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Patrick Liebegott aus Beuel: 22-Jähriger arbeitet trotz Hörbehinderung als Beikoch

Patrick Liebegott aus Beuel : 22-Jähriger arbeitet trotz Hörbehinderung als Beikoch

Manchmal reden seine Kollegen zu schnell. Dann kommt er nicht mehr mit. Meistens sagt er dann aber einfach kurz "Stopp" und hakt nach. Patrick Liebegott ist 22 Jahre alt und Beikoch. Er hat jedoch ein Handicap: Eine Hörbehinderung, die es ihm manchmal schwer macht, alles um sich herum mitzubekommen. Derzeit absolviert er eine dreimonatige Probebeschäftigung im Kameha Grand Hotel. "Es macht Spaß hier", sagt der Troisdorfer. Inzwischen habe er sich an sein Arbeitsumfeld gewöhnt, doch einfach sei es nicht immer. "Ich verstehe manchmal nicht alles."

Unterstützung bekommt Liebegott von der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg. Nachdem er sich dreimal vergeblich bei Restaurants in Troisdorf beworben hatte, konnte die Agentur ihm die Stelle im Kameha vermitteln. "Wir begleiten Jugendliche mit einer Behinderung oder Schwerbehinderung von der Schule bis in das Berufsleben", sagte Patrizia Schiochet, Leiterin des Teams für die Beratung und Vermittlung schwerbehinderter Menschen und Rehabilitanden in der Agentur für Arbeit.

Unterstützt werden allerdings nicht nur Jugendliche bei Jobsuche und Ausbildung, sondern auch Erwachsene. Zudem werden die Arbeitgeber auf ihre Arbeit mit Menschen mit Behinderung vorbereitet. Häufig sei es für behinderte Menschen schwerer, einen Job zu finden, weil die Arbeitgeber Ängste haben was Ausfälle und Belastbarkeit angehe, erklärt Schiochet. Die Probebeschäftigung sei dabei eine Möglichkeit, dass beide Seiten sich kennenlernen und diese Vorurteile ausgeräumt werden können.

Es gebe aber auch Arbeitgeber, die einen Menschen mit Behinderung ohne Probebeschäftigung einstellen. Liebegott absolvierte eine Ausbildung als Beikoch, inzwischen hat er seine drei Monate zur Probe im Kameha fast hinter sich gebracht. Zu seinen Aufgabenfeldern gehören das Zuarbeiten für die Köche oder die Vorbereitung des Frühstücks. Eine Vertragsverlängerung sei schon beschlossene Sache, berichtete Küchendirektor Jörg Stricker. "Er ist unwahrscheinlich engagiert und sehr zuverlässig." Liebegott bringe eine neue Atmosphäre in die Küche. "Das bewirkt bei den Köchen ein anderes Sozialverhalten."

Die Probebeschäftigung wird komplett von der Agentur für Arbeit finanziert, sollte es für Liebegott eine Weiterbeschäftigung geben, dann erhält das Hotel zudem weitere Zuschüsse. Für ihn sei es die Kreativität des Kochens, die ihn reize, so Liebegott. Er habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, Koch zu werden. Das kann er im Kameha nun erst einmal weiter verfolgen. Irgendwann möchte er aber gerne mit anderen Hörbehinderten zusammenarbeiten.