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Himalaya für Zuhause: 39-Jähriger aus Beuel koordiniert Hilfe für Nepal

Himalaya für Zuhause : 39-Jähriger aus Beuel koordiniert Hilfe für Nepal

Namgel Sherpa koordiniert in einem Bonner Verein Hilfsaktionen für Nepal. Er stammt aus dem Land im Himalaya und weiß genau, was dort am dringendsten benötigt wird.

Wenn Besucher die Türschwelle zu Namgel Sherpas Laden betreten, tauchen sie in eine andere Welt ein – zumindest scheint es so. Goldene Schalen und Statuen schimmern aus den Regalen. Viele bunte Taschen, Schals und T-Shirts sind überall verteilt. Auch Teekannen aus Kupfer und handgefertigte Kuscheltiere liegen in der Auslage. Seit einem Jahr verkauft Sherpa nun Produkte aus dem Himalaya.

Mit seinem Laden Himalayacrafts an der Friedrich-Breuer-Straße will der 39-Jährige Handwerksbetriebe in Nepal unterstützen. „Wir führen Unikate und traditionelle Handwerksprodukte wie Klang- und Meditationsschalen, Statuen, Gebetsfahnen, Textilien und Schmuck“, erzählt Sherpa. Hierbei seien umweltbewusste Stoffe ein wichtiger Faktor, wie er ausführt. „Die Kleidung und Taschen sind zum Beispiel aus Hanf-, Nessel- und Baumwollfasern.“

Bei der Auswahl setzt der Inhaber aber nicht nur auf die Umwelt, sondern auch auf Fairtrade-Produkte, um die nepalesischen Handwerker und Künstler unterstützen zu können. Einen Eindruck von den Produzenten verschaffe Sherpa sich auf regelmäßigen Reisen durch Ost-Nepal. „Ich besuche die Betriebe vor Ort und spreche mit den Familien und Menschen, die unsere Waren produzieren“, betont Sherpa.

Er ist Vorstand und Projektkoordinator für Nepal und Deutschland im Verein. Das schwere Erdbeben im Frühjahr 2015 in Nepal war der Auslöser für die Gründung des Vereins. Sherpa stammt aus dem Dorf Khiraule im Solukhumbu-Distrikt im Osten Nepals. Nach dem Schulbesuch folgte das Studium in Kathmandu. Seit 2001 lebt er in Bonn, hier absolvierte er eine Ausbildung zum Handelsfachwirt. 18 Jahre war er bei Globetrotter beschäftigt, seit einem Jahr ist er selbstständig. Zudem ist Sherpa ausgebildeter Bergwanderführer. Bei einer der Touren hatte er seine spätere Ehefrau, eine gebürtige Berlinerin, die schon lange in Bonn lebt, kennengelernt. Mit ihr war er nach Deutschland gekommen, beide haben ein Sohn.

Der direkte Kontakt in seine Heimat sei es auch, der ihn jetzt auf den Plan gerufen habe, denn auch in Nepal habe die Corona-Pandemie wirtschaftliche Folgen. „Seit drei Monaten gibt es einen sehr strengen Lockdown, ohne staatliche Unterstützung oder ein soziales Netz, was die Menschen auffängt“, berichtet Sherpa. Besonders betroffen seien die Einwohner größerer Städte wie zum Beispiel Kathmandu.

Sein Laden sei aber nur ein Teil der Aufbauarbeit, die geleistet werde, denn mit dem Verein Aktion Solukhumbu Nepalhilfe plant und gestaltet Sherpa in Nepal viele Projekte. Vor kurzem sei so ein Trinkwasserprojekt angelaufen, erzählt er. „In einer Region von Nepal wird eine neue Trinkwasseranlage installiert, die den Bewohner von Khiraule und in der Umgebung Zugang zu sauberem Wasser ermöglicht und gleichsam eine geregelte Abwasserentsorgung bietet.“

Gefördert werde das Projekt auch vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Aus drei verschiedenen Quellen soll hier Wasser gewonnen, gefiltert und in die Häuser und zu einem zentralen Punkt im Dorf geleitet werden. „Bei unseren Projekten legen wir einen besonderen Schwerpunkt auf die enge Zusammenarbeit mit den Dorfbewohnern“, sagt Sherpa. Nur so sei auch eine dauerhafte Instandhaltung der Bauten möglich. Damit das Trinkwasserprojekt aber fertig werden kann, sei der Verein noch auf Spenden angewiesen, so Sherpa. „Wir benötigen aktuell noch 35 000 Euro.“

Ein Landwirtschaftsprojekt verlaufe hingegen schon erfolgreich. „In Tunnelgewächshäusern werden unter anderen Kohlsorten, Paprika, Gurken und Tomaten angebaut“, erzählt Sherpa. Der Ernteüberschuss werde dann auf lokalen Wochenmärkten verkauft. Und der Anbau von verschiedenen Nuss- und Ostbäumen sei zurzeit in der Erprobungsphase. „Die Setzlinge sind gut gewachsen und haben bereits geblüht“, zieht Sherpa ein erstes Fazit.

Weitere Projekte sind in Planung: So will die Nepalhilfe den Bau eines Krankenhauses in der Region Mahakulung unterstützen, und auch der Bau eines buddhistischen Klosters in Khiraule werde finanziell unterstützt. Für kommende Projekte braucht die Nepalhilfe zudem Fachleute, sagt Sherpa. „Wir suchen Experten für die Bereiche Forstwirtschaft, Recycling und Abfallwirtschaft“, sagt Sherpa.

Weitere Informationen zum Verein gibt es auf der Internetseite www.nepalhilfe-bonn.de