Betreuerin soll Kind eingeschlossen haben

Kollegen lehnen Zusammenarbeit ab

Bonn. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Martina H. (Name geändert) als Betreuerin in einer Wohngruppe für Kinder aus vorwiegend sozial benachteiligten Familien. Eine schwierige Aufgabe, bei der die 57-Jährige nach Auffassung ihres Arbeitgebers, ein Wohlfahrtsverband, immer öfter an ihre Grenzen stieß. Die Folge waren mehrere Abmahnungen, gegen die sie vor der vierten Kammer des Arbeitsgerichts klagt.

Einmal soll sie ein Kind, das die Stadt in Obhut genommen hatte, in einem Zimmer der Wohngruppe eingeschlossen haben, so eine Beschwerde anderer Pädagogen, die sich nach Angaben des Verbands-Anwalt zuletzt beinahe täglich über die ihrer Meinung nach völlig unfähige Kollegin bei der Heimleitung beschwerten. "Sie lehnen mittlerweile eine Zusammenarbeit ab", weiß der Anwalt.

Der Anwalt der Gegenseite kontert: Seine Mandantin werde seit Jahren gemobbt, mit Abmahnungen regelrecht bombardiert, ständig suche man nach etwas, das man ihr vorhalten könne. "Ich vermute, dass eine verhaltensbedingte Kündigung vorbereitet wird", sagt er. Aber rausschmeißen lassen wolle sich seine Mandantin nicht. Sie sei dringend auf den Arbeitsplatz angewiesen: Ihr Mann sei arbeitslos, und sie habe in ihrem Alter kaum Chancen auf eine andere Stelle.

Dann sei es wohl besser, wenn der Verband ihr eine andere Stelle anböte, meint der Richter. Nach telefonischer Rücksprache mit der Heimleitung erklärte der Verbandsanwalt: Sie könne höchstens einen Job in der Hauswirtschaft bekommen, wo sie bereits hin und wieder tätig gewesen sei.

In diesen "sauren Apfel" ist die Klägerin bereit zu beißen - wenn der Einkommensverlust nicht zu hoch ausfällt, sagt ihr Rechtsbeistand. Weil dazu der Anwalt der Beklagtenseite nichts sagen kann, wird der Prozess vertagt.

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