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Interview Jérôme Lefèvre: Wohin mit dem vielen Laub ?

Interview Jérôme Lefèvre : Wohin mit dem vielen Laub ?

Das Thema Laub und Entsorgung beschäftigt viele Bürger. Kürzlich entzündeten sich Diskussionen um den Fall eines Mehlemers, der Bonnorange-Mitarbeiter anlässlich einer Biomüllabfuhr gebeten hatte, wegen des vielen Laubs seine Tonne ein zweites Mal leeren zu dürfen. Die Müllwerker verweigerten das und bekamen Rückendeckung von der Bonnorange-Führung. Mit Blick auf die Kosten könnte Laub nur in kleinen Mengen über die Biotonne entsorgt werden, hieß es aus der Zentrale und gab den Tipp zum Kompostieren. Axel Vogel fragte Jérôme Lefèvre, Sprecher von Bonnorange, ob und wie sich die Beseitigung von Laubabfall zukünftig bürgernäher gestalten lässt.

Herr Lefèvre, wie hat sich das Laubabfall-Aufkommen in den letzten Jahren entwickelt?

Jérôme Lefèvre: Das kann man so einfach nicht beantworten, weil wir das Laubaufkommen dann getrennt von anderen Grünabfällen erheben müssten. Es gibt aber ungefähre Zahlen aus der Stadtreinigung: Dort hat jede und jeder der rund 140 Mitarbeiter 2019 in der Laubzeit 5,6 Tonnen Laub, also das Gewicht eines afrikanischen Elefanten, beseitigt. Dabei handelt es sich um Laub, das im Zuge der Straßenreinigung aufgesammelt wurde und dann kompostiert werden konnte, weil es so gut wie keine Verunreinigungen enthielt. Deswegen wurde es getrennt vom Straßenkehricht behandelt und nicht der thermischen Verwertung, also der Verbrennung zugeführt.

Wenn Sie nur die Grünabfälle insgesamt erheben, sind diese dann mehr geworden?

Lefévre: Nein, sie sind sogar leicht rückläufig: Beim Grünabfall waren es laut Abfallbilanz im Jahr 2014 noch 15 296 Tonnen und 2019 nur noch 14 059 Tonnen. Beim Bioabfall über die braune Tonne ging die Menge ebenfalls zurück, von 16 713 Tonnen im Jahr 2014, auf 15 828 Tonnen im vergangenen Jahr.

Trotzdem fühlt sich mancher Hausbesitzer mit der Entsorgung überfordert. Spiegelt sich das auch in den Beschwerden bei Ihnen wider?

Lefévre: Wir haben unseren Service verbessert, und so kann unser Kundenservice auch keine Steigerung von Beschwerden über einen längeren Zeitraum hinweg verzeichnen. Wir bieten ein breites Service-Angebot für die Bürger, damit sie ihr Laub ohne zusätzliche Gebühren der Entsorgung zuführen können. Im Zuge unseres Grünschnittkonzepts arbeiten wir daran, das Abladen von losem oder mit verrottbaren Schnüren gebündeltem Grüngut für die Bonner komfortabler zu machen. An unserer qualifizierten Grünannahmestelle in Ückesdorf können  Grünabfälle einfach in der Schüttbox aus Legiosteinen abgelegt werden, sodass der Einwurf der teils schweren Grünschnitt-Bündelungen über Stufen an den Containern entfällt.

Es gibt ja zudem immer wieder Beschwerden über die Situation an der oft überfüllten Grünmüllstation am Mehlemer Friedhof.

Lefévre: Diese Beschwerden sind uns bekannt. Daher plant Bonnorange auch hier in Mehlem als Nächstes den Aufbau einer qualifizierten Grünannahmestelle.

Was soll dadurch verbessert werden?

Lefévre: Das Konzept der qualifizierten Grünannahmestellen hat drei zentrale Vorteile: Die ebenerdige befestigte Fläche erleichtert das Abladen von Grünabfällen deutlich, der Bereich für die Anlieferung ist optisch vom Friedhof getrennt, sodass das Erscheinungsbild der Friedhöfe insbesondere nach Wochenenden in den grünschnittreichen Monaten nicht mehr in Mitleidenschaft gezogen wird. Weil ein Mitarbeiter von Bonnorange vor Ort ist, wird auch Grünschnitt nicht mehr wahllos neben die Container gekippt, wenn die Aufnahmekapazitäten der Container erschöpft ist, oder anderer wilder Müll dort abgeladen.

Unter welcher Voraussetzung wäre eine zusätzliche Laubabfuhr denkbar?

Lefévre: Wir beobachten die Situation in Bonn und Alternativen, die in der Branche erprobt werden, genau, um einen optimalen Service zu bieten. Dabei ziehen wir auch eine zusätzliche Laubabfuhr in Betracht, deren unterschiedliche Verfahren wir aber noch nicht abschließend bewertet haben. Wir sind gerade dabei, verschiedene Angebote nach ihren Auswirkungen auf das Klima zu vergleichen und wägen dabei zum Beispiel ab, ob ein Holservice als klimafreundlicheres Verfahren auch für Bonn eine Lösung sein könnte.

Bonnorange  rät in Sachen Selbsthilfe zur eigenen Kompostierung: Mancher Hausbesitzer dürfte sich überfordert fühlen. Wie schwierig ist das Selbst-Kompostieren?

Lefévre: Die Eigenkompostierung ist aufwendig und wird häufig unterschätzt. Deswegen bieten wir die kostenlose Kompostberatung an, um zum Beispiel darüber zu informieren, dass Kompostieren nur dort sinnvoll ist, wo der Kompost auf größeren Flächen auch wiederverwertet werden kann. Klassischerweise sind das Gemüsegärten. Wem das Kompostieren zu aufwendig ist, kann das aber auch den Profis überlassen oder stattdessen einfach einen Laubhaufen im Garten anlegen. Dieser kann Insekten und Kleintieren im Winter als Heimat dienen, und das ist auch ein wertvoller Beitrag zum Umweltschutz. Interessierte können sich auf unserer Webseite informieren und sich an unseren Kundenservice wenden, um eine kostenlose individuelle Kompostberatung von geschulten Kompostberatern zu erhalten.

Perspektivisch gesehen ist es angesichts des Klimawandels und immer heißerer Sommer möglich, dass es in Bonn mehr Bäume als Schattenspender geben wird? Ist ihr Unternehmen auf diese Entwicklung vorbereitet?

Lefévre: Der Klimawandel stellt unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. Gemeinsam mit der Stadt werden wir die Klimaziele erfüllen. Dafür sind wir bereits jetzt gut aufgestellt. Wir beziehen den CO²-Fußabdruck in unsere Entscheidungen ein, um ökologisch zu handeln. Unser Abfallwirtschaftskonzept beabsichtigt eine nachhaltige Ausrichtung der Abfallwirtschaft und unsere öffentlichkeitswirksamen Kampagnen legen den Fokus auf den Ressourcenschutz.