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Alaun-Geschichtsweg in Bonn-Beuel: Infotafeln sind wieder vollständig

Borkenkäfer in Beuel : Infotafeln auf dem Alaun-Geschichtsweg sind wieder vollständig

Eine Tafel auf dem Geschichtsweg im Ennert musste vorübergehend abgebaut werden. Nun kann man wieder die Geschichte der Alaun-Produktion in Beuel der Reihe nach abwandern.

„Die erste Industrieanlage im heutigen Bonn entstand vor über 200 Jahren im Gebiet zwischen den Dörfern Holtorf, Vinxel, Stieldorf und Hoholz“, erzählt Carl J. Bachem, Vorsitzender des Denkmal- und Geschichtsvereins Bonn-Rechtsrheinisch, bei einem Spaziergang im Ennert-Hardt. Der Grund für diese Industrialisierung: Braunkohle und Alaun. „Um 1800 wurde erkannt, dass in der Braunkohle und in mit ihr vermischten anderen Erden die Basisstoffe zur Erzeugung von Alaun vorkamen. Diese lagen in größerer Tiefe, was zum Untertage-Bergbau führte“, so Bachem. Auf der sogenannten Ennert-Hardt war die größte Alaun-Produktion im damaligen Staat Preußen angesiedelt. Das Salz war Grundstoff für die Papierherstellung, diente als Beize in Färbereien und wurde zum Blutstillen genutzt.

Um dieses heute nur mit reichlich Fachwissen zu erkennende Industriedenkmal der Nachwelt zu erhalten und das Wissen aus der Historie zu vermitteln, wurde im Jahr 2014 unter der Führung des Denkmal- und Geschichtsvereins der rund 2,5 Kilometer lange „Geschichtsweg Braunkohle und Alaun“ auf der Ennert-Hardt mit acht Infotafeln geschaffen. Dieser Weg führt von Holzlar bis nach Oberholtorf. „Die Schautafeln, eine Gesamtinvestition von über 5000 Euro, die der Lions Club Ennert gespendet hat, haben sich bis heute bestens bewährt“, erläutert Bachem. Der Denkmalverein wartet sie regelmäßig. Auch in diesem Frühjahr hat Johannes Junglas, Schatzmeister des Vereins, die Tafeln gereinigt, und von (Un-) Kräutern am Boden sowie Buschwerk rundherum befreit – Arbeiten, die regelmäßig durchgeführt werden müssen.

Tafel 6 vorübergehend abgebaut

Das Fichtensterben durch den Borkenkäferbefall hat es vor einem Jahr erforderlich gemacht, bei der Tafel 6 in der Fuchskaule Bäume zu fällen, sodass sie vorübergehend entfernt werden musste. Diese hat Junglas, der sie bei sich in seiner Garage zwischengelagert hatte, Ende Mai mit Hilfe seines Sohnes Maximilian wieder aufgestellt. Wenn jetzt noch der Weg dorthin von den Waldarbeitern wieder hergestellt wird, dann können sich die Wanderer in diesem Gebiet wieder über „Die Ruine der Alaunhütte III in der Fuchskaule“ informieren. Doch der Denkmalverein warnt: „Wenn nicht alsbald konservierende Maßnahmen ergriffen werden, ist der endgültige Verfall von Mauerresten und Kaminrolle wie auch des Ankerbach-Tunnelausgangs absehbar“, steht auf der Tafel zu lesen. Und Bachem ergänzt: „Wir wollen hier in der Natur Kultur erhalten und nicht die Natur zerstören.“ Die beste Sicht auf die verbliebenen Industrieruinen habe man in der blattlosen Zeit.

Ab Mitte der 1870er Jahre verfiel alles, die Natur zog wieder ein und das Thema geriet ein volles Jahrhundert lang in Vergessenheit. „Dann kam der Denkmal- und Geschichtsverein Bonn-Rechtsrheinisch auf die Idee, dieses Stück bedeutender Geschichte, der Beginn der industriellen Geschichte in Bonn überhaupt, wieder auszugraben“, berichtet Bachem. 1985 machte er erste Exkursionen, Spurensuche und öffentliche Führungen, sodass sich der Denkmalverein in der Idee bestärkt sah, hier einen Informationsweg auszuschildern. Auf acht Tafeln werden die Themenaspekte behandelt und Bilder dazu gezeigt. „Der Geschichtsweg“, resümiert Bachem, „wird seitdem bestens angenommen.“