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Aufwertung von Begräbnisflächen: Wie Bonner Friedhöfe zu Vogel-Oasen werden

Aufwertung von Begräbnisflächen : Wie Bonner Friedhöfe zu Vogel-Oasen werden

Die Biologische Station und der Landschaftsverband Rheinland werten ungenutzte Begräbnisflächen auf Bonner Friedhöfen auf. Das kommt vor allem der Tierwelt zugute.

Vielstimmiges Vogelgezwitscher begrüßt die knapp 20 Gäste auf dem Heiderhofer Waldfriedhof zur naturkundlichen Führung der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft. Peter Tröltzsch, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Station, informiert auf dem Weg durch die idyllisch gelegene, erstaunlich vielfältige Flora und Fauna über das neue Projekt „Lebensraum Friedhof“. In dessen Rahmen säen Naturschützer in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Rheinland Blühwiesen auf ungenutzten Friedhofsflächen – mit ungeahntem Ergebnis.

Seit Jahren tendiert die Bestattungskultur in Richtung weniger flächenintensive Urnenbestattungen. So bleiben ganze Grabfelder nach dem Auslaufen der Nutzungszeiträume frei. Auf solchen und auf einigen ohnehin nicht direkt für Bestattungen genutzten Flächen schaffen die Aktiven naturnahe Lebensräume. Das bietet Insekten, Kleintieren und Vögeln neuen Lebensraum. Am Tag der Führung beherrschen leuchtend rot blühende Mohnblumen das Bild. Für Friedhofsbesucher, die in diesen grünen Oasen der Stadt innere Einkehr, Ruhe und Gelegenheit zum Gedenken an die Verstorbenen suchen, ein natürlich-friedliches Bild.

 Vor dem Blühfeld auf dem Heiderhofer Waldfriedhof erläutert Peter Tröltzsch von der Biologischen Station Details zur neuen Gestaltung.
Vor dem Blühfeld auf dem Heiderhofer Waldfriedhof erläutert Peter Tröltzsch von der Biologischen Station Details zur neuen Gestaltung. Foto: Petra Reuter

„Im nächsten Jahr wird es hauptsächlich Purpur geben“, kündigte Tröltzsch an, weil dann voraussichtlich überwiegend Wiesenflockenblumen blühen werden. Weil das Saatgut Pflanzen mit einjährigem Lebensrhythmus neben solchen mit zweijährigem Zyklus enthält, hat mal die eine Sorte, mal die andere die Oberhand. Wer genauer hinschaut, entdeckt zwischen den auffallenden Blütenblättern der überwiegenden Art noch weit mehr insektenfreundliche Gewächse. Die gemeine Lichtnelke ist für Nützlinge wie Wildbienen, Schwebfliegen und Co ebenso interessant wie das weiße Labkraut, der Klee und die weiteren, eher unauffällig blühenden Gewächse der Wiese.

Insekten und Vögel profitieren

Wo die Insektenwelt profitiert, da finden auch Vögel wieder mehr Nahrung, erklärt Tröltzsch. Ein wichtiger Beitrag vor allem, weil viele heimische Vogelarten zusehends in ihrem Bestand bedroht sind. Bisher ist die Einsaat von etwa drei Hektar auf 15 der insgesamt rund 40 Friedhöfe der Stadt geplant. Fänden, so der Wunsch der Naturschützer, auf allen Ruhestätten wieder mehr natürliche Grünbewohner einen Platz, könnten die naturnah gestalteten Flächen eine Trittsteinfunktion erfüllen, so Tröltzsch. Dann lägen die Flächen nämlich dicht genug aneinander, um vielen Arten die Futtersuche oder dem Nachwuchs das Übersiedeln auf den Nachbarfriedhof zu ermöglichen.

Den bisherigen Erfolg ermöglichte nicht nur der Einsatz der Projektbeteiligten. Auch Friedhofsmitarbeiter und -meister haben zum Teil die Vorteile erkannt und engagieren sich mit Blühflächen und Nisthilfen für Insekten, Vögel und Fledermäuse. Die Besucher indes sind begeistert vom angenehmen Erscheiungsbild und davon, dass sich mittlerweile selten gewordene Vögel wie der Grauschnepper sowie verschiedene Specht- und Eulenarten hier wieder wohlfühlen.