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Bad Godesberg: Zehn Jahre Bunter Kreis Bonn-Ahr-Rhein-Sieg

Bad Godesberg : Zehn Jahre Bunter Kreis Bonn-Ahr-Rhein-Sieg

Womit lässt sich kindgerecht eine Blutprobe zusammenbauen, die der Erbauer anschließend im Wortsinne "vernaschen" kann? Mit der Frage beschäftigte sich am Sonntag Nick in der Redoute in Bad Godesberg.

Unter fachkundiger Beratung von Wilma Dubois, Leiterin des Projektes "Blut Zuckersüß" des Bunten Kreises Bonn-Ahr-Rhein-Sieg fand der Sechsjährige heraus: Man nehme Dekorkonfetti als Ersatzstoff für Blutplättchen, die bei der Blutgerinnung eine Rolle spielen, und vermische sie mit Marshmallows, die die weißen Blutkörperchen symbolisieren sollen. Zum zehnten Geburtstag des Bunten Kreises gab es ein Familienfest.

Nick lernte auch: Die weißen Blutkörperchen sind für die Abwehrkräfte des Körpers zuständig. Man gebe dann sauerstoffreiche, rote Blutkörperchen in Gestalt von Gummibären hinzu, vermische alles mit Ahornsirup, was als Plasma herhalten musste, und fertig ist Blutprobe. Freilich nutzte der Bunte Kreis die lehrreiche Unterhaltung vor allem, um die Eltern der Kinder über den ernsten Inhalt seiner Arbeit zu informieren.

Wer die Redoute betrat, konnte den Eindruck gewinnen: Bei dem Verein stehen Spiel und Spaß im Vordergrund. Denn angesichts von Glücksrad und Kistenklettern wurde denn auch Inka Orth oft mit dem Missverständnis eines "Kinderbelustigungsvereins" konfrontiert. "Weit gefehlt", sagte die Vorstandsvorsitzende: "Stattdessen leisten wir wichtige Arbeit, die aber viele nicht sehen." Daher habe man auf dem Familientag auch solche Übungen wie das spielerische Zusammenbauen einer Blutprobe dazu genutzt, um mit Eltern ins Gespräch zu kommen.

Es gehe um ein ernstes Anliegen: Der vor zehn Jahren gegründete Verein betreut chronisch- und schwer kranke Kinder und Jugendliche sowie Früh- und Risikogeborene mit ihren Familien. Dabei stehen Betreute im Fokus, denen es an eigenem Geld fehlt. 2012 wurden nach Aussage von Inka Orth rund 130 Familien betreut, davon allein 70 mit einem Frühgeborenen. "Die Zahlen der Familien mit Frühgeborenen sind steigend, auch weil Frauen immer später ein Kind bekommen."

Als seine Aufgabe versteht es der Verein, "Betroffene auf ihrem oft jahrelangen Weg von der Erkrankung bis zur Genesung zu unterstützen", so Orth. Zudem helfe man ihnen, mit der chronischen Erkrankung oder Behinderung zu leben. So will der Bunte Kreis betroffenen Familien nicht nur während des Aufenthalts im Krankenhaus zur Seite stehen. "Vor allem brauchen Familien zu Hause einen Helfer, um anzukommen." Dort gebe es keine 24-Stunden-Betreuung mehr. Auch wolle man bei die Suche nach Ansprechpartnern unterstützen.

Zur Vereinsarbeit gehören Projekte wie "Blut Zuckersüß". Damit will Projektleiterin Wilma Dubois nicht nur Kinder und ihre Familien unterstützen, mit Diabetes und ihren Folgen zu leben. Auch sei geplant, Kitas und Schulen für den Umgang mit an Diabetes erkrankten Kindern zu sensibilisieren und Ausgrenzungen zu vermeiden. Hintergrund ist: Wissenschaftliche Untersuchungen haben laut Inka Orth ergeben, "dass die Erkrankung bei Kindern im Kindergartenalter um 80 Prozent zugenommen hat".