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Rundgang durch Bad Godesberg: Wenig Charme und viel "tote Hose"

Rundgang durch Bad Godesberg : Wenig Charme und viel "tote Hose"

Die Bad Godesberger Innenstadt bleibt eines der drängenden Dauerthemen im Stadtbezirk. Immer wieder steht das Viertel zwischen Bahnhof und Godesburg deshalb auch im Blickfeld der Kommunalpolitik. Jetzt war es die FDP, die Bürger dazu eingeladen hatte, sich gemeinsam mit ihren Mandatsträgern ein aktuelles Bild von der Situation zu machen.

"Wir wollen Bad Godesberg nicht schlecht reden", sagte der Bad Godesberger FDP-Chef Ulrich Hauschild und ergänzte: "Aber wir sehen uns auch in der Verantwortung, den Realitäten ins Auge zu blicken, und die Realitäten sind leider schlecht." Werner Hümmrich, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Bonner Stadtrat, dankte der Fraktionsarbeitsgruppe "Städtebau und Wohnungswesen" um Michael Büssemaker dafür, dass sie die Themen aufgreife.

Theaterplatz, Kammerspiele, Arkadia-Passage, Koblenzer und Bonner Straße, sowie abschließend der Moltkeplatz bildeten die Wegmarken des einstündigen Rundgangs, der neben dem städtebaulichen Zustand auch die allgemeine Entwicklung Bad Godesbergs zum Thema hatte.

"Die zunehmende Zahl vollverschleierter Frauen im Stadtbild weckt inzwischen Assoziationen zu maghrebinischen Städten am Mittelmeer", sagte Teilnehmer Joachim Decker und sprach damit ein Thema an, das bei vielen alteingesessenen Godesbergern zunehmend und hörbar Missfallen erregt.

Schwerpunkt der Veranstaltung blieb indes das bauliche Bild, mit dem sich Bad Godesberg seinen Bewohnern und Gästen präsentiert. Gestaltungsarmut, Leerstand und zu viel verschiedenartige Reklame, fasste Hauschild die Problematik in wenigen Worten zusammen. So sei der Theaterplatz "kein Platz, sondern eine Fläche, die den Charme der Siebziger Jahre verströmt".

"Disharmonie der Fassaden in Erd- und Obergeschoss"

Ein Problem liege in der "Disharmonie der Fassaden in Erd- und Obergeschoss", meinte Büssemaker, und Hauschild riet dazu, für die ehedem diskutierten Arkaden rund um die Freifläche einen neuen Anlauf zu nehmen oder auch einen Milchpavillon im Zentrum des Platzes zu etablieren. Eine Anstoßfinanzierung könnte beispielsweise ein "Attraktivitätsfonds" bilden.

"Für die Arkaden", fügte Hauschild hinzu, "bräuchte es natürlich die Mitwirkung von Geschäftsleuten, Immobilieneigentümern und städtischer Wirtschaftsförderung". Unbedingt zu verhindern, dies zumindest war unter den Anwesenden Konsens, sei eine Schließung der Kammerspiele.

"Tote Hose" auf dem Theaterplatz

Denn bereits jetzt, merkte ein Teilnehmer trocken an, sei abends auf dem Theaterplatz "tote Hose". Toter als tot präsentierte sich den Spaziergängern sodann die "Arkadia-Passage", wo leer stehende Geschäfte viel Raum für Fantasie lassen. "Es ist sehr schade, dass aus dem Elektronikmarkt nichts geworden ist", sagte Hauschild.

Nach Ansicht der FDP sollen die Bürger an der Zukunftsgestaltung mehr beteiligt werden: "Wie will ich Bad Godesberg 2030 erleben?" - das müsse die zentrale Frage eines Masterplans für Innenstadt und Villenviertel sein, den die Liberalen gern als mehrjährigen Prozess angestoßen sähen.