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Bernhard Spies: "So wird es nicht weiter gehen"

Bernhard Spies: "So wird es nicht weiter gehen"

Die Verhandlungen über eine neue Saison auf dem Museumsplatz sind gescheitert. Die Stadt Bonn prüft Alternativen.

Bonn. Bernhard Spies, Geschäftsführer der Bundeskunsthalle, übt sich noch in diplomatischer Zurückhaltung. Doch die Gewissheit verdichtet sich, dass das "Juli"-Konzert am vergangenen Freitag das letzte der Reihe der herkömmlichen Museumsplatzkonzerte war - wobei das Konzert mangels Nachfrage ins Brückenforum verlegt worden war.

Noch spricht Spies nicht von einem Aus, vielmehr verweist er auf noch laufende Verhandlungen mit der Stadt Bonn. Aber so viel ist klar: Die Verhandlungen mit potenziellen Betreibern der Museumsplatzkonzerte sind gescheitert. Die letzte Karte hält die Stadt Bonn.

"Wir sind auf einem guten Weg sicherzustellen, dass es auch weiterhin Open-Air-Konzerte für Rock- und Pop-Fans in Bonn geben wird", fasst Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch den derzeitigen Stand der Diskussion innerhalb der Stadtverwaltung zusammen.

Konzerte ja, aber in einer viel kleineren Dimension als bislang. Die Rede ist von einem kleineren, "auf Bonn zugeschnittenen Format", wie der Bonner Kulturdezernent Martin Schumacher sagt: "Zunächst einmal bin ich froh, dass auch die Bundeskunsthalle sicherstellen wird, dass es auf dem Museumsplatz weiterhin kleinere Veranstaltungen geben wird", sagte er nach einem weiteren Gespräch mit Spies.

Die Stadt sucht nicht nur nach einem neuen Format, auch alternative Veranstaltungsorte für größere Rock- und Popkonzerte stünden auf dem Prüfstand. Laut Schumacher habe die Verwaltung mehr als ein Dutzend Alternativen geprüft, nur wenige seien jedoch geeignet. Welche, darüber schweigt der Dezernent. Wiederholt war die Gronau ins Gespräch gebracht worden. Nicht nur KultEvent, der Betreiber der jetzt abgelaufenen Saison, hält das Areal für ungeeignet für einen Konzertbetrieb.

Der scheint in den Überlegungen der Stadt keine Rolle mehr zu spielen. Schumacher mit Blick auf den Museumsplatz: "Die Verwaltung wird der Politik vorschlagen, nicht als Veranstalter der Konzerte aufzutreten."

Bei den Verhandlungen mit potenziellen Betreibern sei man, so Spies, beiderseitig zu dem Schluss gekommen, dass die Publikumszahlen gegenwärtig schlecht sind und es unmöglich sei, das Niveau in absehbarer Zeit auf 100 000 Besucher pro Jahr zu bringen. Auf diese Zahl sei der Museumsplatz ausgelegt, nur in dieser Dimension sei eine betriebliche Nutzung sinnvoll. In dieser Saison kamen nur rund 43 000 Musikfans.

Zwei Tage nach dem letzten Konzert der Museumsplatz-Serie, das mangels Publikum ins Brückenforum verlegt worden war, zog die Bundeskunsthalle als Vermieterin des Platzes Bilanz. Die sieht sehr schlecht aus: So wurden 20 Prozent der geplanten Konzerte auf dem Museumsplatz aus Gründen mangelnden Besucherinteresses verlegt.

"Die durchschnittlich 16 stattfindenden Konzerte verteilen sich auf 100 bis 120 Tage, an denen der Platz betriebsbereit gehalten wird", heißt es in einer Presseerklärung. Nur zwei Konzerte haben, so die Bundeskunsthalle, "der Größe des Platzes Rechnung getragen": die Auftritte von "Unheilig" und "Zaz".

Die Zahl der Besucher sei seit 2005 um mehr als 85 Prozent zurückgegangen, rechnet Spies vor. "So wird es nicht weiter gehen", sagt Spies, "vielleicht sind die Konzerte doch nicht so populär." Sauer ist Spies auf die Betreiber von "KultEvent", die nicht nur 2011, sondern auch in der Vergangenheit ihren "vertraglichen Verpflichtungen nicht nachgekommen" seien.

Wie soll es weitergehen? Spies wünscht sich eine "Wiederbelebung des Platzes", eine "Kieswüste" mit gerade einmal 16 Konzerten sei nicht hinnehmbar. Vorerst steht die dringende Sanierung des Platzes an, die Spies gemeinsam mit einem neuen Betreiber finanzieren will. Der Bund hatte zumindest die Finanzierung des "Rückbaus" in Aussicht gestellt.

Es gebe Ideen, den Platz neu zu bespielen, sagt Spies, Details seien aber nicht spruchreif. Es spricht vieles dafür, dass die Bundeskunsthalle das Programm auf dem Museumsplatz selbst in die Hand nimmt. Doch auch das muss finanziert werden. "Ich hoffe, dass es bald Klarheit gibt", sagt Spies, "uns läuft die Zeit weg, wir müssen planen." Eine Klarheit hat er seit heute: Auf die Stadt Bonn wird er nicht zählen können, die hat nun eigene Pläne.