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Schlusslicht innerhalb Bonns: Zu wenig barrierefreie Bushaltestellen in Bad Godesberg

Schlusslicht innerhalb Bonns : Zu wenig barrierefreie Bushaltestellen in Bad Godesberg

Von etwa 1000 Haltestellen auf Bonner Stadtgebiet sind 41,5 Prozent barrierefrei ausgebaut. Was den Bürger Bund Bonn, der die Verwaltung danach gefragt hatte, sehr ärgert: Bad Godesberg als zweitgrößter Stadtbezirk steht schlecht da.

Im Bonner Stadtgebiet gab es Ende 2021 etwa 500 Bushaltestellen mit circa 1000 Haltepunkten. Von diesen waren circa 41,5 Prozent barrierefrei ausgebaut, wie die Bonner Stadtverwaltung schon im Dezember für eine Große Anfrage des Bürger Bund Bonn (BBB) eruierte. Nach Vertagungen geht die Vorlage derzeit durch die Gremien. Bricht man die Zahlen herunter auf die einzelnen Stadtbezirke, zeigt sich, dass Bonn bei den bereits umgerüsteten Haltestellen auf Platz eins liegt (46,8 Prozent), gefolgt von Beuel (44,6), Hardtberg (36,8) und Bad Godesberg (30,6).

Für den BBB eine nicht gerechtfertigte Reihenfolge. „Auch bei dem barrierefreien Ausbau von Bushaltestellen zeigt sich erneut die Vernachlässigung und Geringschätzung von Bad Godesberg“, beklagt Stadtverordneter Johannes Schott. Der zweitgrößte Stadtbezirk werde stiefmütterlich behandelt und geradezu „abgewickelt“. Im Vergleich zu Bonn und Beuel bilde Bad Godesberg nicht nur bei den ausgebauten Haltestopps das Schlusslicht, sondern auch bei denen, die trotz einer Aufnahme in die Prioritätsstufe 2 nur teilweise barrierefrei umgebaut seien.

50.000 Euro pro Haltestelle

„Selbst in absoluten Zahlen wird deutlich, dass Beuel mit rund halb so viel Einwohnern bei fast gleicher Anzahl Haltepunkten deutlich mehr barrierefrei umgebaute Bushaltestellen besitzt“, ärgert sich Schott. Seit 2021 sind jährlich eine Million Euro in den Haushalt eingestellt, die durchschnittlichen Kosten für den barrierefreien Umbau eines Haltepunktes liegen laut Vorlage bei circa 50.000 Euro. Der Nahverkehr Rheinland (NVR) gewährt allerdings Zuschüsse.

Laut Vorlage hatte der Zweckverband seine Zustimmung zum vorzeitigen Baubeginn für 20 Bussteige gegeben. „Die Förderung setzt den Baubeginn bis zum 04.03.2022 voraus“, hieß es. Zumindest an der Haltestelle Gutenbergallee auf der Konstantinstraße stadtauswärts war am Mittwoch von Bautätigkeit nichts zu sehen. Sie ist neben den Stopps „Mehlem Bahnhof“ in eben jener Prioritätenliste als nächstes genannt. Laut Stadt soll es aber dieses Jahr losgehen.

Sachbearbeiter sind stark belastet

Hier könnte aber greifen, was die Verwaltung etwas verklausuliert wiedergibt: Dass nämlich die Sachbearbeiter wegen der hohen Belastung durch prioritäre Projekte der Angebotsausweitung im ÖPNV den Nahverkehrsplan noch nicht angepasst hätten. Demnach gelten Fristen zum Beispiel nicht, wenn je Linie in jedem Ortsteil eine Haltestelle barrierefrei ausgebaut ist; allerdings muss der Rat das absegnen.

Welche Haltestellen aus dem älteren Teil der Prioritätenliste 2 schon angepackt worden seien, hatte der BBB ebenfalls wissen wollen. Das sind im Stadtbezirk: Bad Godesberg Bahnhof/Löbestraße, Koblenzer Straße, Stadthalle, Dreholzstraße, Gunterstraße sowie teilweise Kastanienweg, Mehlem Bahnhof, Mehlem Friedhof, Hindenburgallee, Plittersdorf Mitte, Tannenallee und Waldburgstraße.

Haltestellen an Heimen oder Kliniken besitzen Priorität

„Für einen möglichst effektiven Ressourceneinsatz wurden Haltestellen, an denen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit mobilitätseingeschränkte Personen ein- oder aussteigen, z. B. in der Nähe von Krankenhäusern, Altenheimen, Behindertenwerkstätten oder Friedhöfen, ausgewählt“, teilte die Verwaltung zur Entscheidungsfindung mit. Generell sei es aber so, dass aufgrund der in den Niederflurbussen vorhandenen Klapprampen und der Kneeling-Funktion (Absenken der Einstiegsseite) ein barrierefreier Ein- und Ausstieg im gesamten Stadtgebiet möglich sei – egal welchen Zustand die Haltestelle habe. 242 gibt es übrigens in ganz Bad Godesberg, 74 sind komplett fertig.