1. Bonn
  2. Beuel

Platz vor dem Beueler Rathaus: Am Baum fehlt die Freude

Platz vor dem Beueler Rathaus : Am Baum fehlt die Freude

Es gibt zwar einen Tannenbaum vor dem Beueler Rathaus, das Schmücken aber fällt aus. Schausteller Hubert Markmann bedauert das.

Hubert Markmann ist Schausteller. Er sagt: „Mein Beruf ist es, anderen eine Freude zu machen.“ In diesem Jahr hat er dazu wegen Corona nur wenig Gelegenheit. „Da­ran habe ich sehr zu knabbern“, sagt Markmann, der mit seinen Fahrgeschäften auch auf Pützchens Markt vertreten ist. Dazu zählen die Riesenschaukel Nessie und die Karussells Octopussy und Hexentanz. „Aber für uns gilt ein Berufsverbot“, sagt er am Telefon.

In dieser Woche wäre eigentlich wieder so ein Termin gewesen, bei dem Markmann Freude verbreiten wollte. Am Donnerstag wurde vor dem Beueler Rathaus der Tannenbaum aufgestellt. Es wäre das vierte Mal gewesen, dass sich die Beueler dort zum Schmücken treffen. Die Veranstaltung wird von der Bezirksverwaltungsstelle organisiert – und auch der General-Anzeiger hat sich in der Vergangenheit schon dabei eingebracht. Aber wegen des Coronavirus wurde in diesem Jahr nichts daraus.

Bei den vergangenen Malen hatte Markmann mitgeholfen, den sieben Meter hohen Baum zu schmücken. Dazu war er stets mit seinem Kran angerückt, den er normalerweise nutzt, um seine Fahrgeschäfte aufzubauen. In einem Montagekorb beförderte er die Kinder und ihre Eltern hoch in die Luft, damit sie ihren selbst gebastelten Schmuck in den Baum hängen konnten. „Gerade jetzt in der Corona-Zeit, erinnere ich mich gerne an diese Momente der Freude“, sagt er. Einer davon sei ihm besonders im Gedächtnis geblieben.

Eines der Kinder hatte Angst, in den Korb zu steigen. Der Vater konnte es nicht überreden. „Ich bin dann zu dem Kleinen hin und habe gesagt: ,Du bist der Chef, wir fahren ganz langsam hoch, nur soweit, wie du willst‘“, erinnert sich Markmann. Das konnte den Jungen dann doch überzeugen. „Es war schon ein gutes Gefühl, als der Vater mir später auf die Schulter geklopft und sich bedankt hat“, sagt er.

An die Freude der Kinder erinnert sich auch Christian Siegberg noch. „Im letzten Jahr war das phänomenal“, sagt der Leiter der Bezirksverwaltungstelle. Mehr als 100 Kinder hätten eine Stunde lang Schlange gestanden, um in den Korb steigen zu können. Es gab Punsch und Kakao und Hermann Hergarten spielte mit seiner Drehorgel ein paar Weihnachtslieder. „Das war eine tolle Geschichte“, sagt Siegberg. Er sei traurig, dass das Schmücken ausfallen muss, dass es keine leuchtenden Kinderaugen geben wird. „Aber die Gesundheit geht vor“, sagt er.

Wie die Idee zum Schmücken entstanden ist, weiß Siegberg nicht mehr genau. Aber Einigkeit gab es unter allen Beteiligten, dass der Beueler Weihnachtsbaum im Vergleich zu den übrigen, die in der Stadt zu finden waren, doch etwas trostlos wirkte. Markmann erinnert sich, dass Siegberg ihm bei einer Tasse Kaffee von der Idee erzählte. „Ich habe gesagt: Klar komme ich mit dem Kran“, erzählt Markmann. Zusammen stellten sie sich vor, dass sich die Kinder später mal daran erinnern, wie sie den Baum geschmückt haben.

Um in den letzten Monaten wenigstens ein bisschen Freude zu verbreiten, hat Markmann ehrenamtlich einige Altenheime mit seiner Kirmesorgel besucht. „Es ist schön, bei den Leuten Erinnerungen zu wecken“, findet er. „Die sagen dann: Die kenne ich noch von der Kirmes in Kessenich.“ Markmanns Exemplar sei eine von drei großen Orgeln, die der Hersteller Wellershaus produziert habe. „Für das, was die 400 Pfeifen können, bräuchte man 80 Menschen“, sagt er.

Auch in der Weihnachtszeit will Markmann mit der Orgel unterwegs sein, denn das Weihnachtsgeschäft fällt für ihn wegen des Virus aus. „Ich versuche positiv in die Zukunft zu schauen“, sagt er. „Irgendwann gibt es einen Impfstoff“. Und dann kann er seinem Beruf wieder nachgehen: Freude verbreiten – Vollzeit.