Angebot in Bad Godesberg „Wir sind zu einer großen Suppenhimmel-Community geworden“

Bad Godesberg · Am Bundesbüdchen wurde Suppe für den Bad Godesberger Suppenhimmel verkauft. Nach acht Jahren ist das Projekt für viele Menschen auch ein Ort der Begegnung.

 Ursula Kowalski verteilt Suppe am Bundesbüdchen.

Ursula Kowalski verteilt Suppe am Bundesbüdchen.

Foto: Christine Bähr

„Möchten Sie eine Suppe haben?“, fragte Ursula Kowalski und lächelte den Mann vor sich herzlich an. Zu diversen Foodtrucks und dem im Bundesbüdchen ansässigen Bäcker gesellten sich am Donnerstag auch Ehrenamtliche des Bad Godesberger Suppenhimmels an die Heussallee. Zusammen mit dem Förderverein historischer Verkaufspavillon verkauften sie Gemüsesuppe mit Hühnchen an die Mitarbeitenden der ansässigen Büros. „Das Bundesbüdchen war schon immer ein Ort der Begegnung“, sagte Johanna Bittner-Kelber (71 Jahre), Vorstandsmitglied des Fördervereins. „Es ist gut, dabei auch mal auf Menschen hinzuweisen, denen es finanziell nicht so gut geht.“

Gegründet haben den Suppenhimmel vor acht Jahren in Bad Godesberg der damalige Pfarrer und spätere Stadtdechant Wolfgang Picken und die Inhaberin der Godesburg Marion Hauck, erzählte Manfred Wüllner (77 Jahre), der sich seitdem für das Projekt engagiert. „Ihnen war aufgefallen, dass es in Bad Godesberg noch immer zu viele Menschen gibt, die kein Geld haben, um sich etwas zu kaufen.“ Der Suppenhimmel versorge sie von Montag bis Samstag mit Lunchpaketen: „Sie bekommen von uns einige geschmierte Brote, Obst und Gemüse. Mitunter verteilen wir auch Kleidung.“ Mittwochs und samstags gebe es zudem Suppe von der Godesburg sowie vom Rheinhotel Dreesen. Einige Lebensmittel erhält der Suppenhimmel laut Wüllner als Spenden, andere kaufen die Ehrenamtlichen. „Wir brauchen natürlich Geld, um das zu finanzieren.“

An Samstagen bis zu 120 Leute

Mittlerweile seien ungefähr 50 bis 60 Menschen ehrenamtlich für den Suppenhimmel tätig. Zu ihnen gehört auch Ursula Kowalski. Sie ist seit einem knappen Jahr dabei. „Da ich nun Rentnerin bin, habe ich Zeit, mich zu engagieren“, berichtete die 68-Jährige. Für den Suppenhimmel habe sie sich intuitiv entschieden. „Man kann damit wirklich den Bedürftigen helfen. Außerdem sind alle Leute sehr nett.“ Die Gruppe der Ehrenamtlichen sei recht heterogen, erzählte Wüllner. Der jüngste von ihnen sei 24 Jahre, der älteste 85 Jahre alt. „Dabei sind wir uns in einem einig: Wir wollen helfen.“

Mittlerweile finde der Suppenhimmel großen Anklang. „Wir haben damals mit 30 oder 40 Gästen pro Tag angefangen, mittlerweile kommen an Samstagen rund 120 Leute zu uns“, sagte Wüllner. Unter der Woche seien es je nach Wetterlage immerhin 70 bis 90 Menschen. Schätzungsweise 30 von ihnen seien obdachlos, hätten sehr wenig Geld. „Sie finden sonst nur wenig Beachtung in der Gesellschaft.“ Aktuell kämen auch viele – rund drei Viertel der Gäste – aus der Ukraine: „Die sind teilweise früher da, um sich mit ihren Landsleuten zu treffen.“ Auch wenn es teilweise Verständigungsprobleme gebe, sei das Verhältnis mit den ukrainischen Gästen ein sehr gutes, betonte Wüllner. „Wir sind damit zu einer großen Suppenhimmel-Community geworden.“ Auch der im Januar verstorbene Picken habe den Suppenhimmel als Begegnungsstätte gesehen. „Egal, ob sie deutsch oder ukrainisch sind – wir wollen den Gästen mit Herzlichkeit begegnen“, sagte Wüllner. „Wir möchten ihnen zeigen: Wir sind froh, dass ihr kommt. Kommt immer wieder.“

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