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Analyse zur Kommunalwahl: Zukunft der Bad Godesberger Stadthalle bleibt ungewiss

Analyse zur Kommunalwahl : Zukunft der Bad Godesberger Stadthalle bleibt ungewiss

Welchen Teilen der Godesberger Tagungsstätte der Abriss droht, wird sich in der nächsten Wahlperiode entscheiden. Auch ob die Musikschule saniert wird und es Hoffnung für den Amerikanische Club gibt, liegt in den Händen der neu gewählten Gremien.

Die Kommunalwahl steht kurz bevor, einige Punkte konnten in der alten Wahlperiode abgeschlossen werden, andere werden die dann teilweise neu besetzen Gremien auch nach dem 13. September beschäftigen. Wir geben einen Überblick über die Bad Godesberger Themen, allerdings ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

■ Stadthalle: Der große Saal der Stadthalle ist einsturzgefährdet, eine Sanierung scheint unmöglich. Das bestätigen zwei unterschiedliche Gutachten. Das denkmalgeschützte Ensemble ist daher zum Teil geschlossen, andere Teile wie der Trinkpavillon dürfen (wieder) genutzt werden. Ob ein Teil der Tagungsstätte saniert werden kann oder ob sie komplett abgerissen werden muss, das gilt es zu entscheiden. Ein Vorschlag der Verwaltung zur weiteren Vorgehensweise liegt noch nicht vor. Diesen werde man „insbesondere in Bezug auf die große Halle im Laufe des dritten Quartals machen“, teilte Stadtsprecherin Monika Hörig mit.

■ Kurfürstenbad: Es ist beschlossene Sache: Das seit 2016 geschlossene Kurfürstenbad wird abgerissen und neu gebaut. Bis es soweit ist, möchte der Verein Bürgerbad Kurfürstenbad das Objekt von der Stadt mieten und es für kulturelle Zwecke nutzen. Dies sei grundsätzlich möglich, sagt Hörig. Eine generelle Erlaubnis aber wird es nicht geben: „Einzelne Veranstaltungen können nach intensiver Prüfung stattfinden, eine regelmäßige Nutzung ist nicht möglich“, so die Stadtsprecherin. Übrigens: Die Arbeiten im Schwimmbad des Konrad-Adenauer-Gymnasiums, das 2018 wegen eines Defekts an der Filteranlage geschlossen worden ist, „laufen wie geplant und nach derzeitigem Stand kann voraussichtlich Ende des Jahres der Betrieb wieder aufgenommen werden“, sagt Hörig.

■ Bauvorhaben: Es gibt diverse (kontroverse) Bauvorhaben, die bereits in den Startlöchern stehen, bei denen es aber auch nach September 2020 noch Entscheidungen zu treffen gilt. Unter anderem betrifft das Arbeiten auf dem Gelände der ehemaligen jugoslawischen Botschaft an der Schlossallee, wo die „Schlosshöfe Mehlem“ nebst Vollsortimenter entstehen, so der Plan. Oder auch das Vorhaben auf dem Areal der Postbank an der Kennedyallee, auf dem 380 Wohneinheiten in unterschiedlichen Größen sowie Büroflächen und eine Kita gebaut werden sollen. Dagegen begehrt vor allem die Anlieger-Initiative Flussviertel auf. Auch eine umstrittene Maßnahme in Friesdorf wird die Gremien weiterhin beschäftigen: Zwischen Rüdesheimer und Eltviller Straße möchte der Investor 54 Wohneinheiten bauen. Dafür müssten Grünanlagen und Bäume weichen. Dagegen sprechen sich die Anwohner aus.

■ Musikschule: Das Gebäude der Musikschule ist in einem desolaten Zustand. So beschreiben es Personen, die die Einrichtung gut kennen, aber anonym bleiben wollen. Ob und in welchem Umfang die Häuser an der Kurfürstenallee 8 und 9 saniert werden, steht nach wie vor nicht fest. Die Politik fragt regelmäßig nach, Antworten aber liegen noch nicht vor. So wird die Entscheidung über die Zukunft des Musikschulgebäudes nach der Wahl fallen.

■ Bürgerdienste: Nach langen, massiven Protesten wollte die Stadt nach Ostern das Angebot in den Bezirksrathäusern wieder erweitern – so auch in Bad Godesberg. Der Plan konnte nicht umgesetzt werden, die Corona-Krise machte der Verwaltung einen Strich durch die Rechnung. Nun aber sieht es so aus, als würden die Bürgerämter in den Stadtbezirken im Spätsommer/Herbst, spätestens jedoch am 1. Dezember wieder eröffnen, teilt Hörig mit. Dann werde man in den Rathäusern wieder Termine anbieten, und zwar künftig von dienstags bis freitags. Dennoch ist man noch nicht am Ziel. Die Bad Godesberger nämlich möchten zum alten Standard zurück und wünschen sich eine Öffnung ihres Rathauses an fünf Tagen in der Woche. Die Kommunalpolitik ist also weiterhin gefragt.

■ Ansiedlung der Hochschule: Parteiübergreifend war man sich in der Vergangenheit einig, dass man gerne eine Dependance der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (HBRS) an der kurfürstlichen Zeile sehen würde. Auch das Land gab grünes Licht und finanziert den Cybersicherheits-Studiengang in einer dreijährigen Pilotphase mit sechs Millionen Euro. Allerdings ist das Geld „nur“ für die Lehre bestimmt, die somit an den bestehenden Standorten der HBRS angeboten wird. Dennoch sollte, so der allgemeine (politische) Wunsch, das Vorhaben weiter verfolgt werden. Man würde sich weiterhin freuen, wenn die HBRS an der Kurfürstlichen Zeile 2-3 unterkommen würde, so Hörig. Vorerst aber bleibe die Nutzung der Verwaltung vorbehalten. Bevor man ein Signal erhalte, wie es nach der Pilotphase 2023 weitergehen werde, bleibe alles so, wie es ist, sagte HBRS-Sprecherin Eva Tritschler. Nach der Wahl muss die Politik also ihrem Anliegen beim Land Nachdruck verleihen – oder sich von der Idee einer Ansiedlung der HBRS in Bad Godesberg verabschieden.

■ Amerikanischer Club: Der Amerikanische Club, der derzeit an die Bonn International School (BIS) verpachtet ist, verfällt zusehends. Der Schule aber fehlen die finanziellen Mittel, das historische Gebäude zu sanieren. Ihr Vorschlag, der von einigen Politikern aufgenommen wurde: Der Club wird aus dem Pachtvertrag mit der Vebowag herausgelöst und kann anderweitig genutzt werden. Noch gibt es dazu keine Entscheidung, das Thema wird die Politik also noch eine Weile beschäftigen.