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Vorsicht im Netz: Wenn Pflaster die Privatsphäre schützen

Vorsicht im Netz : Wenn Pflaster die Privatsphäre schützen

Beim Online-Bootcamp lernen Schülerinnen anhand eines Live-Hacking, was mit ihren Daten passieren kann.

Vor der Leinwand stehen keine Lehrer und auch keine Professoren. Heute erzählen die Bonner Informatik-Studenten Thomas Trimborn und Rene Neff, die am Fraunhofer-Institut zum Thema Cybersicherheit arbeiten, rund 30 Schülerinnen der Gertrud-Bäumer-Realschule, was man tun kann, "um die Bösen abzuwehren". Die Bösen sind die Hacker, die es auf den heimischen PC, das Tablet oder das Smartphone abgesehen haben - oder vielmehr die lukrativen Daten, die sich dort befinden.

Welche Rolle spielt dabei der Router? Was steckt eigentlich hinter einer IP-Adresse, und wie kommen die Daten über den Server? Die Neuntklässlerinnen lauschen aufmerksam und werden immer neugieriger, als es um die vielen Sicherheitslücken geht.

Einige der Mädchen reiben sich erschrocken die Augen und seufzen, als Trimborn und Neff vorführen, wie sie sich mit nur wenigen Klicks und kleinen Manipulationen Zugang zu einem anderen Rechner verschaffen. "Das kann auch der Nachbarsjunge von nebenan", warnt Neff.

Damit kommen nicht nur Fotos und Nachrichten in fremde Hände, die überwachten Login-Daten verursachen oft den größten Schaden. Auch das Mithören über das Mikro oder Ausspähen via Webcam ist möglich.

Dem haben zumindest einige der Teilnehmerinnen des Workshops auch bisher schon entgegengewirkt: "Ich hatte lange Zeit ein Pflaster auf meiner Frontkamera", erzählt die 14-jährige Elisa-Marie.

Auch ihre Schulkameradin Vanessa Maria, 15, schützt sich so vor unbekannter Beobachtung. Sie ist dennoch erstaunt, wie viele Gefahren ihr beim Bootcamp im Friedrich-List-Berufskolleg aufgezeigt werden: "Ich hab' wirklich Angst, das was passiert." So geht es auch der ebenfalls 15-jährigen Chifa. "Es ist schon erschreckend, dass es so schnell gehen kann", sagt sie.

Ob Passwörter, Nachrichten, Fotos oder Links - alle wollen nun künftig noch viel vorsichtiger im Netz unterwegs sein. Denn die Schülerinnen berichten aus eigener Erfahrung von Mails und SMS mit mysteriösen Links sowie verlockenden Werbeangeboten, denen sie nicht widerstehen konnten und über die Viren und Trojaner auf ihren Geräten landeten.

Auch die Rechte von Fotos, die Facebook und WhatsApp etwa frei verwenden können, interessieren die Schülerinnen. Gerade die Sicherheitslücken bei dem Kurznachrichtendienst, vor allem in einem freiem W-Lan-Netz, seien gravierend. Die Studenten raten daher zu den weitaus sichereren Diensten Threema und Telegram.

"Das ist eine besondere Angelegenheit für die Mädchen", sagt Schulleiterin Hildegard Römmler. Zwar sei Medienerziehung in ihrer Schule Bestandteil des Unterrichts, aber nicht so kompakt. Hier könnten die Schülerinnen einmal mit IT-Experten das Thema unter die Lupe nehmen - noch dazu auf unterhaltsame Weise. Sie hätte gerne noch mehr Schülerinnen in das von der Initiative "BG 3000" ins Leben gerufene Bootcamp geschickt und hofft deshalb auf eine Fortsetzung in den kommenden Jahren.