1. Bonn

Bei Kinderarmut nicht wegschauen

Bei Kinderarmut nicht wegschauen

In Beuel leben rund 1 500 Kinder und Jugendliche von staatlicher Hilfe

Beuel. Eine unausgewogene Ernährung, beengte Wohnverhältnisse, eingeschränkte Freizeitmöglichkeiten und nicht zuletzt schlechtere Bildungschancen: Gerade für Kinder kann das Leben unterhalb der Armutsgrenze fatale Auswirkungen haben. Das gilt auch für Kinder aus Bonn.

Nachdem die Beueler SPD sich bereits im Dezember vergangenen Jahres intensiv mit der Thematik auseinander gesetzt hatte, traf man sich nun zu einem Vortrag von Klaus Kosack, Abteilungsleiter der Statistikstelle der Stadt Bonn, im Beueler Rathaus.

"Ihr habt den Finger auf die richtige Stelle gelegt"?, resümierte Kosack die Ergebnisse seiner Statistik, die vor allem belegt, dass Armut in Bonn auch ein Problem junger Leute ist. Während die Zahl der Kinder im Stadtbezirk Beuel generell abnehme, steige hingegen die Anzahl der Haushalte von Alleinerziehenden. ?In rund einem Viertel der Haushalte, in denen Kinder aufwachsen, lebt nur ein Erwachsener, so Kosack.

Auch wenn Bonns Brennpunkte in Sachen Armut und Arbeitslosigkeit nicht rechtsrheinisch angesiedelt sind, so gibt es auch in verschiedenen Beueler Arealen nicht zu übersehende Probleme. "In Beuel sind knapp 1 500 Kinder und Jugendliche auf staatliche Hilfen angewiesen", so Kosack. Holzlar nimmt dabei die traurige Rolle des Spitzenreiters ein.

Die Mittel, die Beziehern von sogenannten Transferleistungen für Kinder zur Verfügung stehen, sind alles andere als üppig. Wer Hartz IV-Empfänger ist oder Sozialhilfe bekommt, dem stehen pro Kind 120 Euro im Monat zur Verfügung, so Kosack. Das sind drei Euro pro Tag.

Die Gründe für die Konzentration von ärmeren Bürgern in bestimmten Stadtteilen sind nach Kosacks Ansicht leicht zu verstehen: Die Empfänger von Transferleistungen bekommen nur eine gewisse Wohnfläche bezahlt. Alles, was über 45 Quadratmeter hinausgehe, müsse aus eigener Tasche finanziert werden. Darum sind solche Familien um billigen Wohnraum bemüht.? Den finde man in Bonn vor allem in Medinghoven, Neu-Tannenbusch, Dransdorf und eben in Holzlar.

Auch wenn die Wohnungen hier billiger sind, sind sie noch lange nicht größer: Statistisch gesehen hat jeder Bonner Bürger im Schnitt eine Wohnfläche von 41 Quadratmetern zur Verfügung.

Bei Familien, die Hartz IV beziehen, seien es in der Regel nur 27 Quadratmeter. "Damit haben sich unsere Befürchtungen leider bestätigt", betonte Andreas Hartl, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Beuel. Sicherlich sei auch die Altersarmut ein schwerwiegendes Problem.

Doch Kinder stecken noch mitten in der Entwicklung und sind auf die Hilfe Erwachsener unbedingt angewiesen.

Die SPD Beuel will darum nun einen Antrag an den Unterbezirksparteitag stellen, damit Kinderarmut auch in Zukunft Beachtung findet.

"Es ist ja nicht so, dass momentan niemand etwas tut", so Andreas Hartl. Man müsse jedoch noch gezielter hinschauen und agieren als bisher.

"Besonders dramatisch ist die Lage für die Kinder unter drei Jahren", sagt Gisela Gebauer-Nehring. Tatsächlich nimmt nach Kosacks Angaben die Anzahl derer, die von Transferleistungen leben, ab einem Alter von drei Jahren wieder leicht ab.

Die Statistik belegt, dass Mütter wieder arbeiten gehen können, sobald ihre Kinder in den Kindergarten kommen.? Mehr Kita-Plätze für Unter-Dreijährige müssten her.

Neben Politik und Verwaltung gibt es auch viele andere Organisationen, die der Kinderarmut den Kampf angesagt haben. So kümmert sich der Verein Sterntaler bereits seit 1995 speziell um sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche in Bonn und Umgebung.

Auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat sich des Themas angenommen. So soll im Sommer 2010 eine Aktionswoche zur Bekämpfung von Kinderarmut ins Leben gerufen werden, auch in Bonn.