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Gebäude versetzt: 1850 wechselte die Georgskapelle in Ramersdorf die Rheinseite

Gebäude versetzt : 1850 wechselte die Georgskapelle in Ramersdorf die Rheinseite

Abgebaut, die Steine über den Rhein transportiert und wieder aufgebaut: Bis 1846 stand die Georgskapelle in Bonn-Ramersdorf - vier Jahre später wurde sie auf dem Alten Friedhof neu eingeweiht.

Die Hektik des Alltags wird hinter den dicken Backsteinmauern ausgesperrt. Draußen dröhnt der Straßenverkehr zwischen Bornheimer Straße und Cityring. Nur wenige Schritte davon entfernt herrscht friedvolle Ruhe: Äste wiegen sanft im Wind, Eichhörnchen spurten vorbei, das Vogelzwitschern übertönt jedes Motorengeräusch.

Mitten in diesem innerstädtischen Idyll steht die Georgskapelle. Ursprünglich war sie Teil der Deutschordenskommende Ramersdorf auf der anderen Rheinseite und diente den Konventmitgliedern jahrhundertelang als Gebetsraum, wie aus verschiedenen Quellen hervorgeht. Bei einem Brand im 19. Jahrhundert wurde sie allerdings schwer beschädigt und sollte abgerissen werden. Dass das kleine Gotteshaus heute noch existiert, ist allein der Hartnäckigkeit einiger einflussreicher Persönlichkeiten zu verdanken.

So setzten sich König Friedrich Wilhelm IV. und der preußische Bauinspektor Johann Claudius von Lassaulx für den Erhalt ein. Sie erreichten schließlich, dass das Gotteshaus auf den Alten Friedhof transloziert wird – also am alten Standort abgetragen und am neuen wieder aufgebaut wird. Der Abbruch in Ramersdorf war im Oktober 1846 beendet, und Stein für Stein wurde die Kapelle auf der anderen Rheinseite in mühevoller Handarbeit wieder aufgebaut. Dort wurde sie am 11. November 1850, also vor fast 170 Jahren, eingeweiht.

Heute gilt die Rettung der Georgskapelle als eines der spektakulären Ereignisse der Denkmalpflege im Rheinland in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach wie vor wird das Backsteingebäude auf dem Alten Friedhof jedoch mit seinem ursprünglichen Platz in Ramersdorf in Verbindung gebracht.

Ursprünglich war die Kapelle rechtsrheinisch Teil der Deutschordenskommende Ramersdorf. Foto: Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn

Ursprünglich wurde die Kapelle um 1230 als Teil der Kommende Ramersdorf errichtet. 1807 kam der Komplex als Folge der Säkularisation in Privatbesitz. Als die Kapelle bei einem Feuer 1842 erheblich beschädigt wurde, drohte der Abriss. Als neuer Eigentümer plante Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck 1844, die gesamte Anlage umzubauen. Da die Kapelle im Weg stand, beschloss er, sie abreißen zu lassen. Von einem Freund erfuhr der Architekt und Restaurator Johann Claudius von Lassaulx von diesem Vorhaben. Er wandte sich an den Eigentümer, um ihn auf den „besondern Werth des Bauwerks“ hinzuweisen. Nach hartnäckigem Intervenieren erreichte er schließlich, dass der Abbruch aufgeschoben wurde. Er inspizierte das Bauwerk und kalkulierte 1200 Taler für die notwendige Restaurierung. Als prominenter Unterstützer setzte sich der preußische König ebenfalls für den Erhalt des Kapellchens ein. Nach einigen Verhandlungen erreichte Lassaulx schließlich die Translozierung auf den Friedhof an der Bornheimer Straße. Diese Lösung war im Sinne der Behörden und der Bevölkerung, wie in alten Chroniken vermerkt ist. Vor allem Oberbürgermeister Karl Edmund Joseph Oppenhoff und der damalige Kurator der Universität Bonn, Moritz von Bethmann-Hollweg, hatten sich für diese Lösung stark gemacht.

Bis der Friedhof allerdings erstmals über eine kleine Trauerhalle verfügte, gab es noch einige Hürden zu überwinden. So explodierten auch bei diesem städtischen Bauvorhaben die Kosten und der Umzug der Kapelle wurde plötzlich mit 2800 Talern veranschlagt. Fast wäre das Projekt an der Finanzierung gescheitert. Nur mit Unterstützung der Stadt und der großen Spendenbereitschaft der Bonner wurde das Vorhaben am Ende realisiert.

Noch einmal kam es zu Verzögerungen, als in der Kapelle mittelalterliche Wandmalereien ausgemacht wurden. Oberbürgermeister Oppenhoff entdeckte bei einem Besuch auf der Baustelle im Gewölbe Umrisse von darunter liegenden Fresken. Durch das beschädigte Dach war Regen eingedrungen und hatte die Kalkübertünchung ausgewaschen. Oppenhoff zog den akademischen Zeichenlehrer Nicolaus Christian Hohe und Gottfried Kinkel zu Rate. Bei einer Besichtigung waren sich beide einig, dass „ein genaue Abcopirung in kunstgeschichtlichem Interesse liegen“ würde. Da die Zeit drängte und aufgrund der angespannten finanziellen Situation beauftragte der OB Christian Hohe damit, die Malereien aufzudecken und zu kopieren. Seine Kopien wurden dem preußischen König und dem Generaldirektor der Königlichen Museen in Berlin, Ignaz von Olfers, vorgelegt und in die Kunstsammlung der Königlichen Museen in Berlin aufgenommen. Die Originalmalerei waren nicht zu retten und wurden beim Abbruch zerstört.

Im Oktober 1846 war die Kapelle aus dem Ortsbild von Ramersdorf verschwunden und es folgte der Wiederaufbau auf dem Alten Friedhof. Heute wird die Georgskapelle für Trauerfeiern benutzt. Manchmal finden dort auch Musikveranstaltungen oder Lesungen statt.