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Kommentar: Angezählter Marktführer

Kommentar : Angezählter Marktführer

Den Organisatoren des 648. Pützchens Markts ist es gelungen, ein durchaus attraktives Kirmesprogramm auf die Beine zu stellen - auch wenn die ganz großen Namen fehlen.

Die Menschen aus der Region müssen sich wohl damit abfinden, dass die "Top 10" der deutschen Schaustellerszene künftig öfter einen Bogen um Bonn machen werden. Dieser gebrochene Treueschwur zu Deutschlands umsatzstärkstem Fünf-Tage-Markt hat aber keineswegs damit zu tun, dass Pützchens Markt in der Gunst der Besucher nachgelassen hätte. Erst im vergangenen Jahr hat es mit 1,35 Millionen Gästen einen Besucherrekord gegeben.

Das Nein zur Traditionskirmes hat ausschließlich wirtschaftliche Gründe. Hohe Spritkosten für An- und Abfahrt, teure Standgebühren und vor allem das Wetterrisiko lassen Pützchens Markt im direkten Vergleich zu anderen nationalen und internationalen Jahrmärkten ins Hintertreffen geraten. Es gibt mittlerweile Rummel mit mehr als 20 Veranstaltungstagen. Dort wird das wirtschaftliche Risiko durch die lange Dauer reduziert.

Nachdem der Stadtrat gerade erst entschieden hat, dass Pützchens Markt nicht verlängert wird, muss die Verwaltung der Bundesstadt jetzt andere Wettbewerbsvorteile generieren. Ein Vorschlag: Die Fahrgeschäfte, die fünf aufeinanderfolgende Jahre auf den Marktwiesen stehen, erhalten einen Rabatt auf die Standgebühren. Aber auch noch andere Lockangebote sind vorstellbar.

Pützchens Markt genießt in der Schaustellerbranche immer noch einen sehr guten Ruf. Und der darf nicht gefährdet werden. Deshalb muss man die Stadt Bonn beim Wort nehmen, wenn sie sagt, dass sie die Entwicklung sehr genau beobachten und notfalls handeln will.