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Deutsches Museum an der Ahrstraße: Wie Donald Duck ein Patent verhinderte

Deutsches Museum an der Ahrstraße : Wie Donald Duck ein Patent verhinderte

Wunderliche Geschichten gibt es bei den regelmäßigen Führung mit dem Namen "Exponate a la carte" im Deutschen Museum in der Ahrstraße gleich mit. So wie diese: Donald Duck hebelt deutsche Industrie aus.

1964 ging vor Kuwait ein mit 5000 Schafen beladenes Schiff auf Grund. Da genau aus diesem Hafenbecken Kuwait sein Trinkwasser gewann, riefen die Behörden einen weltweiten Ideenwettbewerb aus, um das Schiff so rasch wie möglich bergen zu lassen. Hierauf meldete sich ein dänischer Ingenieur mit dem Vorschlag, das Schiff mit Styropor zu füllen. Styropor war ein Zufallsprodukt und unbeliebt, weil es damals ein kaum verwendbarer polymerer Werkstoff der BASF war. Die Idee kam zum Tragen, die Auftriebskraft des Materials brachte das Schiff in kürzester Zeit an die Oberfläche. Doch der Versuch, dieses erfolgreiche Verfahren zu patentieren, scheiterte, da Donald Duck bereits 1949 in einer Komikserie mit dem gleichen Verfahren, jedoch mit Tennisbällen, ein gekentertes Segelboot barg.

Dieses und noch viel mehr, darunter die gesamte Entwicklungsgeschichte des Airbags oder der Videokapsel, die geschluckt und ausgespien Magen, Speiseröhre oder Darm fotografiert und unangenehme endoskopische Untersuchungen ersetzt, die Grundlagen der Nanotechnologie und ihre Anwendungsmöglichkeiten in allen Bereichen des täglichen Lebens, die Entdeckung des Lotuseffekts und seinen Weg in unsere Kosmetik und Küchen, erfährt und sieht man bei der Fünf-Sterne-Führung.

"Es ist ein Museum für die gesamte Familie", erklärt Stefan Saure, Mitarbeiter des Museums. Tatsächlich ist jedes Alter präsent. Die Kleinsten basteln mit Fischer-TiP, die Größeren "konstruieren nach Leonardo" (da Vinci) mit Fischer Technik. Väter und Mütter schlendern zwischen den gut 100 Exponaten, alle aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, lesen Infotafeln, schauen Videos oder lauschen den Erklärungen.

Vieles ist kindgerecht, wie das Führen eines Balles mit Hilfe eines Luftstromes, für Jugendliche geeignet, wie das Nachbauen von Molekülen an einem großen, sechseckigen Holztisch, und für Erwachsene hochinteressant, wie die Information über die Festlegung der Maximaldauer einer CD damals, zu Beginn der 80-erJahre. Auf Drängen des Sonyvorstandes, einem Beethovenliebhaber, sollte eine CD die Neunte Symphonie wiedergeben können. So ermittelte man die unterschiedlichen Spielzeiten: Karajan schaffte es in 66 Minuten, Furtwängler benötigte 74. Infolgedessen wurde die maximale Spieldauer einer CD auf 74 Minuten festgelegt.

Das Museum vergegenwärtigt die bedeutende Rolle Deutschlands in der Grundlagenforschung und der Technologieentwicklung: Es fallen Namen wie Fraunhofer Gesellschaft, Forschungszentrum Jülich, Bayer oder BASF, Arthur Fischer, Fritz Grundig, aber auch vieler Bonner Namen, darunter Heinrich Hertz, August Argelander, Wolfgang Paul, August Kekulé, was zeigt, welch wichtigen Beitrag Bonn in den Naturwissenschaften geleistet hat. "Deutschland ist ein rohstoffarmes Land, deshalb ist sein Potenzial, sein Schatz, das, was in den Köpfen seiner Menschen steckt", sagt Saure abschließend. Besonders traurig: Das Museum soll 2017 aus Spargründen geschlossen werden.

Es finden regelmäßig Führungen statt, samstags ab 15 Uhr, sonntags 11 und 15 Uhr. Es gibt auch Führungen nach Vereinbarung. Für Schulklassen werden Workshops zu entsprechenden Lerninhalten geboten. Darüber hinaus können Haupt- und Gesamtschüler hier einen Laborführerschein machen, der eine Zusatzqualifikation darstellt. Deutsches Museum, Ahrstraße 45, 53175 Bonn, 0228/302255.