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Rodungen im Combahnviertel: 80 Jahre alte Zedern am Friedhof in Beuel gefällt

Rodungen im Combahnviertel : 80 Jahre alte Zedern am Friedhof in Beuel gefällt

Die Stadt hat den Zustand von 80 Jahre alten Zedern am Pfarrfriedhof von Sankt Josef als mangelhaft bewertet und deshalb gefällt. Die Anwohner reagierten erschrocken. Dem Friedhof an der Combahnstraße steht eine weitere Umgestaltung vor.

Helle Aufregung am Montagmorgen im Beueler Combahnviertel: Um acht Uhr morgens schreckten Motorsägen Anwohner an Combahn- und Kreuzstraße auf – die Fällung der fünf Blaue-Atlas-Zedern auf dem Pfarrfriedhof von Sankt Josef hatte begonnen. „Das ist einfach erschütternd und furchtbar“, kommentierte Ruth Küpper, die an der Combahnstraße lebt, die Aktion. Dem stimmte auch Werner Janik-Mehlem aus Vilich zu: „Das ist eine Tragödie.“

Die Rodung hat jedoch nichts mit der seit längerem geplanten Verbreiterung der Sankt Augustiner Straße (B 56) zu tun. „Sie steht vielmehr in Zusammenhang mit der beabsichtigten Umgestaltung der Friedhofsfläche“, betonte Michael Kranz vom Kirchenvorstand. Die Zedern stehen schließlich nicht in direkter Nähe zur Friedhofsmauer, sondern in einem hinteren Bereich.

Noch am vergangenen Wochenende hatte Ruth Küpper versucht, durch eine Unterschriftenaktion vor dem Beueler Rathaus das Abholzen der etwa 80 Jahre alten Zedern mit einem Stammumfang von deutlich mehr als zwei Metern und einer Höhe von über 20 Metern zu verhindern. Rund 150 Unterschriften hatte sie innerhalb von wenigen Stunden gesammelt. „Die Bäume spenden nicht nur Schatten, sondern sie spenden auch Trost für Trauernde, die die Gräber ihrer Angehörigen besuchen“, erklärte sie. „Sie gaben dem Friedhof über Jahre hinweg ein Gesicht.“

Trotzdem änderte die Aktion nichts: Erst vor wenigen Wochen hatten die politischen Gremien die Genehmigung zur Fällung der Atlas-Zedern erteilt. Notwendig sei das, so teilte die Stadtverwaltung damals mit, weil bei einer Überprüfung festgestellt worden war, dass der Zustand der Bäume nur „ausreichend bis mangelhaft“ war. Die Kronen hatten kaum noch Nadeln, das Holz war spröde, immer wieder brachen Äste ab und gefährdeten so die Besucher. Die Fällung sei also ein Akt, um die Verkehrssicherung zu wahren.

Neue Familienstrukturen und eine veränderte Bestattungskultur machen sich mittlerweile auf allen Friedhöfen im Stadtgebiet bemerkbar. Da sich immer mehr Hinterbliebene für eine Urnen- und nicht nur eine Sargbestattung ihrer Angehörigen entscheiden, werden große Flächen nicht mehr genutzt und liegen brach. Seit fast drei Jahren versucht die Pfarrgemeinde Sankt Josef und Paulus durch verschiedene Maßnahmen den Friedhof an der Combahnstraße aufzuwerten. So soll die Wegführung innerhalb des Areals strukturiert, Bänke aufgestellt und eine bessere Beleuchtung installiert werden. Im Zusammenhang mit diesem Vorhaben wurden dann auch die Zedern auf ihren Zustand hin überprüft. „Wir werden selbstverständlich für alle gefällten Bäume Ersatzpflanzungen vornehmen. Es sollen zwölf neue Bäume gepflanzt werden“, versicherte Hans-Erich Thomé, Vorsitzender des Bauausschusses im Kirchenvorstand, bei einer Ortsbesichtigung Mitte September. „Dabei werden wir uns natürlich ganz genau nach den Vorgaben der Stadt richten“, ergänzte Michael Kranz gestern im GA-Gespräch.

Nach dem Zeitplan des Kirchenvorstandes soll im Anschluss an die Rodung mit der Umgestaltung begonnen werden. Ende 2019, spätestens Anfang 2020 sollen die Arbeiten, die mit einem niedrigen sechsstelligen Betrag kalkuliert werden, beendet sein. „Neupflanzungen sind für mich kein Ersatz für die prächtigen alten Zedern“, beklagt hingegen Ruth Küpper, die die Rodung der Bäume beobachten wird.