deutsch: Terror-Organisation der Fethullah-Anhänger, womit die Anhänger der Gülen Bewegung gemeint sind, die zurzeit im Fadenkreuz des türkischen Staates stehen, hauptverantwortlich für den Putschversuch zu sein.

Der Rektor wurde bereits am Donnerstag, 21. Juli verhaftet. Nach vorliegenden Informationen wurde Eruslu außer Dienst gestellt und der Polizeibehörde der Stadt übergeben. Es soll ein gerichtliches Verfahren gegen ihn eröffnet werden. Wie die Universität Yalova mitteilte, wurden insgesamt 48 Fakultäts-Mitglieder, darunter 16 wissenschaftliche Mitarbeiter, vom Dienst suspendiert. Die Säuberungswelle machte auch vor Polizei- und Sicherheitsapparat nicht halt: Auf Anordnung des Innenministeriums wurden 37 Sicherheitsbeamte in Gewahrsam genommen. Nach ersten Vernehmungen sollen die Verdächtigen vor Gericht gestellt werden.

Am vergangenen Mittwoch überbrachten Monika Heinzel (Grüne) und Jürgen Bruder (parteiloser Bezirksverordneter) Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke (CDU) einige Gastgeschenke von ihrer Reise nach Yalova. Die kleine Delegation, Stein-Lücke hatte aus privaten Gründen die Reise kurzfristig absagen müssen, war, wie berichtet, nur wenige Tage nach dem Putsch in der Partnerstadt gewesen. So berichtete Heinzel unter anderem von einem Besuch in einer staatlichen Oberschule, die man ihnen voller Stolz über den hohen technischen Standard präsentiert habe.

"Das haben wir alles Erdogan zu verdanken, hat uns der Schuldirektor gesagt", so Heinzel. Überrascht war die Grüne auch über Parallelen im Stadtbild Yalovas zu Bad Godesberg. "Ich war erstaunt über die vielen vollverschleierten Medizintouristen, die in Yalova auch an den schönsten Plätzen Immobilien gekauft haben." Viele arabische Touristen nutzen in Yalova vor allem die Heil- und Thermalquellen. Heinzel, die das erste Mal seit dem Erdbeben vor 17 Jahren wieder in Yalova weilte, zeigte sich auch positiv überrascht "über den unglaublichen Aufschwung sowie die gepflegte und saubere Atmosphäre in der Stadt."

Ulli Hauschild besucht Projekt

Mit von der Partie in Yalova war auch der Vorsitzende des Freundeskreises Yalova und FDP-Bezirksverordnete Ulli Hauschild. Yalovas Bürgermeister Vefa Salman hatte den Ehrenbürger seiner Stadt persönlich eingeladen und mit ihm bereits jetzt schon die in drei Jahren geplanten Jubiläumsfeierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Yalova und Bad Godesberg besprochen. Darüber hinaus überzeugte sich Hauschild vom Fortgang des von ihm initiierten und seit drei Jahren begleiteten gemeinsamen Inklusions-Projekts der Rotary-Clubs Bonn-Museumsmeile und des Clubs in Yalova - ein von behinderten Menschen betriebenes Restaurant im Zentrum der Partnerstadt.

Gute Tradition für Ulli Hauschild ist sein Gedenken an den früheren stellvertretenden Godesberger Bezirksvorsteher Gunnar Zeelau an der Gedenkstätte für die Toten des großen Erdbebens im August 1999 in Yalova. Zeelau weilte während des Erdbebens in Yalova und war von einer Betondecke erschlagen worden. Sein Name ist mit mehreren tausend anderen Namen in große weiße Marmorblöcke eingraviert und mit einem kleinen Loch versehen, in das gerade eine kleine Blume hinein passt.